Lushtaku geht, Eroglu übernimmt bei Türkspor Neckarsulm

Fußball  Überraschender Trainerwechsel beim Landesliga-Tabellendritten Türkspor Neckarsulm. Kushtrim Lushtaku und der Verein trennen sich einvernehmlich.

Email

Kushtrim Lushtaku ist nicht mehr Spielertrainer von Türkspor Neckarsulm.

Trainerwechsel während einer laufenden Saison gehören zum Fußballgeschäft. Im Falle des Landesliga-Tabellendritten Türkspor Neckarsulm überrascht dieser Schritt jedoch. Seit Samstag ist es offiziell, Spielertrainer Kushtrim Lushtaku sowie dessen Bruder und Co-Trainer Besart haben den Aufsteiger verlassen. In Timur Eroglu steht der Nachfolger bereits fest.

"Kushtrim hat gute Arbeit geleistet, aber unser Plan ist, in Zukunft nur mit Trainern zu arbeiten, die an der Seitenlinie stehen. Wir sind der Meinung sind, dass ab der Landesliga ein Spielertrainer nicht der richtige Weg ist", erklärt der Sportliche Leiter Bayram Göcmez. Dieser Schritt war eigentlich erst für nächste Saison geplant. In einem Gespräch wurde Kushtrim Lushtaku darüber informiert. Letztlich kam es dann aber so, dass sich Verein und Spielertrainer in beiderseitigem Einvernehmen auf eine sofortige Trennung einigten.

Die Trennung war eine gemeinsame Entscheidung

"Wir waren uns am Ende einig, es ist die beste Entscheidung", sagt Göcmez und Geschäftsführer Mehmet Gedik fügt an: "Es wäre von unserer Seite unfair gewesen, Kushtrim erst am Ende der Saison über unsere Planungen zu unterrichten." Vorstand Erdal Cengiz hatte noch die Hoffnung, Kushtrim Lushtaku als Spieler halten zu können.

"Aber er hat diesen Vorschlag abgelehnt", bedauert Cengiz. Kushtrim Lushtaku bestätigt, man sei ohne Groll auseinander gegangen. "Schade, denn wir haben etwas richtig Gutes aufgebaut, sind vorne dabei und hätten alle Chancen auf den Aufstieg", sagt Lushtaku. "Mir wurde nicht gekündigt, wir haben uns gemeinsam auf eine sofortige Trennung geeinigt." Als Spieler zu bleiben, kam für ihn nicht Frage: "Ich habe angefangen, den Trainerschein zu machen. Mein Ziel ist es, mich als Spielertrainer zu etablieren."

Eroglu spielte früher für Türkspor in der Landesliga

Die Nachfolge regelte sich schnell. Die Wahl fiel auf Timur Eroglu. Der ehemalige Jugendnationalspieler und spätere Profi für Waldhof Mannheim und den Karlsruher SC ist im Unterland kein Unbekannter. "Ich habe ja auch schon für Türkspor gespielt", erzählt Eroglu, dass der Kontakt zum Verein nie abgebrochen ist. "Schon beim ersten Gespräch hat es sich herausgestellt, dass vieles anders ist, im Vergleich zu der Zeit, als ich als Spieler hier war. Es waren kurze Verhandlungen und schnell klar in welche Richtung es geht."

Lushtaku geht, Eroglu übernimmt

Wurden sich schnell einig: Der neue Türkspor-Trainer Timur Eroglu (links) und Vereinsvorstand Erdal Cengiz.

Fotos: Bertok

Letztlich ist Eroglu vom Konzept der Neckarsulmer überzeugt. "Ich sehe, wie hier alles sportlich vorangekommen ist und bin überrascht wie strukturiert der Verein geführt wird", hebt Eroglu hervor. Einem Vertrag über diese Saison hinaus hätte nichts im Weg gestanden, doch war es der Wunsch des neuen Trainers, die Zusammenarbeit vorerst auf die aktuelle Runde zu begrenzen. Ende Mai wolle man sich erneut unterhalten. Eroglu will erst liefern und dann verlängern. Nun sind alle heiß, dass die Entscheider auf politischer Ebene möglichst bald erst den Trainingsbetrieb und dann auch die Fortsetzung der Saison erlauben. "Ich werde jetzt hier nicht alles umkrempeln, da es ja gut läuft. Wenn in dieser Saison wieder gespielt werden darf, sehen wir jede Begegnung als Endspiel an", macht Eroglu deutlich, dass auch unter ihm das Ziel heißt: "Aufstieg in die Verbandsliga".

Auch ohne Kushtrim und Kreshik Lushtaku eine spielstarke Mannschaft

Dass mit Kreshnik Lusthaku, der im Januar in die erste Liga im Kosovo wechselte, und in Kushtrim Lushtaku zwei Leistungsträger nicht mehr zur Verfügung stehen, ist für die Verantwortlichen kein Hinderungsgrund, diese Vorgabe umsetzen zu können. "Auch ohne die Lushtaku-Brüder verfügen wir über eine spielstarke Mannschaft", macht Cengiz deutlich, dass das Team nun gefordert ist, die beiden Abgänge über das Kollektiv zu kompensieren.

"Deutsche Tugenden treffen auf türkische Leichtigkeit, das ist eine gute Mischung", meint Eroglu mit Blick auf seinen Kader und geht zuversichtlich an seine Aufgabe heran: "Die Konstellation ist klar, mit Breuningsweiler, Schwäbisch Hall und uns spielen drei Mannschaften, um den Aufstieg. Wir als Aufsteiger haben nichts zu verlieren."

Einst Trainer bei der TSG Bretzfeld

Der gebürtige Heilbronner Timur Eroglu (43) wuchs in Leingarten auf und wohnt aktuell in Helmstadt. Der Stürmer begann beim SV Leingarten mit dem Fußball, wechselte in der B-Jugend zum VfR Heilbronn, danach zum VfB Stuttgart und trug in der U18 und U21 das Trikot der deutschen Nationalelf. Es folgten Profi-Stationen beim Karlsruher SC und Waldhof Mannheim. Ein Kreuzbandriss stoppte seine Karriere. Nach langer Pause ging es zurück zum VfR Heilbronn, mit dem er unter Trainer Eike Immel in die Oberliga aufstieg. In der Oberliga spielte Eroglu für den SV Sandhausen, TSF Ditzingen und FV Lauda. Es folgten Landesliga-Spielzeiten für den FC Heilbronn und Türkspor Neckarsulm, ehe er im Alter von 32 Jahren seine Laufbahn beendete. Erste Trainerstation war in der Landesliga die TSG Bretzfeld. Es folgen einige Jahre als Nachwuchscoach beim FC Union Heilbronn, ehe er zuletzt zwei Jahre pausierte.

 

Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

Kommentar hinzufügen