VfB Stuttgart in Hollenbach: Müllers Fehlen betrachtet Mislintat als große Ehre

Fußball  Der VfB Stuttgart hat eine neue Nummer eins verpflichtet, stellt den Torwart aber für die Olympischen Spiele in Tokio ab. Der Sportdirektor hält viel von Florian Müller.

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Die Hollenbacher mit Samuel Schmitt (Mitte) hielten beim Vergleich mit dem Bundesligisten dagegen. Trotzdem ging der VfB Stuttgart mit Nikolas Nartey (links) und Hamadi Al Ghaddioui beim 10:1 als klarer Sieger vom Platz.

Fotos: Marc Schmerbeck

Sven Mislintat war dann mal weg. "Ich muss Fußball gucken." Das hatte der Sportdirektor des VfB Stuttgart zwar gerade erst 90 Minuten lang getan, beim Testspiel-Auftakt des Bundesligisten in Hollenbach, beim 10:1 gegen den Hohenloher Verbandsligisten. Aber jetzt waren es nur noch 45 Minuten bis zum Beginn des EM-Halbfinales zwischen Italien und Spanien. Dieses Duell wollte sich Mislintat als TV-Zuschauer nicht entgehen lassen. Weg war er.

VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo hatte es am Dienstagabend zur "Tagesschau"-Zeit gar nicht eilig. Er stand entspannt vor dem Kabinentrakt der Hollenbacher Jako-Arena und sprach übers erste Stuttgarter Spiel in der Saison-Vorbereitung. Ein Thema: Florian Müller, der neue VfB-Torwart, als Nachfolger des zum Ligarivalen Borussia Dortmund gewechselten Gregor Kobel geholt. Der Schweizer war in der vergangenen Saison ein wesentlicher Erfolgsfaktor beim Bundesliga-Aufsteiger. Auch auf Müller, zuletzt aus Mainz nach Freiburg verliehen, wird es entscheidend ankommen, will sich der VfB Stuttgart erneut ziemlich entspannt Richtung Klassenerhalt orientieren.

Sonderlob vom Trainer nach dem 10:1-Sieg

Müllers Fehlen betrachtet Mislintat als große Ehre

Der Neue ist bald wieder weg: Florian Müller darf zu den Olympischen Spielen.

Kobel war von ganz hinten eine wichtige Führungskraft, unüberhörbar in den Corona-Geisterspielen. Der Schlussmann coachte das gesamte Team. In dieser Hinsicht bekam Florian Müller von seinem Trainer ein Sonderlob nach dem 10:1 in Hollenbach. "Ich bin zufrieden mit seiner Präsenz, seiner Ausstrahlung im Spiel."

VfB-Sportdirektor Mislintat hatte den neuen Torwart vor der Partie vollmundig gepriesen. "Da haben wir einen super Keeper für uns an Land gezogen." Müller sei nicht irgendeiner, sondern "unsere absolute Wunschlösung, da wissen wir, er wird ähnlich stark sein wie Greg". Müller, in der ersten Halbzeit auf dem Platz, hatte im Spiel gegen den Sechstligisten FSV Hollenbach mehrfach ernsthaft etwas zu tun gehabt. Die Amateure aus Hohenlohe spielten phasenweise frech nach vorne. FSV-Trainer Martin Kleinschrodt hatte "doch Lücken" in der Stuttgarter Defensive gesehen. Müller musste immer voll konzentriert sein.

Als das Gegentor fiel, stand Müller unter der Dusche

Müllers Fehlen betrachtet Mislintat als große Ehre

Sven Mislintat sieht die Olympia-Nominierung seines Keepers als Ehre.

Als die Hollenbacher in der 55. Minute durch Hannes Scherer ihr Ehrentor erzielten, brauchte der neue Torwart sich nichts ankreiden lassen. "Da war ich in der Kabine am Duschen." Fabian Bredlow war nach der Pause ins VfB-Tor gekommen. Dass Müller zum deutschen Olympia-Kader gehört und demnächst wohl als Nummer eins bei den Spielen in Tokio fürs DFB-Team aktiv sein wird, soll für ihn kein Nachteil im Stammplatz-Bestreben beim VfB sein. Er spiele ja bei Olympia. "Ich komme da in meinen persönlichen Rhythmus rein."

Die Spiele in Japan sind für Florian Müller jedenfalls ein ganz großes Ding. "Das ist eine Möglichkeit, die man - wenn überhaupt - nur ein Mal im Leben bekommt." Den Bossen beim VfB ist er "sehr dankbar" für die Abstellung.

Sven Mislintat spricht von einer brutalen Ehre

Müllers Fehlen betrachtet Mislintat als große Ehre

Trainer Pellegrino Matarazzo war mit der Präsenz seines Torhüters zufrieden.

Kein Problem, signalisierte Sven Mislintat in einer Video-Pressekonferenz am Mittwochmittag, "weil es eine brutale Ehre ist" , dass der VfB seinen Torwart ins Rennen um die olympische Goldmedaille schicken könne. "Da sind wir hundertprozentig dahinter."

Der Stuttgarter Sportdirektor hatte das Elfmeterschießen im EM-Halbfinale und das Happy End für Italien abgehakt. Trotz des Kontinentalturniers ist der VfB mit all seinen Belangen natürlich das klare Thema Nummer eins. Also begrüßte Mislintat die bei der Müller-Pressekonferenz zugeschalteten Journalisten mit den Worten "Willkommen zu den wichtigen Themen".

 

Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme.

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