Nöttingen ist für Neckarsulm ein Gegner, der Rätsel aufgibt

Fußball  Der Fußball-Oberligist Neckarsulmer Sport-Union gastiert diesen Freitag beim FC Nöttingen, der bereits den Trainer entlassen hat. Während die SUN auf Rang eins der Tabelle steht, ist der FCN 18.

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Die Neckarsulmer Sport-Union − hier mit Pasqual Pander (links) und Yannick Eitelwein − grüßen von Platz eins. Doch das ist nur eine Momentaufnahme, die dem schiefen Tabellenbild geschuldet ist.

Foto: Bertok

Es ist eine Oberliga-Saison, die auch weiterhin viele Fragen offen und Raum für Spekulationen lässt. Dass die beiden Titelapiranten Stuttgarter Kickers und SGV Freiberg aktuell nur auf den Plätzen neun und 13 zu finden sind, ist ebenso eine Momentaufnahme wie die Tabellenführung der Neckarsulmer Sport-Union.

Die Unterländer zählen zu den wenigen Mannschaften, die alle ihre sechs Begegnungen absolvieren konnten, während andere Teams Corona bedingt ein, zwei oder im Falle von Reutlingen gar drei Begegnungen im Hintertreffen sind.

Der FC Nöttingen ist an diesem Freitag (19 Uhr) Gastgeber der Neckarsulmer. Der FCN gibt ganz ohne Corona-Einfluss vom sportlichen Saisonverlauf viele Rätsel auf und ist weit hinter den eigenen Ansprüchen nur auf dem 18. Platz zu finden.

Neckarsulms Trainer Busch ordnet das Tabellenbild realistisch ein

"Natürlich ist es schön, ganz vorne zu stehen und wir beschweren uns auch nicht. Jeder sollte sich aber vergewissern, es ist erst der sechste Spieltag vorbei", weiß Sport-Union-Trainer Marcel Busch das Tabellenbild richtig einzuordnen, auch weil das Tableau nach inzwischen acht Spielabsagen ein schiefes Bild abgibt. "Daher ist es wichtiger die Punktzahl und nicht die Platzierung anzuschauen. Und die ist mit 13 Punkten aktuell außerordentlich gut."

Was das Spiel gegen Nöttingen betrifft, warnt Busch vor einem angeschlagenen und daher unberechenbaren Gegner. "Beim FCN hat es ja auch schon einen Trainerwechsel gegeben", erzählt der Chefcoach. "Das ist ein Zeichen, dass der Start für Nöttingen schlecht war, macht aber auch deutlich, die haben einen anderen Anspruch und den auch drauf." Die Mannschaft verfügt über eine ganz eine andere Qualität, was sie in den vergangenen Jahren auch bewiesen hat. "Von daher wird das für uns ein ganz gefährliches Spiel", warnt Busch.

Nöttingen trennte sich von Trainer Marcus Wenninger

Nöttingen war in den zurückliegenden Spielzeiten am Saisonende oder zum Zeitpunkt der beiden Abbrüche auf den Plätzen fünf, zwölf, vier und fünf zu finden. Dem Auftaktsieg gegen den SSV Reutlingen folgten Niederlagen gegen die TSG Backnang, FV Ravensburg, FC 08 Villingen und SV Linx. Nach dem 1:2 gegen Linx zogen die Verantwortlichen die Reißleine und trennten sich von Trainer Marcus Wenninger.

"Wir waren vor allem nach dem Spiel gegen Ravensburg im ständigen Austausch mit dem Trainer", wird FCN-Vorsitzender Dirk Steidl auf der Vereinshomepage zitiert. "Nicht nur die katastrophale Chancenauswertung in Villingen und zuletzt gegen Linx, sondern auch die zu vielen leichten Gegentore zwangen uns zum Handeln. Wir sind uns jedoch im Klaren, dass man den Trainer nicht für alles verantwortlich machen kann und sehen auch die Mannschaft in der Pflicht."

Mit Wittwer wurde ein alter Bekannter als Interimslösung präsentiert

Als Interimslösung wurden der frühere Karlsruher Profi Michael Wittwer, der einst in Nöttingen seine Karriere beendete und dort danach auch als Trainer gearbeitet hatte, in Kooperation mit den Co-Trainern Reinhard Schenker und dem langjährigen Torjäger Metin Telle präsentiert. Im ersten Spiel unter dem neuen Trio folgte mit dem 0:1 gegen Rielasingen-Arlen die fünfte Punktspielniederlage in Folge.

"Die Jungs brauchen jetzt wieder Selbstvertrauen", sagt der 54-jährige Wittwer gegenüber der Pforzheimer Zeitung. "Es ist noch nichts passiert. Wir sind erst am Anfang der Saison." Dass sich der Gastgeber gegen die Sport-Union mit einem Sieg neues Selbstvertrauen holt, das wollen Busch und sein Team verhindern. "Wir dürfen den Gegner nicht als Mannschaft ansehen, die in der unteren Tabellehälfte anzusiedeln ist. Nöttingen war in den vergangenen Jahren eigentlich immer vor uns platziert. Auf diese Qualität werde ich meine Mannschaft schon hinweisen", sagt Busch.

Corona sorgte bereits für viele Absagen

Das Freitagspiel gegen Nöttingen leitet die offziell letzte Englische Woche in 2021 ein. Am Mittwoch (18.30 Uhr) empfängt Neckarsulm den SV Oberachern, bevor es samstags (18 Uhr) zu den Stuttgarter Kickers geht. "Die Frage ist, ob es danach im normalen Rhytmus weitergehen kann", sagt Busch beim Blick auf steigenden Corona-Zahlen.

"Corona wird uns vielleicht die ganze Saison, zumindest aber bis zur Winterpause begleiten", ist Busch überzeugt. Für dieses Wochenende sind die Partien Stuttgarter Kickers-SV Linx und FV Lörrach-Brombach-1. CfR Pforzheim Corona bedingt abgesetzt worden. Es sind die Spielabsagen neun und zehn. Bleibt die Sport-Union von Absetzungen verschont, wäre Busch froh, da "Englische Wochen intensiv sind und jetzt auch die Jahreszeit beginnt, in der man immer wieder verletzungsbedingte Ausfälle zu beklagen hat".

Die ersten acht Pflichtspiele im WFV-Pokal und der Punktrunde in den vergangenen fünf Wochen haben der Sport-Union nicht geschadet. "Das ist dem geschuldet, dass wir wenige verletzte Spieler sowie einen breit und gut besetzten Kader haben", sagt Busch. "Daher konnten wir mit den Kräften haushalten, indem wir von der Aufstellung her immer wieder gewechselt haben. Auf Dauer gesehen ist es mit voll berufstätigen Spielern jedoch nicht angenehm, hat man zuviele Englische Wochen."


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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