Neckarsulm geht hinein ins Feuer unterm Fernsehturm

Fußball  Sport-Union gastiert an diesem Samstag bei den Stuttgarter Kickers. Die Gastgeber kehren nach ihrer Corona-Quarantäne in den Spielbetrieb der Oberliga zurück.

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Auf Oberliga-Saisonspiel Nummer acht folgt am Samstag umgehend Nummer neun: Alexander Albert (rechts) und Philipp Seybold sind dann bei den Stuttgarter Kickers gefordert.

Foto: Alexander Bertok

Als weißes Ballett traten die Neckarsulmer Oberliga-Fußballer am Mittwochabend nicht auf, der gewohnte Arbeits-Blaumann für Heimauftritte hätte besser zu diesem glücklichen 1:0-Sieg gegen den SV Oberachern gepasst. Immerhin fungierten die weißen Leibchen wie schon beim späten Erfolg über den FSV Bissingen-Bietigheim als Glücksbringer. Weiße Trikots gleich weiße Heimweste, auf diese Gleichung kommen die Neckarsulmer nach vier Heimspielen mit zwölf Punkten nun.

Erster Oberliga-Sieg für Torhüter Lukas Mai

Schlussmann Lukas Mai (nicht in weiß gekleidet) freute sich besonders über den Sieg, es war ja sein erster als Neckarsulmer Oberliga-Torhüter. Zwei Mal musste er in dieser Saison kurzfristig für Nico Bayha einspringen. In Bruchsal, weil Bayha Vater wurde und dann in der Vorwoche in Nöttingen, da sich die etatmäßige Nummer eins im Training an der Schulter verletzt hatte. "In beiden Spielen hat er blitzsauber gehalten und wir haben trotzdem verloren", sagte Neckarsulms Trainer Marcel Busch. Aller guten Dinge sind drei: Bayha saß noch nicht wieder hundertprozentig fit auf der Bank, Mai erhielt die Chance aufs Heimdebüt und hielt die Null bei den Gegentoren fest. "Für ihn freue ich mich heute besonders", sagte Busch und sprach von zwei Torhütern auf Augenhöhe. Am Samstag, beim Saison-Highlight, dem Gastspiel bei Ex-Erstligist Stuttgarter Kickers (Spielbeginn 18 Uhr), könnte es allerdings nicht nur auf der Torhüterposition einen Wechsel geben.

Neckarsulms Trainer Marcel Busch wird auf der ein oder anderen Position wechseln

Die vielen Englischen Wochen haben körperliche Spuren hinterlassen, der Kader ist groß. "Es wird Wechsel geben, aber sicherlich nicht acht", sagt Marcel Busch. Neckarsulm fährt als Tabellendritter mit 16 Punkten aus acht Saisonspielen zu den Stuttgarter Kickers, die nur halb so viele Spiele absolviert haben (nämlich vier, mit sieben Zählern). Zwei Drittel des Kaders mussten in Corona-Quarantäne, einige Spieler waren positiv. Einige Spiele fielen aus, Training war nur eingeschränkt möglich. "Wir fahren da als Underdog hin. Die Kickers werden kommen und brennen, brutal heiß sein", ist sich Busch sicher.

Kein Bock auf gut spielen und verlieren

Das dürfte auch für die Kickers-Anhänger im stimmungsvolle Stadion unterm Fernsehturm gelten. Der Neustart, der Ausbruch aus dem Corona-Käfig, "das kann befreiende Kräfte freisetzen", sagt Neckarsulms Sportlicher Leiter, Thorsten Damm. Andererseits mangelt es den Kickers an Spielpraxis. Gar keine Lust hat Damm auf ein Déjà-vu, eine Wiederholung bisheriger Gastspiele in der Landeshauptstadt. "Gut spielen und trotzdem 0:3 zu verlieren, darauf habe ich gar keinen Bock", sagt er lachend. Neckarsulm hat den Vorteil im Rhythmus zu sein, ist eins von nur sechs Oberliga-Teams, das alle acht Saisonspiele planmäßig spielen konnte. Ansonsten kommt das Tableau ja schiefer daher als ein weltbekannter toskanischer Turm.

Neckarsulmer Erfolge sind eine Mannschaftsleistung

Fünf Neckarsulmer Siege in den ersten acht Spielen waren nicht erwartbar, oder doch? "Bei dem Auftaktprogramm habe ich uns schon zugetraut, so zu punkten. Das waren meist Gegner, die wir hinter uns lassen wollen", sagt Steven Neupert, Kapitän und Siegtorschütze gegen Oberachern.

Die Neckarsulmer Erfolgsbilanz ist eine Mannschaftsleistung, die Bank aktuell so stark besetzt wie wohl noch nie. Dort sitzt einer wie Marc Mägerle, einst gekommen mit dem Anspruch viel zu spielen. Nun ist da an den Innenministern Tobias Fausel und Marco Romano kein Vorbeikommen. "Er geht gut damit um", sagt Marcel Busch: "Wenn die Konkurrenz aber gut spielt, ist das eben die Feldposition, auf der man am wenigsten wenigsten wechselt. Mägerle wurde zudem immer wieder von kleinen Zipperlein zurückgeworfen. "Er wird seine Einsatzzeiten kriegen", macht Marcel Busch dem Innenverteidiger Mut.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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