Nur Nebel bremst Hoffenheim in Europa aus

Fußball  Das 2:0 der Kraichgau-Kicker in Liberec ist schnell abgehakt, am Sonntag muss nun die Bundesliga-Trendwende in Mainz her. Zuletzt gab es sechs Spiele der TSG Hoffenheim ohne Sieg.

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Mit 18 erfüllen sich Europapokal-Träume: Melayro Bogarde (links) stand zum zweiten Mal in der Europa-League-Startformation der TSG Hoffenheim, Stürmer-Kollege Maximilian Beier zum ersten Mal.

Foto: dpa

Am Morgen nach dem Blitztrip in Böhmische lautet die durchaus berechtigte Frage: Wie kurz war die Nacht, Herr Hoeneß? Die Antwort folgt als Konter in Form einer Gegenfrage. "Fragen Sie, weil ich so müde aussehe?", lacht der Trainer der TSG Hoffenheim bei der Video-Pressekonferenz in Mikrofon und Kamera. Die Nacht nach dem 2:0 bei Slovan Liberec war tatsächlich kurz, ungewollt kürzer gar.

Statt von Bautzen zurück nach Mannheim ging der Rückflug nach Stuttgart. Nebel in Mannheim verhinderte dort die nächtliche Landung. "Es war relativ spät in der Nacht, als ich im Bett war", sagt Hoeneß am Tag nach dem vierten Sieg im vierten Europa-League-Spiel dieser Saison. Erst um 2 Uhr war der TSG-Tross wieder im Kraichgau. Das Training am Freitag fand später statt, auch am Sonntag (18 Uhr/Sky) will Hoeneß eine ausgeschlafene Mannschaft auf dem Rasen sehen, wenn es in der Bundesliga beim FSV Mainz 05 um eine Trendwende geht. "Am Sonntag wollen wir endlich wieder punkten - wenn möglich mit mehr als einem Punkt", sagt Hoeneß.

Hoeneß warnt vor Mateta

Die Mainzer feierten zuletzt beim 3:1 in Freiburg ihren ersten Saisonsieg. "Gerade vorne drin haben sie einen, der regelmäßig trifft", sagt Hoeneß über Jean-Philippe Mateta, der in Freiburg drei Treffer erzielte und gerade im Konterspiel seine Stärken besitzt. Hoeneß rechnet wie in Liberec auch in Mainz mit einem tiefstehenden Gegner.

Das mühsame 2:0 in Böhmen war schnell abgehakt. "Es war sicher kein Leckerbissen, aber damit habe ich auch nicht gerechnet", sagt Hoeneß. Hilfreich war der Sieg allemal. In Sachen Weiterkommen, Belastungssteuerung und Stimmung. Für ein junges Duo, gerade einmal 18 Jahre alt, war es noch ein bisschen spezieller. Der umworbene Rechtsverteidiger Melayro Bogarde stand zum dritten Mal in der Anfangsformation, Stürmer Maximilian Beier zum ersten Mal. "Man sieht, dass er unaufgeregt ist, wenn er den Ball am Fuß hat. Das geht in die absolut richtige Richtung", sagt Hoeneß über Bogarde. Das TSG-Trainerteam musste zuvor einige Gespräche zum Thema Zweikampfhärte und Körpersprache mit dem Niederländer führen.

Beier zahlt ein bisschen Lehrgeld

Stürmer Maximilian Beier stand eine Stunde auf dem Feld. "Er war sehr bemüht, teilweise ein bisschen übereifrig, er hat das eine oder andere Foul zu viel begangen", sagt Hoeneß über den Stürmer, den in der Vorbereitung immer wieder kleine Verletzungen aus dem Rhythmus brachten. "Er hat ein bisschen Lehrgeld gezahlt, das ihm auf seinem weiteren Weg helfen wird", sagt Hoeneß über seinen Stürmer, der nach einer Stunde absprachegemäß von Andrej Kramaric ersetzt wurde.

Gemeinsam hatte man besprochen, dass 30 Minuten Spielpraxis sinnvoll sind, "auch im Hinblick auf Sonntag", wie es Hoeneß formuliert. Die halbe Stunde genügte für die zwei späten TSG-Tore. "Für die lange Pause hat er recht schnell wieder Fuß gefasst. Trotzdem sehe ich, dass er noch nicht da ist, wo er vor seinem Ausfall war", sagt der TSG-Trainer über seinen absoluten Top-Stürmer. Zumindest bei den Toren macht Kramaric dort weiter, wo er vor seiner Corona-Zwangspause aufgehört hatte. Er trifft. Und trifft. Und trifft. Auch vom Elferpunkt.

Ein dritter 18-Jähriger saß zuletzt mehrmals auf der Ersatzbank. Offensivmann Marco John, der aus Sülzbach stammt, einst beim FC Union Heilbronn kickte. "Er macht seinen Kram. Es hat am Donnerstag noch nicht gereicht", sagt Hoeneß und stellt dem dritten Youngster bald Einsatzminuten in Aussicht. Vielleicht ja beim (bedeutungslosen?) Heimspiel gegen Gent am 10. Dezember.

Das gemeinsame Problem der 18-Jährigen: Dem Trio fehlt derzeit die Möglichkeit, in der U19-Bundesliga oder der U23 in der Regionalliga Spielpraxis zu sammeln. "Für alle ist es enorm wichtig, den Rhythmus perspektivisch über eine U23 zu haben, für den Fall, dass sie bei uns nicht zum Einsatz kommen."


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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