Mit dem Fußball-Kreispokal in eine neue Zeitrechnung

Fußball  Das Finale zwischen Ittlingen und Eppingen II soll die Vergangenheit beschließen. Es wird ein Duell auf Augenhöhe erwartet.

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Im Halbfinale gegen den B-Ligisten TSV Dühren waren Edrissa Nyassi (Mitte) und der VfB Eppingen II schon am Boden, kämpften sich nach 0:2- und 2:3-Rückstand aber noch ins Finale.

Fotos: Klaus Krüger

Johannes Schinko ist gedanklich bereits einen Schritt weiter. "Ich bin froh, wenn das Finale rum ist", sagt der Vorsitzende des Fußballkreises Sinsheim. Er hätte einfach gerne einen Haken an die Sache. Für Schinko ist dieses Endspiel um den Kreispokal ein kleiner Meilenstein. Sofern es dann einmal rum ist. "In dem Moment haben wir die Vergangenheit dann endlich hinter uns, nicht mehr vor uns", sagt Schinko. Frei von "Altlasten" könnte dann mit dem Staffeltag am Montag die neue Saison beginnen, eine neue Zeitrechnung. Alles Alte: passé.

Die Tagesform wird entscheiden

Dagegen haben auch die Pokalfinalisten, die sich am Samstag um 17 Uhr in Waibstadt gegenüberstehen, bestimmt nichts einzuwenden: Aber für die Kreisligisten VfB Eppingen II und den TSV Ittlingen stellt sich zuvor die Frage, ob sie als Pokalsieger in dieses neue Zeitalter gehen. Vom Papier her ein ausgeglichenes Duell und auch Schinko glaubt, dass "vermutlich die Tagesform entscheiden wird". So wenig sich die beiden Finalisten sportlich vermutlich nehmen, so unterschiedlich sind indes die Voraussetzungen. Hier VfB Eppingen II, gefühlter Dauergast im Kreispokalfinale. Dort der TSV Ittlingen, gefühlt in einer anderen Zeit einmal im Endspiel .

Wann genau, mussten die Verantwortlichen selber erst einmal recherchieren. In der Saison 1970/71 stand der TSV Ittlingen das letzte Mal im Finale und gewann. 1:0 gegen den VfB Eppingen. "Das ist so lange her, dass das niemand von uns mitbekommen hat", sagt der heutige Trainer Martin Schenk, der in Ittlingen aufwuchs und im Seniorenbereich ausschließlich für den TSV gekickt hat. 50 Jahre später hat der 38-jährige mit seinem Team, das er erst seit wenigen Wochen trainiert, nun die Gelegenheit, das für den Verein seltene Kunststück zu wiederholen. Wieder gegen den VfB Eppingen. So wie damals. "Das wäre schon etwas Besonderes, nach genau 50 Jahren wieder den Pokal zu gewinnen", findet Sportlicher Leiter Niels Neef.

Eppingens Zweite im Zweijahres-Rhythmus im Finale

Aber auch für den VfB Eppingen hätte ein weiterer Pokalsieg seinen eigenen Charme. 2015, 2017, 2019, 2021: Alle zwei Jahre schaffte es Eppinger zuletzt ins Finale, die beiden letzten Male nahm der VfB auch den Pott mit nach Hause. Greift das Gesetz der Serie auch diesmal? Oder ist das zu viel Druck? "Druck hatten wir die ganze Zeit schon", sagt der neue Trainer Falk Gerweck. Auch der Finaleinzug, der beim VfB schon zum Standard gehört, musste erst einmal geschafft werden.

Außerdem: "Ittlingen hat nach so langer Zeit wieder im Finale genauso Druck," sagt Falk Gerweck. Wobei die beiden Trainer gar nicht von Druck sprechen wollen. "Die Jungs sollen Spaß haben, das ist eine wichtige Voraussetzung, um auch erfolgreich sein zu können", sagt Schenk, der sich auf das Spiel freut. Ein Titel vor der Saison zu holen: "Das gibt es sonst nur im Supercup bei Bundesliga-Profis", sagt der Trainer der Ittlinger. Ihm selbst bietet dieses Finale eine unerwartete Chance. "Ittlingen ist zwei Mal nacheinander aufgestiegen und in der Kreisliga Zweiter gewesen - da kannst Du als neuer Trainer nur verlieren", sagt Martin Schenk. Doch am Samstag hat er mit seiner Mannschaft die Möglichkeit, "den letzten Jahren noch das I-Tüpfelchen draufzusetzen".

Eppingens Torjäger Stefan Beierle fehlt

Der gegenseitige Respekt ist da. "Eppingen hat eine junge, gut ausgebildete Mannschaft", sagt Schenk. Nachteil: "Ihr fehlt die Erfahrung." Umso mehr, weil Stefan Beierle nach seiner Gelb-Roten-Karte im Halbfinale gegen Dühren gesperrt fehlt. "Das tut uns natürlich weh, weil Stefan schon viele Finales gespielt und auch immer getroffen hat", räumt Gerweck ein. Der hinter Beierle mit der meisten Erfahrung ist Daniel Zeiser, der ist erst 22. "Der Vorteil dieser jungen Truppe ist: Die Jungs machen sich keinen Kopf, die spielen, um Spaß zu haben", so der Trainer. Er hofft, dass seine Spieler "hinten raus über das Läuferische" viel steuern können. Die Vergangenheit soll mit dem Pokal enden.

Mit dem Fußball-Kreispokal in eine neue Zeitrechnung

Da kommt Freude auf: Unter dem neuen Trainer Martin Schenk (re.) haben sich die Ittlinger um Rafael Sa Goncalves (li.) im Viertelfinale und Halbfinale gegen Gemmingen und Epfenbach durchgesetzt.

Verantwortliche und Finalisten kontern Kritik am Austragungsort

Viel zu weit weg, dazu mit Maskenpflicht, die doch vermeidbar gewesen wäre. Und überhaupt: Ein Bärendienst für den Amateurfußball an sich. Die Kritik am Austragungsort des Kreispokal-Finals ist auch in Waibstadt keinem verborgen geblieben. Der Vorsitzende der SGW, Markus Stumpf, sieht das gelassen. "Wir freuen uns auf das Spiel, auf 500 Zuschauer und wollen uns am Samstag bestmöglich präsentieren." Der Rasen ist in Schuss, es gibt neue Spielbälle und auch sonst sind die Gastgeber vorbereitet. Und das schon seit Monaten.

Die SG Waibstadt war bereits als Ausrichter für das Kreispokalfinale der Saison 2019/20 zwischen Steinsfurt und Zuzenhausen II vorgesehen, das Duell entwickelte sich zu einer monatelangen Hängepartie und wurde erst vor kurzem endgültig abgesagt. Die SG stand mit ihren rund 30 Helfern trotzdem parat, bereit die Partie jederzeit auszutragen. "Als es hieß, dass das Spiel am 17. Juli stattfinden soll, haben wir intern bereits angekündigt, dass wir Helfer brauchen", sagt Stumpf. Drei Tage später kam dann die Absage.

Wichtig war ein Ausrichter mit einem abgeschlossenen Gelände

Für den Kreisvorsitzenden Johannes Schinko war gerade auch deswegen klar: "Unabhängig von der Paarung: Waibstadt wird für das Finale mein erster Ansprechpartner sein." Zumal die Vorlaufzeit in diesem Jahr zwischen Halbfinale und Finale sehr kurz war. Davon abgesehen, war dieses Mal wichtig, dass der Ausrichter auf ein "Gelände mit abgeschlossenem Raum" zurückgreifen kann. "Da gibt es zwischen Ittlingen und Eppingen nicht viele", sagt Schinko.

Und die Maskenpflicht? "Die gilt laut Sportverordnung überall", sagt der Kreisvorsitzende. Für die Finalteams spielt diese Diskussion keine Rolle. "Es gibt einen schönen Rasen. Und in Waibstadt weiß man, wie man Feste feiert", sagt Ittlingens Trainer Martin Schenk. In die gleiche Kerbe haut Eppingens Falk Gerweck: "Um das Finale zu spielen, würden wir bis nach Berlin fahren."


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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