Im Fußball-Bezirk Hohenlohe fühlt man sich ohne Vorwarnung vom WFV überrollt

Fußball  Der Hohenloher Fußball-Bezirksvorsitzende Ralf Bantel fühlt sich beim Pokal unter Druck. Die neue Saison könnte am letzten August-Wochenende starten.

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Auf den Sportplätzen darf wieder ein geregelter Spielbetrieb stattfinden. Auch im Bezirkspokal. Noch ist aber offen, wie es weitergeht.

Foto: Marc Schmerbeck

Der Ärger war Ralf Bantel deutlich anzuhören. "Ich bin stocksauer. Das hat einen Riesenaufruhr gegeben, auch bei anderen Bezirken", sagt der Hohenloher Fußball-Bezirksvorsitzende. Für großes Unverständnis hat die letzte Bekanntgabe des WFV (Württembergischer Fußball-Verband) gesorgt.

"Da zitiere ich mich gerne selbst und stehe auch dazu: Das hat man uns vor den Latz geknallt." Vor allem was den Bezirkspokal der vergangenen Saison anbelangt, fühlt sich Bantel überrumpelt.

Allerdings soll es am heutigen Donnerstag nochmal eine Videokonferenz mit dem Verband zu dem Thema geben. Schon bei der Bekanntgabe der Beschlussfassung zum Saison-Abbruchs-Szenario hatte Bantel ähnliche Worte benutzt und war vom Verband dafür kritisiert worden.

Bis 3. August muss ein WFV-Pokal-Teilnehmer genannt werden

Das Problem: "Wir können den Bezirkspokal zwar selbst ausrichten, müssen aber bis 3. August den Teilnehmer am WFV-Pokal der nächsten Saison melden", erklärt Bantel.

Zumal es in den vergangenen Tagen einen Schlingerkurs gab. Beim außerordentlichen Verbandstag wurde den Bezirken freigestellt, wie mit dem Bezirkspokal weiter umgegangen werden soll. Wenige Tage später folgte die Tendenz, den Wettbewerb abzubrechen, jetzt ist wieder alles freigestellt.

Bezirk würde den verbliebenen Mannschaften gerne Spiele und auch Training ermöglichen

Den verbliebenen Teilnehmern würde der Bezirk Hohenlohe vor den Spielen - es stehen noch ein Viertelfinale und die Halbfinals aus - gerne genügend Zeit zum Trainieren geben. Doch nun ist der Druck groß. Zumal es im Moment trotz der Lockerungen noch viele Fragezeichen gibt. "Das gibt uns schon ein ungutes Gefühl. Das stinkt mir und nicht nur mir. So müssen wir im Juli noch sehen, wie wir die Spiele durchbekommen. Und die Vereine würden gerne spielen."

Schließlich steht man nicht jedes Jahr im Pokal-Halbfinale. Da im Juli aber nur 100 Zuschauer erlaubt sind, müssen die Partien praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. "Unser Plan war, die Spiele Anfang August durchzuziehen, wenn zumindest 500 Zuschauer auf den Platz dürfen."

So gibt es im Bezirk nun allerlei Gedankenspiele. In einem davon soll wenigstens das Finale am 2. August über die Bühne gehen. "Dann könnten wir den Finalisten jeweils 200 Karten geben. Und ohne braucht gar kein Zuschauer kommen", sagt Bantel. Er hofft, dass es in der Konferenz vielleicht einige Hilfestellungen vom Verband gibt.

Früher überbezirklicher Saisonstart wirft Fragen auf

Und nicht nur er wurde vom Zeitplan des Verbandes überrascht. In den vergangenen Wochen war - wegen der Corona-Pandemie und der deshalb aufgestellten Regeln - immer von einem Saisonstart im September die Rede. Höchstens am Rande und zwischen den Zeilen war zu vernehmen, dass man auch früher mit der Saison anfangen würde. Der Starttermin in den überbezirklichen Ligen am 22./23. August ist nach den Lockerungen nur zu verständlich, wirft aber einige Planungen über den Haufen. Denn durch die großen Ligen steht man unter enormem Zeitdruck.

Noch prekärer wird es durch die erste WFV-Pokalrunde der nächsten Saison am 8. August. Auch der WFV wurde von den Lockerungen überrascht, er hatte es aber versäumt, frühzeitig mit der Politik das Gespräch zu suchen. Dann wären die Planungen eventuell klarer möglich gewesen.

Kommunikation passte laut Bantel nicht

"Wir haben doch einen Präsident, der Bürgermeister ist, da dachte ich schon, dass er das Ohr näher an der Politik hat. Im Moment drehen die etwas stark am Rad", sagt Bantel. "Irgendwie sind alle übergangenen worden. Wie es kommuniziert wurde, ist unschön. So verärgern sie uns. Wir wurden überrollt."

Und noch etwas kommt für ihn dazu. "Ich finde die Lockerungen der Landesregierung grenzwertig. Und genauso grenzwertig ist es, so schnell auf den Zug aufzuspringen. Die Verantwortung liegt jetzt ja irgendwie auch bei uns. Das ist auch für die Mannschaften nicht schön. Ich hatte erwartet, dass man da etwas vorsichtiger ist."

Tendenz geht zum Saisonstart in Hohenlohe Ende August

Nachdem Bantel so überrascht wurde, will er sich erstmal mit seinen Vorstandskollegen zusammensetzen und beratschlagen. "Das war für den 7. Juli angesetzt. Wir werden es wohl vorziehen." Denn es geht nun auch darum, wann im Bezirk die Saison starten soll. "Die Tendenz geht nun schon auch dahin, eine Woche früher als geplant zu starten", sagt Bantel. "Dann hätten wir einfach mehr Spielraum." So würde es im Bezirk mit der Saison am letzten August-Wochenende (29./30.) statt wie angedacht am ersten September-Wochenende starten.

"Spannend wird es bei uns in der Bezirksliga mit 18 Mannschaften, alle anderen Ligen sollten problemlos machbar sein", sagt Ralf Bantel. "Ich denke, es sollte funktionieren, wenn nichts Unvorhergesehenes passiert. Das einzige, das es etwas verkompliziert, ist, dass wir vor der Europameisterschaft fertig sein wollen." Zudem weiß noch keiner, was passiert, sollte in einer Mannschaft ein Corona-Fall auftreten. Denkbar wäre eine Quarantäne für die Spieler. "Ich habe aber noch nichts gehört", sagt Bantel.


Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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