Karlheinz Förster fordert einen Ausbruch des VfB Stuttgart aus diesem Kreislauf

Fußball  Der einstige Sportdirektor des VfB Stuttgart hofft nicht nur auf einen Sieg gegen die TSG 1899 Hoffenheim. Das Ziel müsse künftig zwischen Platz fünf und acht liegen.

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Gestenreicher Gesprächspartner: Spielerberater Karlheinz Förster hängt immer noch an seinem Ex-Club VfB Stuttgart und wünscht sich für den Aufsichtsrat mehr sportliche Kompetenz.

Foto: imago images/Herbert Rudel

Die Frage nach dem Fernsehprogramm im Hause Förster stellt sich am Sonntag ab 18 Uhr nicht. "Natürlich das Spiel VfB Stuttgart gegen die TSG Hoffenheim", sagt Karlheinz Förster und lacht: "Da ist der Ausgang innerhalb von einer Stunde und 45 Minuten geklärt, da braucht man keine Hochrechnungen wie bei den Landtagswahlen." Die Daumen drückt der Vize-Weltmeister von 1982 und 1986 dem VfB, für den er einst elf Jahre kickte.

Förster hat daheim in Schwarzach viel Spaß an den Spielen der Stuttgarter, dem schönen Offensivfußball. "Ich hätte nicht damit gerechnet, dass der VfB jetzt schon so viel Punkte auf dem Konto hat. Man hat das Gefühl, da passt gerade alles zusammen." Er tippt auf einen 2:1-Sieg gegen die TSG Hoffenheim, bei der Förster mal sportlicher Berater war.

Damals, als der Trainer noch Hansi Flick hieß. "Wenn der VfB so weitermacht, dann traue ich ihnen auf Sicht zu, wieder die Nummer eins in Baden-Württemberg zu sein und Hoffenheim zu überholen. Der VfB sollte in den nächsten Jahren wieder unter den Top sieben der Bundesliga stehen", sagt Karlheinz Förster.

Das gelinge aber nur, wenn man den jungen Kader mit viel Potenzial zusammenhält. Der 62-Jährige weiß um die Problematik, er war von 1998 bis 2001 selbst Sportdirektor beim VfB Stuttgart. Auch damals war das Geld knapp.

Kann man es sich erlauben, attraktive Angebote abzulehnen?

Die Krux an der VfB-Lage: Kann man es sich in der aktuellen Situation überhaupt erlauben, Angebote für all die funkelnden Diamanten im Kader abzulehnen? Wenn man einen multimillionenschweren KfW-Kredit braucht, es an sehr viel Geld mangelt, weil die Zuschauereinnahmen seit einem Jahr fehlen? Das sei genau das Dilemma, in dem der Club stecke, meint Förster.

Die Perspektive für den VfB sieht für ihn so aus: "In der nächsten Saison musst du zwischen Rang fünf und acht landen", sagt er. Dann habe man Argumente gegenüber Spielern wie Nicolas Gonzalez, Silas Wamangituka und Sasa Kalajdzic, die da lauten: "Bleib noch ein, zwei Jahre bei uns, und dann kannst du den nächsten Schritt machen mit 100 Spielen auf dem Buckel."

Zwei oder drei Topspieler abgeben zu müssen, wäre fatal

Die Gefahr für einen Aufsteiger wie den VfB besteht in der zweiten Saison nach dem Aufstieg jedoch häufig darin, dass die Euphorie der ersten Spielzeit weg ist. Es nur um den Klassenerhalt geht. So wie nach dem Aufstieg 2017, der im erneuten Zweitliga-Abstieg 2019 mündete. "Wenn du jetzt im Sommer zwei oder drei Topspieler abgeben musst, dann läufst du Gefahr, dass es eben wieder nach unten geht. Aus diesem Kreislauf muss der VfB rauskommen."

Förster ist sich sicher: "Wenn du um die Plätze ab zehn abwärts spielst, kannst du die guten Spieler nicht halten." Zudem werde es dann auch schwer bis unmöglich, Sportdirektor Sven Mislintat langfristig für die Stuttgarter zu begeistern. "Der will auch irgendwann den VfB wieder in Europa sehen", sagt Förster über den Mann, den er für den Vater des aktuellen Stuttgarter Erfolgsweges hält. Schaffe man das nicht, sei Mislintat dann eben doch schnell in Dortmund oder woanders.

Demnächst Treffen mit Mislintat wegen Didavi

Mit Sven Mislintat wird auch Förster demnächst einen Gesprächstermin haben, der allerdings noch nicht fixiert ist. Es wird dabei um Daniel Didavi (31) gehen, dessen Vertrag im Sommer ausläuft. "Daniel würde sich freuen, noch mal ein Jahr beim VfB zu spielen. Wenn es nicht weitergeht, dann eben woanders", sagt Förster als Berater von Didavi. Auch Nationalspieler Timo Werner vom FC Chelsea gehört zu seinen Klienten.

Die Turbulenzen in Vorstand und Aufsichtsrat der Stuttgarter hat Förster aus der Ferne beobachtet. Eine Funktion strebt er nicht mehr an. Zu unbequem sei er dafür, lacht Förster ins Telefon: "Ich würde empfehlen, außer Rainer Adrion noch zwei Leute im Aufsichtsrat dazu zunehmen, die sich im Fußball auskennen. Es muss wieder ein Gremium sein, in dem sich Fußball- und Wirtschaftskompetenz ergänzen. Und nicht gegenüber stehen."


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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