Millionengeschäft mit Schwächen

Fußball  Bei einer Podiumsdiskussion in Heilbronn zeigen ehemalige Fußball-Profis wie Andreas Buck Veränderungen auf. Eduard Popps Leidenschaft hält mit dem Volkssport Nummer eins der Deutschen nicht Stand.

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An die Sache mit David Beckham erinnert sich Marijo Maric noch ganz genau. Keine Frage, sie ist ein Höhepunkt im Profi-Fußballerleben des heute 43-Jährigen, der es vom ESV Heilbronn über den VfR Heilbronn bis in die kroatische Nationalmannschaft (2002 bis 2004) geschafft hat. Dort kickt der Stürmer auch gegen die Engländer. Mit Beckham. "Ihn habe ich in den Popo gezwickt", sagt Marijo Maric mit einem Schmunzeln im Gesicht, "das musste ich einfach tun."

Anekdoten wie diese erzählen am Freitagabend fünf Männer knapp einhundert Zuhörern in der Aula des Bildungscampus. Das Thema der Podiumsdiskussion, zu der der Verein "Hope for Children" um Vorstand Franz Abfalder eingeladen hat, ist umfassend: Fußball, ein Millionengeschäft. Alle, die rechts und links von Moderatorin Katharina Mähring in den grauen Ledersesseln sitzen, wissen aus eigener Erfahrung, was es heißt, Profi zu sein. Auch der Olympia-Fünfte von Rio, Eduard Popp. Als talentierter Fußballer hat der 29-Jährige einst bei der TSG Hoffenheim ein Probetraining absolviert - und sich dennoch fürs Ringen entschieden, wo er seit Jahren zur Weltklasse zählt.

Zehn Trainingseinheiten die Woche

Eduard Popp trainiert in seinen zehn Einheiten die Woche mindestens so hart wie es der deutsche Meister 1992 mit dem VfB Stuttgart, Andreas Buck, Ex-KSC-Kicker Jochen Heisig, der international anerkannte Bundesliga-Trainer Uwe Rapolder oder Marijo Maric zu ihren besten Zeiten getan haben. Doch alle wissen, dass Popps Leidenschaft keinem Vergleich mit dem "Volkssport Nummer eins der Deutschen" (Rapolder) Stand hält.

Der ehemalige VfB-Profi Andreas Buck hat einen Insider-Report geschrieben.

Denn während Andreas Buck, der heute die Ansprüche verletzter Fußballer bei der Berufsgenossenschaft unterstützt, vom (Ausnahme-)Fall eines B-Jugendlichen berichtet, der monatlich 9000 Euro brutto erhält, spricht Popp davon, wie er nach dem Rückzug seines Bundesliga-Vereins Witten derzeit auf Sponsorensuche ist, um auch finanziell den Weg zu Olympia nach Tokio 2021 zu schaffen. Und das ganz ohne Berater, der bei guten Fußball-Deals Millionen einstreicht. "Der 1. FC Köln hat 2019 allein für Beratergebühren 7,5 Millionen Euro ausgegeben, das sehe ich kritisch", sagt Rapolder. Größer könnte die Kluft kaum sein.

Marijo Maric: Der Fußball ist eine Blase - abseits der Welt

Der Fußball hat sich verändert. Die Art und Weise missfällt den Ehemaligen mehr oder minder drastisch. "Der Fußball ist eine Blase - abseits der Welt", sagt Marijo Maric, "er birgt viele Gefahren, denn nicht jeder kann ein Schweinsteiger werden, und es geht immer wieder ums Geld." Selbstredend ist dies keine Momentaufnahme, doch in Pandemiezeiten wird dies auch dem letzten Romantiker klar. Es ist kein Zufall, dass die Fußball-Bundesligisten international als Erste vor Geisterkulissen wieder auf den Platz gelaufen sind. Uwe Rapolder weist darauf hin, was für "ein riesiger Rattenschwanz da dranhängt".

Geht es nach Marijo Maric, hat sein Sport durch das Diktat des Geldes viel verloren. "Die Spieler werden immer jünger", meint der vierfache Vater, "aber nicht weil sie besser sind, sondern weil man sie besser vermarkten kann." Obendrein haben ihm mittlerweile gar zu viele Theoretiker im Fußball das Sagen. Die große Ausnahme: der FC Bayern München, der zahlreiche Ehemalige integriert, um deren Fachwissen zu behalten.

Millionengeschäft mit Schwächen

Haben über Fußball diskutiert (von links): Andreas Buck, Jochen Heisig, Katharina Mähring, Uwe Rapolder, Marijo Maric, Eduard Popp und Franz Abfalder.

Fotos: Ralf Seidel

Rapolder stört sich an der Akademisierung im Fußball

Die "Akademisierung im Fußball", bei der häufig die persönliche Note des Trainers verlorengeht, stört auch Uwe Rapolder, der um die Mechanismen im Business weiß - und bei allem Philosophieren und Wehklagen unmissverständlich klarmacht, dass es in Zeiten der Globalisierung kein Zurück mehr gibt.

Ein Lob verteilt Jochen Heisig. An den VfB Eppingen, dessen Trikot er einst getragen hat und dessen Jugendkoordinator im Publikum sitzt. "Ihr seid auf dem richtigen Weg", sagt er. Wissend, dass das Ehrenamt noch immer ein unerlässlicher Part im Millionengeschäft Fußball ist.

 

Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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