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Kritik, aber auch Verständnis für Saisonunterbrechung

Der Neckarsulmer Oberliga-Trainer Marcel Busch kann die Entscheidung des Verbands, die Saison zu unterbrechen, nicht nachvollziehen. Bei den Landesligisten Türkspor Neckarsulm und Leingarten kann man damit leben.

Alexander Bertok
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Kritik, aber auch Verständnis für Saisonunterbrechung
Winterpause: Auch Oberligist Sport-Union Neckarsulm, hier mit David Gotovac, wurde von der Entscheidung des Württembergischen Fußballverbands jäh ausgebremst. Foto: Andreas Veigel

Die Nachricht über das vorzeitige Ende des Spielbetriebs für dieses Jahr von der Oberliga an abwärts kam spät und für viele Vereinsfunktionäre unerwartet. Am Freitagabend verschickten die Fußballverbände in Württemberg und Baden eine Pressemitteilung, in der die sofortige Unterbrechung der aktuellen Amateursaison bekanntgegeben wurde. Als Begründung wurde das Fehlen einer neuen Corona-Verordnung Sport der Landesregierung und die damit verbundene Rechtsunsicherheit angegeben. Die CoronaVO Sport kam dann am Samstagmorgen. Demnach ist die Nutzung der Kabinen und Umkleideräume nur noch unter 2G-plus-Voraussetzungen (geimpft oder genesen plus ein gültiger Antigen-Schnell- oder PCR-Test) erlaubt. Auf dem Spielfeld gilt wie zuvor die 2G-Regel (geimpft oder genesen).

"Die Landesregierung hat nicht verboten, dass Fußball gespielt wird, sondern mit 2G-plus-Voraussetzungen geschaffen, dass man es kann. In diesem Jahr nicht mehr zu spielen, das hat der Verband festgelegt. Und diese Entscheidung verstehe ich nicht", sind für Marcel Busch, Trainer des Oberligisten Sport-Union Neckarsulm, die neuen Verordnungen kein Grund, die Vereine vorzeitig in die Winterpause zu schicken. "Ich persönlich verstehe die Begründung nicht und hätte gerne weitergespielt. Aber wenn der Verband das festlegt, müssen wir das so akzeptieren", sagt Busch.

Busch: Jeder hat die Chance gehabt, sich impfen zu lassen

"Wo ist das Problem? Ich habe zwei Spieler, die dann nicht in die Kabine dürfen, aber das ist ihre Entscheidung. Jeder hat die Chance gehabt, sich impfen zu lassen", sagt Busch und meint zur 2G-plus-Regel: "Es gibt jetzt ja wieder überall Testzentren, da kann man sich am Freitagabend testen lassen. Innerhalb von 15 Minuten hat man das Ergebnis. Der Test gilt für 24 Stunden. Ich kann dann ins Restaurant und auch Fußball spielen. Dass die Ungeimpften das nicht dürfen, ist deren Pech. Daher kapiere ich nicht, dass wir jetzt nicht mehr spielen dürfen."

An einen kompletten Abbruch, wie in den vergangenen zwei Spielzeiten, glaubt Busch nicht. "Im Worst Case wären wir dann ein Absteiger. Aber so, wie sich die Corona-Lage für mich darstellt, sehe ich keinen Grund, die Rückrunde nicht spielen zu können. Wir reden da jetzt aber nicht von einer neuen Variante und einem weiteren kompletten Lockdown, der wieder alles über den Haufen wirft", sagt Busch. "Und wenn es dennoch soweit kommen sollte, haben wir in der Oberliga die rechtliche Grundlage geschaffen, die Saison zu werten.

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"Betrachtet man die ganze Corona-Situation, ist das im Moment die beste Lösung. Aber wir hätten auch weitergespielt", sagt Kushtrim Lushtaku völlig entspannt. Als Spielertrainer des Landesliga-Tabellenführers Türkspor Neckarsulm kann er die weitere Entwicklung gelassen verfolgen. "Wir als Verein hoffen aber, dass die Saison vernünftig zu Ende gespielt werden kann. Jede Mannschaft hat die Chance verdient, sich bis zum letzten Spieltag zu beweisen. Wir haben zwei Abbruch-Spielzeiten hinter uns, darauf haben wir keine Lust mehr."

Zwei Nachholspiele ärgern Leingartens Trainer

Auch beim Landesliga-Konkurrenten SV Leingarten will man dieses Szenario nicht mehr erleben. "Ich würde so etwas ungern entscheiden müssen", sagt SVL-Spielertrainer Yannick Titzmann über den vorzeitigen Gang in die Winterpause. "Ich kann mich damit durchaus abfinden, hätte aber auch damit leben können, jetzt einfach weiterzuspielen."

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Der Umstand, im neuen Jahr zwei Nachholspiele absolvieren zu müssen, ärgert Titzmann aber dennoch, vor allem, wenn diese unter der Woche ausgetragen werden. "Vermutlich an einem Mittwoch nach Obersontheim fahren zu dürfen, kommt uns nicht entgegen. Wir hätten es auf die Beine stellen können, die restlichen beiden Spiele auch unter den verschärften Regeln zu bestreiten, notfalls ohne Zuschauer. Ich kann aber auch nachvollziehen, dass es andere Vereine gibt, denen der Aufwand zu groß ist, da sehr viel Arbeit dahinter steckt."

Marcel Busch würde noch gerne trainieren

Beim SVL ist nicht geplant, den Trainingsbetrieb, der ja weiterhin gestattet ist, fortzusetzen. "Vielleicht treffen wir uns nochmals, falls das möglich ist, und kicken ein bisschen. Trainiert wird aber nicht mehr", sagt Titzmann.

Bei der Sport-Union Neckarsulm wird noch darüber diskutiert, ob weitere Trainingseinheiten abgehalten werden. "Da stellt sich die Frage: Dürfen wird das von der Stadt Neckarsulm aus. Ich würde gerne trainieren, da ja niemand weiß, wann es wieder weiter geht", sagt Marcel Busch. "Und da würde ich vom Verband gerne wissen, ob die ausgefallenen Spiele vor dem eigentlichen Start in die zweite Saisonhälfte nachgeholt werden, oder ob es weitere englische Wochen gibt? Davon hängt schließlich ab, ob ich meine Vorbereitung anders planen muss."

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