Neue Trainer, alte Probleme bei der TSG Öhringen

Fußball  Fußball-Landesligist TSG Öhringen gibt in Satteldorf Führung aus der Hand, verliert 1:2 und wartet weiter auf ersten Saisonsieg.

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Enttäuschung pur herrschte bei Spielertrainer Andrey Nagumanov (rechts) und den Öhringern nach dem 1:2 in Satteldorf.

Foto Marc Schmerbeck

Man kann es Pech nennen. Oder mangelnde Qualität gepaart mit Verunsicherung. Man kann aber auch einfach Andreas Brehme zitieren, so wie es Daniel Alankus tat. Der Weltmeister von 1990 sagte einst: "Haste Scheiße am Schuh, haste Scheiße am Schuh." Besser kann die Situation des Landesligisten TSG Öhringen derzeit kaum zusammengefasst werden.

"Da bekomme ich graue Haare", sagte Alankus nach der 1:2-Niederlage bei der Spvgg Satteldorf. "Bitter. Das Tor, das zum 1:2 führt, das passt einfach zu unserer Situation." Bei einem Diagonalpass der Satteldorfer war Lars Krenkler eigentlich schon am Ball, doch Torhüter Len Brutzer hatte gerufen. Krenkler stutzte kurz und Julian Erhardt schob den Ball ganz einfach am herausgelaufenen Brutzer vorbei ins Tor. Es war in der 84. Minute. Und es war der Satteldorfer Siegtreffer.

Öhringen fehlt das Spielglück

"Es ist teilweise auch eine Frage der Fitness", sagte Alankus, der zu Beginn der Woche erst zusammen mit Andrey Nagumanov das (Spieler)-Traineramt von Martin Weiß übernommen hatte. "Aber das ist ja klar, bei der Trainingsbeteiligung, die wir in den letzten Wochen hatten. Aber es war eine Leistungsteigerung. Uns fehlt jetzt mal ein Erfolgserlebnis. Mit einem Quäntchen Glück wäre es heute möglich gewesen."

Doch das Glück fehlte den Öhringern auch am Samstag. Dabei begannen sie ordentlich. "Die erste Halbzeit war gut", sagte der Sportliche Leiter Wolfgang Guja. "Da waren wir griffig. Zum Schluss hatten die zwar eine Drangphase, doch die haben wir überstanden." Und so ging die TSG mit einer 1:0-Führung in die Pause. Nach einem Ballgewinn im Mittelfeld dribbelte Jonas Dietscher ins Zentrum, passte zu Abele, der mit viel Überzeugung abzog. Von der Latte prallte der Ball ins Netz zur Führung. 16 Minuten waren gespielt. Zwar hatten die Satteldorfer im weiteren Verlauf mehr Ballbesitz aber keine allzu klaren Chancen.

TSG hat zu wenig Entlastung

Nach der Pause ließen die Öhringer etwas den Mut vermissen. Sie konnten sich zu wenig Entlastung verschaffen. Allerdings baute auch Satteldorf nicht den ganz großen Druck auf. Ein unbedingter Siegeswille war nicht zu erkennen. Die Gastgeber spielten ordentlich, aber die Konsequenz im letzten Pass fehlte. Ein Lattenschuss von Fabio Schumacher (63.) war ihre beste Gelegenheit.

"Wir müssen jetzt sehen, dass wir die Minuten abarbeiten", sagte Guja. Es gelang bis zur 79. Minute. Dann schloss Tobias Becker einen schönen Spielzug zum 1:1-Ausgleich ab. Öhringen hatte sich in dieser Phase des Spiels immer weiter zurückfallen lassen. Offensivaktionen hatten sie keine klaren. Irgendwann sicher auch durch die mangelnde Fitness bedingt und durch vier Wechsel, die Öhringen verletzungsbedingt vornehmen musste.

In der 84. Minute folgte dann das verhängnisvolle Missverständnis. Die TSG bäumte sich nochmal auf, versuchte nun mehr Akzente in der Offensive zu setzen. Kam aber nicht mehr entscheidend durch. Im Gegenteil sie verloren noch Toptorjäger Sebastian Hack durch eine unnötige und auch überharte Gelb/Rote Karte. "Das war ein Witz", ärgerte sich Alankus. "Er hat sich über eine eigene Aktion geärgert." Allerdings mit markigen Worten. "Leck mich doch am A...", rutsche ihm nach einem Foul von Nagumanov heraus. Bleibt die Frage, aus welchem Grund so ein Ausspruch mit einer gelben Karte bewertet wird. Wenn es der Schiedsrichter als Beleidigung aufgefasst hätte, wäre es direkt Rot gewesen. Aber auch das passt irgendwie zur Situation der TSG.

"Kopf hoch", meinte Alankus. "Was anderes zählt jetzt nicht. Es galt für uns Reaktion zu zeigen. Die war da. Das vergangene Woche gegen Schornbach war ja von einigen fast schon Arbeitsverweigerung. Heute war es schade. Ein 1:1 hätte ich unterschrieben. Schließlich ist das ja auch eine gestandene, gute Landesliga-Mannschaft."

Doch am Ende blieb ihm eben nur das Brehme-Zitat.

Spvgg Satteldorf: Wiedmann, Belesnai (61. Erhardt), Etzel, Becker, Kreiselmeyer, Yerlikaya (87. Maurer), Hörle, Kreft, Juettner (46. Müller), Beyer (62. Schumacher), König.

TSG Öhringen: Brutzer, Hack, Helming (77. Krenkler), Dietscher (72. Nagumanov), Panknin (71. Hasenauer), Frank, Ceesay, Jankowski, Abele (59. Walter), Alankus, Renner.

Tore: 0:1 (16.) Patrick Abele, 1:1 (79.) Tobias Becker, 2:1 (84.) Julian Erhardt.

Schiedsrichter: Stefan Jenninger.

Zuschauer: 100


Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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