Hygienevorgaben des Verbandes lösen nicht alle Probleme

Fußball  Vereine und Funktionäre des Badischen Fußballverbandes stehen bei der Umsetzung der theoretischen Richtlinien vor großen Herausforderungen. Sie üben teilweise Kritik.

Von Werner Grässle
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Nicht nur beim SV Gemmingen und Trainer Daniel Kufner lautet die Frage: Wie lassen sich alle Vorgaben auch in die Praxis umsetzen?

Foto: Archiv/Krüger

Der Ball soll auch im Amateurfußball endlich wieder rollen. So jedenfalls wünscht man es sich bei den Verantwortlichen des Badischen Fußballverbandes (BFV) und den Vereinen. Es brechen neue Zeiten an - mit etlichen Einschränkungen. "Die drei Landesverbände haben dem Innenministerium ein Hygienekonzept eingereicht, wie der Trainings- und Spielbetrieb durchführbar wäre", sagt der erste Vorsitzende des Fußballkreises Sinsheim, Herwig Werschak. "Es muss allerdings von Seiten der jeweiligen Kommune behördlich gestattet werden. Ich habe aber von keinem Bürgermeister gehört, der hier etwas dagegen hätte. Jetzt sind die Vereine gefordert, dies auch umzusetzen."

In einem sechsseitigen Dossier wird den Fußballclubs ein Handlungsrahmen vorgestellt, der über allgemeine Grundsätze, organisatorische Voraussetzungen, Maßnahmen für den Trainings- und Spielbetrieb sowie über rechtliche Fragen Auskunft gibt.

Auch im Amateurbereich sind drei Zonen vorgesehen

Die theoretischen Richtlinien bereiten den Vereinsverantwortlichen schon jetzt Kopfzerbrechen. Vor allem in organisatorischer Hinsicht. Was in den Stadien im Profibereich umsetzbar ist, stößt an den Sportplätzen auf dem Land auf substanzielle Hindernisse. Vorgesehen sind Zone 1: Spielfeldinnenraum (betreten nur durch Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Sanitätsdienst), zudem muss für Auswechselspieler genügend Platz geschaffen werden. Zone 2: Umkleidebereich (ebenfalls nur für Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Sanitätsdienst), Zone 3: Zuschauerbereich (freier Außenbereich). Alle Zonen sollen getrennt voneinander zugänglich sein.

"Unser Sportplatz ist nicht eingezäunt. An den beiden Längsseiten flankieren zwei öffentliche Fuß- und Radwege, die von uns nicht abgesperrt werden können. Wie soll man hier Zuschauer von Spaziergängern trennen?", meint Joachim Harasko als Vorsitzender des SV Gemmingen. Bei Beschränkungen unsererseits erklärt sich dann jeder zum Spaziergänger und hat damit freien Durchgang." Die Anzahl der Mitwirkenden und Zuschauer ist im Juli noch auf 100 begrenzt, wird im August aber auf 500 erhöht. Im unterklassigen Amateurbereich ist diese Begrenzung eigentlich kein Thema.

Es wird vor den Kabinen Stau geben

Probleme dürften die Vereine allerdings mit der Nutzung ihrer Umkleidekabinen haben. Meist stehen nur zwei Räume zur Verfügung. Inklusive Reservemannschaften treten aber mitunter vier Teams am gleichen Tag zeitversetzt gegeneinander an. In den Kabinen muss der Mindestabstand von 1,5 Meter eingehalten werden, womit immer nur wenige Spieler den Raum zeitgleich betreten dürfen. Zudem herrscht hier Maskenpflicht. Der Stau beim Betreten/Verlassen ist programmiert.

Zudem sollen die Kabinen und Sanitärbereiche zwischendurch immer gelüftet und gereinigt werden. Hier empfiehlt das Hygienekonzept, einfach auf das Umkleiden in der Kabine und Duschen zu verzichten. Im Sommer durchaus machbar. In der Winterzeit aber durchnässt auf dem Sportplatz auszuharren, macht Fußballer nicht gesünder. Aus gleichem Grund dürfte es auch ratsam sein, im Spiel nach dem Pausenpfiff sofort die zweite Halbzeit folgen zu lassen, um nicht eine Auskühlung der Sportler zu riskieren. Da kommen Erinnerungen an die Nachkriegszeiten hoch, als es so gut wie noch keine Clubhäuser gab.

Heimreise ungeduscht im verschwitzten Trikot?

Zur An- und Abreise sollen die Gästeteams umgezogen erscheinen, damit keine längeren Aufenthaltszeiten entstehen. Im verschwitzten Trikot, ungeduscht eine 30 Kilometer lange Heimreise anzutreten, ist nicht unbedingt jedermanns Sache. Bauliche Schwierigkeiten dürften auch die Toilettenanlagen in den Clubhäusern bereiten, denn diese werden meist von Gastronomie, den Zuschauern und Spielern gleichzeitig genutzt.

 

Hausrecht
Die allgemeinen Grundsätze in den Hygienevorgaben des BFV scheinen machbar, denn diese sind seit Beginn der Corona-Krise geübte Praxis: Hände waschen, Abstand halten, im Bedarfsfall Maske tragen sowie Registrierung - die Vereine sollen hier ihr Hausrecht durchsetzen. "Die Minimierung der Risiken in allen Bereichen ist uns wichtig. Die Gesundheit der Spieler ist vorrangig. Wenn unsere Vereine aber Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Hygienekonzepts haben, stehen wir vom Kreisverband diesen gerne hilfreich zur Seite", versichert Herwig Werschak.


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