Neckarsulmer finden keinen Weg am unsichtbaren Gäste-Bus vorbei

Fußball  Gegen ultradefensive Lörracher fehlt es Oberligist Neckarsulmer Sport-Union beim 0:0 an Offensiv-Lösungen. Der Aufsteiger ist überglücklich mit dem Punktgewinn am Pichterich.

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Der FV Lörrach-Brombach erwehrte sich am Samstag allen Neckarsulmer Angriffen erfolgreich. Hier versuchen Pasqual Pander (Mitte) und David Gotovac den Ball zu erobern.

Foto: Ralf Seidel

Vor dem Spiel stand der Bus aus dem Dreiländereck unterhalb der Bundesstraßen-Brücke. Nach dem Spiel befand sich das Gefährt direkt vorm Eingang zum Neckarsulmer Pichterichstadion.

Und während des Oberliga-Spiels Neckarsulmer Sport-Union gegen den FV Lörrach-Brombach? Es gab hinterher viele Zeugen bei der Neckarsulmer Sport- Union, die Stein und Bein schwörten, dass da 90 Minuten lang "ein Bus vor dem Lörracher Tor parkte", einer, der den Weg des Balles ins Gäste-Tor versperrte. Die Bus-Besatzung war vielbeinig und engagiert, erstmals in der noch sehr jungen Oberliga-Historie des Vereins ohne Gegentreffer zu bleiben.

Pander ist überzeugt: "Die wollten gar kein Tor schießen"

Torwart Marcel Susser hatte diesen Lörracher Bus beim 0:0 der Neckarsulmer Sport-Union gegen den FV Lörrach-Brombach wahrgenommen, etliche seiner Teamkollegen auch. Neckarsulm spielt seit 2016 in der höchsten Spielklasse Baden-Württembergs. "Für mich war es das erste Mal seit ich hier spiele, dass ich dachte: Der Gegner will ja gar kein Tor schießen", sagte Offensivkraft Pasqual Pander.

Die ursprüngliche Idee des Fußballs basiert auf der Annahme, dass beide Mannschaften Tore erzielen wollen. "Es ist legitim, zu sagen: Ich will nur verteidigen. Ich hoffe aber schon, dass sich so ein destruktiver Fußball nicht langfristig durchsetzt", sagte Neckarsulms Trainer Marcel Busch, als Abwehrspieler einst Zweitligaspieler.

Lörrachs Trainer Erkan Aktas erklärt seinen erfolgreichen Ansatz so: "Wir bauen unser Spiel darauf auf, dass die Null steht", sagte der 40-Jährige. "Wir wissen, dass wir spielerisch nicht mithalten können in dieser Liga." Jetzt gibt es spielerisch schlechtere, aber sicherlich auch bessere Teams als die NSU.

Früher Pfostentreffer der Neckarsulmer und dann lange nichts...

Einen Freistoß von Neckarsulms Maxi Gebert lenkte Lörrachs Torwart Dominik Lüchinger in der dritten Minute an den Pfosten. Danach mangelte es den Gastgebern an Esprit, Ideen und dem finalen Pass. Neckarsulm fehlte es an Mitteln, das Gäste-Bollwerk ins Wanken zu bringen. Chancen? Beinahe Fehlanzeige.

Pasqual Pander zielte aus spitzem Winkel vorbei (55.). "Wir haben irgendwann gemerkt, dass ihnen die Ideen fehlen", sagte Erkan Aktas. Für beide Teams war es das siebte Oberligaspiel innerhalb von 28 Tagen. "Da merkt man dann schon irgendwann: Das geht auf die Knochen", sagte Neckarsulms Offensivkraft Pasqual Pander.

Seinem Trainer mangelte es an Leichtigkeit in den Köpfen und Beinen seiner Spieler. "Wenn wir frischer im Kopf sind, dann kriegen wir die letzte Aktion auch mal durch", sagte Busch nach Punkt Nummer elf im siebten Saisonspiel.

Probleme gegen tiefstehende Gegner

Eine Erkenntnis nach dem ersten Saisonmonat der NSU sieht so aus: Gegen tiefstehende Kontrahenten fehlt es Neckarsulm an Lösungen. "Das lässt sich nicht leugnen", sagte Neckarsulms Sportlicher Leiter Thorsten Damm. Zu sehen war das schon beim Saisonauftakt gegen Aufsteiger Bruchsal (1:2).

Für den Aufsteiger aus dem Südbadischen war es der erste Oberliga-Punkt außerhalb des eigenen Stadions und der erste Punkt im Württembergischen. Erkan Aktas strahlte übers ganze Gesicht und blickte drein wie ein Feldherr, der mit seiner Armee in einer Abwehrschlacht bestanden hat. "Dieses 0:0 ist ein Erfolg, wir sind überglücklich", sagte Lörrachs Trainer.

90 Minuten lang hatten es Ektas und Co. auf diese Nullnummer angelegt. "Die Grundidee war, noch spät den Lucky Punch zu setzen", sagte Aktas.

Beinahe wäre dieser verwegene Plan auch noch aufgegangen. Erst setzte Alexander Albert die beste Neckarsulmer Chance des Nachmittags aus zwölf Metern freistehend übers Gäste-Tor (86.), dann hätte der eingewechselte Tarek Aliane in der 89. Minute beinahe drei Punkte für sein Team eingesackt, doch sein Sechzehn-Meter-Schuss ging knapp übers Neckarsulmer Tor. Gar nicht auszumalen, was dann erst losgewesen wäre beim Oberliga-Neuling.

Auf der langen Heimfahrt das Wir-Gefühl stärken

Das erste Lörracher Bier gab es für den Gästetrainer schon auf der Tartanbahn des Pichterichstadions. Es dürften einige weitere auf der langen Heimfahrt gefolgt sein. "Wir feiern den Punkt auf jeden Fall", kündige Erkan Aktas an: "Ich hoffe, dass wir irgendwie nüchtern daheim ankommen." Die offene Bus-Ladeklappe kurz vor der Abfahrt aus Neckarsulm offenbarte verräterisch: Da war noch ein gut gefüllter Kasten mit Bier. "Es geht darum, das Wir-Gefühl zu stärken. Dafür sind diese langen Fahrten genau richtig", sagte Aktas bevor er sich mit seiner Mannschaft auf den Heimweg machte.


Neckarsulm: Susser, Seybold, Fausel, Romano, Müller (79. Albert), Gotovac, S. Neupert, Bellanave (11. Charrier), Gebert (63. Eitelwein), Cancar (68. Öztürk), Pander.

Schiedsrichter: Matthias Wituschek (Ulm) .

Zuschauer: 200.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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