Im Fußball-Bezirk Hohenlohe hat die Hängepartie ein Ende

Fußball  Die Verantwortlichen des Fußball-Bezirks Hohenlohe haben Tatsachen geschaffen und Ende der vergangenen Woche auf Bezirksebene die Winterpause eingeläutet, noch bevor der Württembergische Fußball-Verband (WFV) eine Entscheidung getroffen hat.

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Schon im Sommer waren die Sportstätten wegen der Corona-Pandemie zeitweise geschlossen. Im Fußball-Bezirk Hohenlohe wird es nun in diesem Jahr keinen Spielbetrieb mehr geben.

Fotos: Marc Schmerbeck

Eine Entscheidung des Württembergischen Fußball-Verbands wird an diesem Mittwoch erwartet. "Wir haben sehr viele Anrufe und E-Mails von Vereinen bekommen, die wissen wollten was Sache ist. Deshalb haben wir beschlossen, etwas vorzupreschen", sagt der Bezirksspielleiter Hartmut Megerle. Wie es mit der Saison weitergeht, ist aber noch offen.

 

Warum warteten die Bezirks-Verantwortlichen nicht auf die Verbandsentscheidung?

Vergangene Woche gab es eine Videokonferenz der Bezirksvorsitzenden. Dabei drängte der Hohenloher Ralf Bantel darauf, dass man für dieses Jahr Schluss macht. "Das wollte der Verband nicht", sagt Bezirksspielleiter Hartmut Megerle. "Aber es gab aber die Antwort, dass jeder Bezirk selbst entscheiden kann, ob er seine Spiele ansetzt oder absagt. Darauf haben wir gesagt, dass wir ein Ende haben wollen. Diese Hängepartie muss ich nicht haben. Es war absehbar, dass es bei der Bund-Länderkonferenz der Regierung keine Freigabe für den Fußball geben wird. Da muss ich die Vereine doch nicht noch eine Woche länger warten lassen." Da man eine Lösung für alle Bereiche im Bezirk anstrebte, wurde Jugendleiter Niko Schwarz noch mit einbezogen, der sich ebenfalls für eine Pause aussprach.

Wie geht es weiter?

Die Szenarien sind da, aber diese müssen vom Verband genehmigt werden. "Ich halte es für illusorisch zu glauben, man bekommt eine normale Runde hin", sagt Megerle. Er könnte sich ein Playoff/Playdown-Modell, wie es am Bodensee gespielt wird und es den Oberligisten bereits vor der Runde vorgeschlagen wurde als Alternative vorstellen. "Diese Alternative müsste zeitlich machbar sein und hat einen sportlichen Wert", sagt Megerle.

Warum scheint es kaum möglich, die Runde normal zu Ende zu bringen?

Die Hängepartie hat ein Ende

Hartmut Megerle und seine Kollegen wollten nicht mehr länger warten.

"Ich muss ja von der Bezirksliga ausgehen, der größten Staffel", sagt Megerle und stellt klar: "Es sind zehn Spieltage absolviert. Das heißt sieben Spiele der Vorrunde fehlen und 17 der Rückrunde, das sind noch 24 Spiele. Dazu hat der eine oder andere noch Pokalspiele und Relegationsspiele, das könnten bis zu 30 Partien sein. Wie soll das gehen?" So heißt es immer wieder, man könne doch bereits im Januar wieder versuchen zu starten. "Wie soll das in Hohenlohe gehen?", fragt sich Megerle.

"Im Januar/Februar brauche ich bei uns keine Spiele ansetzen. Ich habe ja im Bezirk fast schon unterschiedliche Klimazonen und es ist wahrscheinlich, dass viele Spiele ausfallen. In Crailsheim oder Mainhardt ist es eben anders als im Taubertal oder Öhringen. Das wäre dann eine Wettbewerbsverzerrung." So will er keine Spiele ansetzen, von denen er ausgeht, dass die eh ausfallen. Zumal es unwahrscheinlich scheint, dass der Amateursport im Januar bereits eine Freigabe erhält. "Und selbst wenn, müsste es ja vorher die Gelegenheit zum Training geben", sagt Megerle. "Jetzt müssen wir erstmal wissen, wann es wieder losgeht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man im Januar oder Februar wieder spielen darf. Und wenn ich im März anfangen will, brauche ich im Februar die Freigabe für das Training."

Wird der aktuelle Terminplan eingehalten?

"Für uns steht definitiv fest, dass wir zuerst die Vorrundenspiele spielen und dann die Rückrunde. Wir werden mit Sicherheit nicht gemäß der alten Terminliste im März anfangen und werden dann zwischendrin unter der Woche die ausgefallenen Spiele ansetzen", sagt Megerle. "Zuerst sollte die Vorrunde gespielt sein. Dann werden wir sehen, wie es weiter geht und was der Verband genehmigt." Von einem erneuten Saison-Abbruch und der Wertung nach Quotienten-Regel hält er wenig. "Es gibt natürlich wieder die Möglichkeit, einfach abzubrechen und den Quotienten zu nehmen. Aber das ist meiner Meinung nach die absolut unsportlichste Lösung. Zumal es Absteiger geben soll und Absteiger nach Quotient hat man letztes Jahr abgelehnt. Dieses Jahr lässt man dann Teams so absteigen, weil man es im Vorfeld gesagt hat. Das passt doch nicht zusammen.

In der vergangenen Saison wurde man von der Entwicklung ja noch überrascht", sagt Megerle. Dass es in dieser Runde zu Unterbrechungen und Terminproblemen kommen kann, war hingegen von vorne herein klar. "Meine Intention ist einen Abschluss der Runde zu haben. So sehen es die allermeisten Vereine auch", sagt Megerle.

Gab es vom Verband schon Vorschläge, wie es weitergehen kann?

Bisher gibt es nur eine Art Ideensammlung. "Ganz wichtig ist, dass 50 Prozent der Spiele durchgebracht werden. Dann hat man eine Möglichkeit, die Tabelle zu werten. Das heißt aber nicht, dass die Vorrunde komplett gespielt ist, sondern einfach 50 Prozent der Spiele. Alles andere ist bisher noch völlig offen", sagt Megerle. Momentan steht noch die Tendenz, dass man versucht, die Runde komplett fertig zu spielen. "Aber wenn ich davon ausgehe, ich müsste sieben Englische Wochen ansetzen, das geht nicht", sagt Megerle.

"Wir haben zu große Entfernungen im Bezirk, und die Spieler arbeiten. Es ist vielleicht eine Englische Woche pro Monat möglich." Und selbst wenn im Frühjahr wieder einigermaßen Normalität einkehrt, heißt dies, dass auch in den Betrieben Normalität einkehrt, da können Spieler nicht ständig früher aufhören wollen, weil sie Fußball spielen. "Deshalb muss man vorsichtig sein und darf die Vereine nicht überfordern.

Für mich wäre es logisch, den Bezirken den Freiraum zu lassen. Sie kennen die Begebenheiten, die Sportplätze, die Mannschaften. Und da es ist in Hohenlohe anders als in Ludwigsburg, Stuttgart, am Bodensee oder im Unterland", so Megerle.

 

Terminplan

Der letzte Spieltag in dieser Saison war im Bezirk Hohenlohe am 13. Dezember angesetzt. Es wäre der 17. und damit letzte Vorrunden-Spieltag in der Bezirksliga gewesen. Nach den aktuellen Planungen soll die Saison am 7. März fortgesetzt werden. Dann wohl aber - zumindest wenn es nach Hartmut Megerle geht - in Hohenlohe nicht mit den bisher angesetzten Partien sondern mit den wegen der Corona-Pandemie ausgefallenen Spielen der Vorrunde. 

 

Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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