Relegation mit allen beteiligten Fußballteams?

Fußball  Die Auf- und Abstiegsfrage in Oberliga und Regionalliga ist auch über Ostern ein umstrittenes Thema. Es gibt viele Meinungen und heiße Diskussionen.

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In der Regionalliga formiert sich der Widerstand gegen Absteiger. Foto: dpa

Das Auf- und Abstiegsthema in der Regionalliga Südwest und der Oberliga Baden-Württemberg bewegt auch über Ostern die Gemüter. In der Regionalliga Südwest formiert sich Widerstand gegen die geplanten Oberliga-Aufsteiger bei einem sich abzeichnenden Saisonabbruch in Liga fünf.

Liga-Sprecher Rafael Kowollik (FC Homburg) formulierte eine gemeinsame Erklärung der Clubs an die Gremien der Regionalliga und der Oberligen. Aufgelistet darin sind eine Vielzahl an Argumenten, warum sechs Regionalliga-Absteiger nach 42 Spieltagen und vier Aufsteiger aus den Oberligen bei einem Saisonabbruch in diesen Spielklassen unverhältnismäßig sind. Gefordert wird eine Neubewertung der Situation. Etliche Regionalliga-Vereine erwägen bereits rechtliche Schritte.

Der SGV Freiberg würde profitieren

Eintracht Trier hat nur acht von elf Hinrundenspielen absolviert – und soll vom Regionalverband Südwest als Aufsteiger gemeldet werden. In Baden-Württemberg könnte der SGV Freiberg (13 Spiele) profitieren. Und sieht die Dinge anders: „Bei allem Verständnis für die Regionalligisten: Jedes Team hatte 42 Spiele Zeit, um in der Liga zu bleiben“, sagt Christian Werner, der Sportdirektor des Oberliga-Spitzenreiters SGV Freiberg. „Wir haben den Spielbetrieb ja nicht von uns aus abgebrochen. Wir haben uns den Aufstieg allesamt brutal verdient.“
In der Oberliga war das Gros der Teams bis zuletzt davon ausgegangen, dass es bei einem vorzeitigen Abbruch vor Hinrundenende keine Aufsteiger geben wird. 

Der Zusatz „in der Regel“ eröffnet dem aktuellen Spitzenreiter SGV Freiberg und dem Zweiten Stuttgarter Kickers ein umstrittenes Hintertürchen (wir berichteten). Die Spielordnung habe das die ganze Zeit hergegeben, der Paragraf inklusive der umstrittenen Formulierung „in der Regel“ sei für alle seit Saisonbeginn ersichtlich gewesen, argumentieren die Aufstiegswilligen. Zudem steht es jedem Verein frei, sich juristischen Beistand zu suchen. Freiberg lässt sich von der Kanzlei Schickhardt beraten, Christoph Schickhardt gehört zu den renommiertesten Sportrechtlern des Landes. 

Reutlingen, Dorfmerkingen und Walldorf dagegen - Oberachern dafür

Die Oberligisten in Baden-Württemberg sollten bis zum 1. April ihre Stellungnahmen zur Causa Aufstieg trotz vorzeitigem Saisonabbruch abgegeben. Vereine wie der SSV Reutlingen, die Sportfreunde Dorfmerkingen und FC-Astoria Walldorf sprechen sich darin gegen eine Aufstiegsmöglichkeit aus. Dafür hat sich der SV Oberachern pro Aufstieg positioniert. „Dass es da unterschiedliche Ansichten gibt, das liegt in der Natur der Sache“, sagt Werner. Ob man hierzulande freiwillig auf Aufsteiger verzichtet, die dann nur aus den anderen Landesverbänden wie Hessen oder Rheinland-Pfalz/Saar kämen? Es mangelt nicht an Ideen. Der FC Nöttingen regte zuletzt eine Playoff-Runde der Oberliga-Teams von Rang zwei bis fünf an, die dann den Relegationsteilnehmer ermitteln (aktuell wären dafür die Stuttgarter Kickers als Zweiter vorgesehen).

Thorsten Damm bringt eine Relegation ins Spiel

„Wir versuchen es aus neutraler Position zu sehen“, sagt Thorsten Damm, der Sportliche Leiter der Neckarsulmer Sport-Union. Von ihm kommt ein Vorschlag, der die potenziellen Regionalliga-Absteiger und Oberliga-Aufsteiger in ein gemeinsames Boot setzt. „Sportlich am fairsten wäre eine Relegation zwischen den beteiligten Regionalligisten und Oberligisten“, sagt Thorsten Damm. Über die genaue Ausgestaltung hat er sich noch keine Gedanken gemacht. Die Aufstiegsfrage wäre somit auf dem Feld und ohne Gerichte beantwortet.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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