Mislintat bleibt beim VfB ein Wohlfühl-Element für Boss Hitzlsperger

Fußball  Der Sportdirektor des Bundesligisten VfB Stuttgart verlängert seinen Vertrag, der im Sommer 2021 ausgelaufen wäre, bis zum Jahr 2023.

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Sven Mislintat, der Sportdirektor des VfB Stuttgart, kann ein hartnäckiger Kerl sein. "Darf ich sagen: stur?", frotzelte sein Boss Thomas Hitzlsperger.

Foto: dpa

Beileibe nicht jeder Satz, der in Pressekonferenzen gesagt wird, entspricht der Wahrheit. Es wird bei solchen Gelegenheiten auch mal geschummelt, gelogen, vertuscht und vernebelt. Als aber am Donnerstagnachmittag Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat nebeneinander saßen, um sich via Videoschalte zu Mislintats Vertragsverlängerung beim VfB Stuttgart befragen zu lassen, konnte man authentisch den Eindruck gewinnen, dass sich der VfB-Vorstandsvorsitzende Hitzlsperger und der ihm untergeordnete Sportdirektor Mislintat wirklich sehr gut miteinander verstehen.

Alle sind zufrieden nach Mislintats Unterschrift

Es gab viel Gelächter und die eine oder andere warmherzige Frotzelei. Es wäre auch ohne entsprechende Statements erkennbar gewesen, dass alle Themen, die es vor der Vertragsverlängerung zu besprechen gab, "zu unser aller Zufriedenheit geregelt wurden", wie es Sven Mislintat ausdrückte.

Zwar hatte es zuletzt so gewirkt, als klemme der Verhandlungsprozess ein wenig, weil dann doch ein bisschen mehr Zeit verging bis zur Verkündung als gedacht. Aber der Sportdirektor machte nun deutlich: "Wir sind konkret nur drei oder vier Mal zusammengesessen." Es habe drumherum ja noch Anderes zu tun gegeben.

Jetzt ist der neue, bis zum 30. Juni 2023 gültige Kontrakt unterschrieben. Sven Mislintats ursprünglicher Vertrag wäre im Sommer 2021 ausgelaufen.

Der Sportdirektor hatte darauf gedrungen, dass seine Vorstellungen von Mitsprachemöglichkeiten sich im Vertrag "manifestieren", anders gesagt: "Es ging um eine Wichtigkeit meiner Person" im Bereich der sportlichen Entscheidungen. Denn Thomas Hitzlsperger könnte ja auch alles ganz anders machen. "Man darf nicht vergessen, am Ende ist er schon auch mein Boss", sagte Mislintat.

Aber sie verstehen sich ja prima, die beiden Macher beim aktuellen Bundesliga-Siebten VfB Stuttgart. Der Vorstandsvorsitzende legt wert auf Debatten, die auch kontrovers sein dürfen. "Wenn wir alle so sind wie ich, dann kommen wir auch nicht weiter." Unterschiedliche Ansichten sollen zu bestmöglichen Lösungen führen. Mislintat drückte es so aus: "Streitgespräch heißt nicht, dass man sich nicht leiden kann." Es gehe darum, Meinungen konstruktiv in Handlungen zu überführen. "Streit darf nicht zu Destruktivismus führen. Wir schaffen das, das kann nicht jeder."

Thomas Hitzlsperger lachte gleich darauf, als er dann über einen Wesenszug seines Sportdirektors redete: die Hartnäckigkeit. Mislintat sei "darf ich sagen: stur?" Der Mann neben ihm auf dem Pressekonferenz-Podium lachte auch: "Darfst du sagen." Dass die Bosse beim VfB Stuttgart gut miteinander umgehen können, ist auch ein Faktor für den sportlichen Aufschwung. Der Vorstandsvorsitzende sagte: "Ich fühle mich extrem wohl in dieser Konstellation." Auch Trainer Pellegrino Matarazzo und Markus Rüdt, der Direktor für die Sportorganisation beim VfB, gehören zum Wohlfühl-Zirkel dazu.

Der Mann aus Dortmund schwärmt, dass etwas heranwachse beim VfB

Sven Mislintat ist seit April 2019 beim Stuttgarter Fußball-Traditionsverein tätig. Der Abstieg wenig später in die 2. Liga war ein bitterer Start, doch der Sportdirektor hat viel Anteil daran, dass es nun dank zahlreicher Talente, die er verpflichtet hat, sehr gut läuft beim Erstliga-Rückkehrer VfB. Der 48-Jährige sprach am Donnerstag von einer "wunderbaren Aufgabe", die er habe. "In diesem Club wächst was, in diesem Club ist Spirit."

So soll es bleiben.

Durch seine Arbeit beim VfB ist Mislintat, der frühere Kaderplaner bei Borussia Dortmund und beim FC Arsenal in London, auch andernorts interessant geworden. Doch: "Nein, es gibt keine Ausstiegsklausel." Es habe Anfragen gegeben. "Aber die habe ich geblockt, im Sinne von: Das interessiert mich jetzt nicht."

Sven Mislintat will sich weiterhin mit aller Kraft dem Projekt VfB widmen. "Das ist "ne Challenge."

Und sowas mag er.


Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme.

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