Jetzt gibt es für den VfB wieder etwas zu gewinnen

Fußball  Sven Mislintat will den Kader des so gut wie sicheren Aufsteigers aus Stuttgart nicht groß verändern. Um den Bretzfelder Lilian Egloff müsse man sich keine Sorgen machen. Der 17-Jährige wurde in der Liga dreimal eingewechselt und hat bis 2023 einen laufenden Vertrag.

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Ist vom aktuellen Kader des VfB Stuttgart überzeugt: "Wir haben sehr gute Qualität mit einer guten Gewichtung und einer guten Mischung", sagt Sportdirektor Sven Mislintat.

Foto: imago images/Avanti

Natürlich habe die Mannschaft seriös gefeiert, sagt Sven Mislintat. "Wir haben uns so eng wie nur möglich an die Vorgaben gehalten, die wir haben." Der Sportdirektor des VfB Stuttgart habe dementsprechend isoliert mit der Führungsriege am Sonntagabend mit einem ganz gemütlichen Bier und einem Glas Whiskey auf die vergangenen beiden Siege des Zweitligisten angestoßen, erzählte Mislintat am Montag, dem Tag danach. Der Aufstieg in die Bundesliga ist dem VfB nur noch theoretisch zu nehmen. Aber in der Praxis kommt noch ein Spiel. Am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) zu Hause gegen den SV Darmstadt 98.

Im ständigen Prozess 

Deshalb tat sich Sven Mislintat schwer, eine Bilanz nach einem verrückten Jahr beim VfB zu ziehen: "Wir sind noch in den ständigen Prozessen der Saison. Wir müssen den letzten halben Meter noch gehen." Den letzten halben Meter eines Marathons. Der kommende Saison nicht schon wieder eine Achterbahnfahrt werden soll. Taugt dieser Kader für die Bundesliga?

"Wir haben sehr gute Qualität", sagte Sven Mislintat, "mit einer guten Gewichtung und einer guten Mischung." Doch der teuerste Kader der Liga war nur selten in der Lage, in der 2. Bundesliga zu glänzen. Deshalb wurde auf halber Strecke Trainer Tim Walter ausgetauscht. Auch unter Pellegrino Matarazzo blieb das filigrane Ensemble wankelmütig, tat sich schwer mit der Liga, die dominiert wird von "extrem über den Spirit und die Laufbereitschaft agierenden Mannschaften, die tief stehen" (Mislintat).

Zweimal ab- und wieder aufgestiegen 

Was in der wann auch immer beginnenden Saison 2020/21 anders wird, so der Kaderplaner: "Als Aufsteiger trittst du an, um was zu gewinnen. Als Absteiger kannst du in der zweiten Liga nur verlieren." Ja, es wird gegen einen FC Bayern München oder Borussia Dortmund Räume, mehr Möglichkeiten geben. Eine Möglichkeit ist aber: Der VfB Stuttgart, der in vier Jahren zweimal ab- und wieder aufgestiegen ist, könnte eine Fahrstuhlmannschaft werden. Aber immerhin ist er im Gegensatz zu den Mitabsteigern Hannover und 1. FC Nürnberg wieder direkt aufgestiegen. "Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie schwer es ist, wieder aufzusteigen", sagte Sven Mislintat. "Ich glaube, dass sogar jeder sechste Bundesligaabsteiger in die 3. Liga runter musste."

"Wir standen zusammen" 

Dass der Weg des VfB wieder nach oben geht, sei der Geschlossenheit zu verdanken, die im Gegenwind gezeigt worden sei. "Als es unruhig wurde, standen wir zusammen", schrieb VfB-Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger auf Twitter nach dem 6:0 in Nürnberg unter ein Foto, das ihn mit Sven Mislintat und Pellegrino Matarazzo zeigte. Der Trainer hatte am Sonntag mit dem Blick auf die lediglich eine Woche alte 1:2-Pleite im Derby gegen den Karlsruher SC bekannt:

Seine Mannschaft habe sich auf dem Weg "kurz verloren, aber wiedergefunden. Deshalb waren die vergangenen beiden Spiele so herausragend." Mit dem 5:1 gegen den SV Sandhausen und dem 6:0 gegen den 1. FC Nürnberg. Als der Druck am größten war. "Es ist auch eine Qualität, in den entscheidenden Spielen so eine Leistung abzurufen", sagte Mittelfeldspieler Philipp Klement.

Einen radikalen Umbruch soll es im Kader des VfB nicht geben. "Es gibt zum einen keine Notwendigkeit", erläuterte Sven Mislintat. "Zum anderen hat jeder Spieler seinen Job gut erledigt." Klar ist aber, dass eine Stelle im Sturm frei wird, da Mario Gomez den Verein verlässt. Und Nicolás González hat zuletzt auf sich aufmerksam gemacht. Ist der junge Argentinier zu halten? "Er hat einen Vertrag bei uns", zeigte sich Mislintat gelassen. "Wir können allen Jungs nächste Saison eine gute Plattform bieten, und wir tragen als Aufsteiger einen Erstliganamen." Der Umbruch hat vor einem Jahr stattgefunden. Jetzt gehe es darum, die nächste Etappe im Prozess zu durchlaufen: Bundesliga!

Mislintat: Lilian Egloff soll belohnt werden

Auf dem weiteren Weg soll auch Lilian Egloff dabei bleiben. Der Bretzfelder wird von anderen Clubs umworben, habe aber einen bis 2023 laufenden Vertrag. Mislintat: "Man muss sich da keine Sorgen machen. Wir wollen das belohnen, was er leistet." Der 17-Jährige wurde in der Liga dreimal eingewechselt. Als einen möglichen Neuzugang nennt der "Kicker" Taxiarchis Fountas. Der 24-jährige Grieche spielte 2017/18 bei der SG Sonnenhof Großaspach in der 3. Liga. So oder so soll am Sonntag erst seriös Fußball gespielt sowie anschließend noch einmal seriös gefeiert werden. Und dann bilanziert Sven Mislintat.


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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