Negativserie des KSC? Eichner schüttelt den Kopf

Fußball  Der Karlsruher SC muss sich mit einem späten 2:2 gegen Holstein Kiel begnügen, weil es defensiv an Lufthoheit fehlt. Vier Kopfballgegentreffer in Serie.

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Umkämpftes und unterhaltsames Zweitliga-Duell: Der Karlsruher Philipp Hofmann (rechts) und der Kieler Hauke Finn Wahl im Zweikampf.

Foto: dpa

Auf den Wahlplakaten vor dem Stadion lächelt Daniel Gordon als Teil der Mitglieder-Werbekampagne Wahlheimat Karlsruher SC. "Groko? Ampel? Jamaika? KSC", ist da zu lesen. Ganz so einfach ist das nicht. Weder sportlich, noch politisch.

Drinnen, im halben Rund des Wildparks, passte die Stimmung von Daniel Gordon nach dem 2:2 des Karlsruher SC gegen Holstein Kiel überhaupt nicht mehr zum Plakat-Lächeln. Bei beiden KSC-Gegentoren sah der 36-Jährige schlecht aus. Zwei Mal verlor Air Gordon entscheidende Kopfballduelle. Aus einem 1:0 wurde so gegen Kiel ein spätes 1:2. Torjäger Philipp Hofmann rettete dem KSC kurz vor Schluss den Heimpunkt. Das gefiel besonders dem obersten KSC-Wahlkämpfer Christian Eichner: "Diese Mannschaft hat etwas, ein Herz, das in dieser Liga mit zu den Besten gehört, was Mentalität, Leidenschaft, Einstellung anbelangt."

Kiel ist auf der ausverkauften Baustelle das bessere Team

In der ersten halben Stunde war davon vor den 10 000 Zuschauern auf der ausverkauften Baustelle zu wenig zu sehen. Der Fast-Aufsteiger der Vorsaison aus Kiel war das bessere Team. "Wir haben nicht so mutig agiert, wie ich mir das gewünscht hatte", sagte Trainer Christian Eichner. Doch sein Team traf per "typischem Zweitligator", wie es der 38-Jährige ausdrückte. Ein langer Ball auf Philipp Hofmann, der den Ball geschickt per Kopf in den Lauf von Kyoung-Rok Choi prallen ließ. Der Koreaner vollendete zum 1:0 (39. Minute). Christian Eichner nahm es beinahe regungslos zur Kenntnis. Aus Unzufriedenheit über die Leistung bis dahin? "Ich freue mich manchmal innerlich, ich freue mich manchmal wie ein Tiger, der sein Futter kriegt", sagte der Mann aus Sulzfeld. Er ärgerte sich viel mehr, dass sein Team fortan die Möglichkeiten aufs 2:0 liegen ließ, die aus einigen Umschaltmomenten hätten folgen können. "Langes Eck, kurzes Eck - Hauptsache zwischen die Ohren", sagte Eichner.

Statt 2:0 stand es binnen 130 Sekunden nämlich 1:2. Erst setzte sich der Ex-Hoffenheimer Joshua Mees im Kopfballduell gegen Daniel Gordon durch - 1:1 (78.), dann flog der 19 Zentimeter kleinere Fin Bartels (80.) Gordon und Co. auf und davon - 1:2. "Die Tore fielen meines Erachtens viel zu einfach. Da lassen wir uns zweimal im Fünfmeterraum ohne richtige Gegenwehr übertrumpfen", kritisierte Kapitän Jerôme Gondorf: "Damit habe ich immer so meine Probleme." Lag es an den ungeplanten Umstellungen in der KSC-Abwehr?

Die KSC-Lebensversicherung heißt Philipp Hofmann

Daniel Gordon war nach 66 Minuten ins Spiel gekommen, weil Robin Bormuth von Bauchkrämpfen geplagt raus musste. "Es ist mir zu einfach, alles auf den Wechsel zurückzuführen", sagte Eichner. Fakt ist allerdings: Wie schon beim 1:2 in Nürnberg kassierten die Badener zwei Kopfball-Gegentore, macht vier in Serie. Wie gut, dass die Karlsruher eine Lebensversicherung haben, die Philipp Hofmann heißt.

In der 88. Minute sorgte sein Flachschuss fürs 2:2. Nach seinen 13 Toren in der Vorsaison hat sich der 28-Jährige weiterentwickelt. "Er kann scheinbar jetzt auch mal mit rechts schießen. Das hat er im Training nicht so gezeigt", sagte Christian Eichner. Der im Sommer viel umworbene Hofmann hatte im finalen Spektakel sogar noch das 3:2 in der Nachspielzeit auf dem Kopf. Der KSC-Trainer witzelte deshalb hinterher: "Die Kopfballchance war eigentlich einfacher, wenn man seinen rechten Fuß kennt. Das macht ihn jetzt noch unberechenbarer." Die Zahlen stimmen: Der KSC hat nur eins der ersten sechs Saisonspiele verloren, neun von 18 möglichen Punkten gesammelt. "Wir sind aktuell in dem Bereich, wo wir auch hingehören", sagte Eichner.

Von einer Negativserie musste Eichner zuletzt lesen. "Da fällt mir alles aus der Hand", sagte der Fußballlehrer und verwies auf den Weg der vergangenen Jahre aus Liga drei, dem Fast-Abstieg 2019/20 und die starke Saison 2020/21.

Die Ansprüche in und um Karlsruhe sind hoch

Christian Eichner geht es also auch nicht anders als den vielen Politikern auf den Wahlplakaten. Sie sorgen für große Erwartungen und Ansprüche, die nicht immer so leicht zu erfüllen sind. Der Anspruch in und um Karlsruhe ist hoch: Auf Rang sechs in der Vorsaison muss nun mindestens Rang fünf folgen. Menschlich nachvollziehbar, aber eher unrealistisch mit Blick auf die finanzkräftigere Konkurrenz.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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