Neckarsulm in Freiberg: Nur gefühlt ein Spitzenspiel

Fußball  Oberligist Neckarsulmer Sport-Union gastiert an diesem Mittwoch als Tabellenvierter beim Erstplatzierten SGV Freiberg. Doch eigentlich trennen beide Clubs Welten.

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Der Blick von Claudio Bellanave (r.) geht zurück auf drei Siege. David Gotovac schaut nach vorne auf das Spiel in Freiberg. Dort soll nicht verloren werden.

Foto: Bertok

Die Neckarsulmer Sport-Union ist diesen Mittwoch (17.30 Uhr) im Topspiel des sechsten Spieltags der Oberliga Baden-Württemberg beim Titelaspiranten SGV Freiberg gefordert. Der Spitzenreiter erwartet den Tabellenvierten. Mit dieser Konstellation war vor wenigen Wochen nicht zu rechnen.

Nach der Pokalpleite beim Landesligisten Schwäbisch Hall und dem misslungenen Saisonstart mit einer Niederlage gegen Aufsteiger Bruchsal sahen viele schon dunkle Wolken über dem Pichterich heraufziehen. Doch mit viel Herzblut und Leidenschaft sowie dem nötigen Matchglück bejubelte die NSU in der Folgezeit zehn Punkte in Serie. Nun herrscht im Neckarsulmer Lager wieder eitel Sonnenschein.

Thorsten Damm sieht ein Duell Favorit gegen Underdog

Auch wenn das Tabellenbild ein Spitzenspiel vermittelt, ist es für die Neckarsulmer nur ein "gefühltes". "Freiberg steht da, wo sie auch am Saisonende stehen werden. Wir sind glücklich, wie es zuletzt gelaufen ist. Aber nur glücklich über eine Momentaufnahme, die wir genießen", sieht Thorsten Damm, Sportlicher Leiter der NSU, sein Team jetzt nicht plötzlich als Aufstiegsaspirant. "Bei einem Spitzenspiel geht man davon aus, dass zwei Mannschaften auf Augenhöhe aufeinander treffen. Aber es ist eine Partie Favorit gegen Underdog."

Nur drei Zähler trennen die Sport-Union und die noch unbesiegten Freiberger (vier Siege, ein Unentschieden, 9:2 Tore). Doch die Tabelle hat noch wenig Aussagekraft. Die NSU fährt als Team, dass "nur" den Klassenerhalt als Ziel hat, zu einem Aufstiegsaspiranten, hat somit nichts zu verlieren und kann befreit aufspielen. Es ist eine ähnliche Situation, wie am zweiten Spieltag, als die Neckarsulmer beim ambitionierten FC Nöttingen einen Punkt entführten. Warum sollte in Freiberg nicht eine ähnliche Überraschung gelingen?

Direkte Vergleiche sprechen für die Freiberger

Wir machen uns leichte Hoffnungen auf einen Punkt", will Damm nicht schon im Vorfeld eine Niederlage akzeptieren, schließlich gehören unerwartete Ergebnisse in der Oberliga zur Tagesordnung.

Was die aktuelle Lage im Vergleich zur Partie in Nöttingen unterscheidet, Neckarsulm reist diesmal nicht als verunsicherte Truppe an, sondern moralisch gestärkt nach vier Spielen ohne Niederlage, bei zuletzt drei Siegen in Folge. Doch der Kader des SGV ist so stark besetzt, wie noch nie in den jetzt vier gemeinsamen Oberliga-Runden. Auch die Bilanz aus bisher sieben Duellen spricht für die Gastgeber. Die letzten drei Aufeinandertreffen endeten jeweils unentschieden, davor siegte dreimal Freiberg und einmal die NSU. Doch, negative Bilanzen sind da, um verbessert zu werden.

"Wir haben uns in Freiberg immer teuer verkauft, aber dort bisher nur ein Unentschieden erreicht", blickt Damm zurück. "Es ist ja meistens so, dass die Spitzenteams auf eigenem Platz dem Spiel und dem Ergebnis ihren Stempel aufdrücken. Daher fahren wir ohne Druck nach Freiberg."

Nur drei Neckarsulmer haben bisher alle 450 Oberliga-Minuten absolviert

Marcel Busch kann aktuell nicht aus dem Vollen schöpfen, es fehlen weiterhin die angeschlagenen Riccardo Stadler und Robin Neupert. Maxi Gerbert dürfte dabei sein, trotz seiner gegen Ilshofen erlittenen Verletzung am Sprunggelenk. In dieser Saison machte es sich für die NSU bisher bezahlt, auf einen ausgeglichenen und breit besetzten Kader vertrauen zu können.

21 Spieler kamen in den bisherigen fünf Oberliga-Punktspielen zum Einsatz, lediglich Ersatzkeeper Nico Bayha sowie die als Perspektivkräfte in der Liste geführten und in der zweiten Mannschaft eingesetzten Julius Meyer, Niclas Peranitsch und Jan Stascak warten noch auf ihre Bewährungsprobe.

In Torhüter Marcel Susser, Kapitän Steven Neupert und Marco Romano sind bisher lediglich drei Akteure alle 450 Oberliga-Minuten auf dem Platz gestanden.


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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