Hoffnung auf Fortsetzung der Saison sinkt gegen den Nullpunkt

Fußball  Annullierung der Punktunde wird immer wahrscheinlicher. In der Oberliga gibt es viele Fragezeichen hinsichtlich der Spielzeit 2021/22

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NSU-Co-Trainer Nikola Grgic (von links), der Sportliche Leiter Thorsten Damm und Chefcoach Marcel Busch stellen sich auf eine Saison-Annullierung ein.

Foto: Bertok

Nach dem Beschluss der Bund-Länderkonferenz den Corona-Lockdown bis 18. April zu verlängern, sind die Hoffnungen beim Oberligisten Neckarsulmer Sport-Union auf eine Wiederaufnahme der Saison 2020/21 nahezu auf den Nullpunkt gesunken. Selbst wenn ab Mitte April schrittweise Lockerungen in Kraft treten sollten, wäre es noch ein langer Weg bis zu einem Mannschaftstraining in voller Kaderstärke ohne Kontaktbeschränkungen und mit Testspielen.

Der vom Württembergischen Fußballverband als letzter Termin zum Re-Start festgelegte 9. Mai ist daher unrealistisch. Sorgen bereitet eine Annullierung der aktuellen Spielzeit der 21 Vereine starken Oberliga, droht doch Zuwachs aus der Regionalliga, die ihre Saison zu Ende spielt und daher auch Absteiger ausweist.

Mit Spannung erwartete Video-Konferenz

Mit Spannung blickt Thorsten Damm einer Oberliga-Video-Konferenz entgegen, die für diesen Freitagabend anberaumt ist. Ungeachtet dieser Gespräche, glaubt auch der Sportliche Leiter der Neckarsulmer Sport-Union nicht an eine Fortsetzung der Saison. "Man müsste ja direkt nach dem 18. April ins Mannschaftstraining einsteigen dürfen, damit eine minimale Vorbereitung garantiert wäre, das erscheint unwahrscheinlich", sagt Damm: "Selbst wenn sich die Vereine auf eine zweiwöchige Vorbereitung einigen, wäre ein Re-Start spätestens am 9. Mai wider jeglicher Realität." Drei Bundesländer mit zahlreichen Landkreisen bei unterschiedlichen Inzidenz-Entwicklungen lassen jegliche Planspiele scheitern.

Oberliga droht Aufstockung durch Regionalliga-Absteiger

"Die Hoffnung schwindet. Aber wir reden ja nur von sieben oder acht Spielen", sagt Damm. "Ich habe keine Ahnung, was die Videokonferenz bringt. Vielleicht wird von der Spielkommission ja die Bereitschaft abgefragt, diese Spiele in einem Monat zu absolvieren." Damm könnte sich vorstellen, dass, "kommt es zu einem Kamikaze-Vorschlag, es auch Vereine gibt, die dem zustimmen, da sie eine Interesse haben, die Saison in die Wertung zu bringen".

Wird die Saison wie erwartet abgebrochen, droht der Oberliga eine weitere Aufstockung durch Absteiger aus der Regionalliga. "Aalen, Hoffenheim II, Waldorf I, Sonnenhof Großaspach - da kann ordentlich was zu uns reinballern", sagt Damm bei bis zu 24 Mannschaften. Es gäbe dann die Möglichkeit, wie in der Oberliga Rheinland/Pfalz, die Staffel in zwei Zwölfergruppen aufzuteilen. Die besten Teams beider Gruppen spielen nach der Hinrunde eine Aufstiegsrunde, der Rest ermittelt die Absteiger.

Es gibt viele Spekulationen

Je nachdem wie eingeteilt wird und wer aus der Regionalliga absteigt, könnte die NSU bei dieser Variante auf die Stuttgarter Kickers, Hoffenheim II, Walldorf I, Großaspach, Freiberg, Nöttingen und Bissingen treffen. "Das hätte was von einer Todesgruppe, wie man in der Champions League sagen würde und wir wären mittendrin", sinniert Damm und lacht. Noch! In diesen Zeiten ist nichts unmöglich, auch nicht, dass in dieser besonderen Situation, in der Regionalliga in dieser Saison auf Absteiger verzichtet wird.

Was die personellen Planungen für die nächste Runde betrifft, können diese jetzt vorangetrieben werden. "Einige unserer Spieler haben schon zugesagt, aber wir sind noch nicht ganz durch, auch weil wir gehofft hatten, dass es wieder losgeht und wir den ein oder anderen nochmals in Aktion sehen", berichtet Damm, dass zuerst mit den eigenen Akteuren gesprochen wird, ehe man sich gezielt nach Verstärkungen umschaut. Wobei es nicht einfach sei, neue Spieler zu verpflichten.

Thorsten Damm erwartet chaotischen Spielerwechsel-Sommer

"Das ist ein interessantes Phänomen, es gibt im Moment in der Oberliga und Verbandsliga keine unzufriedenen Spieler, da ihre Vereine nach einem endgültigen Abbruch nicht absteigen", erzählt Damm, dass bedingt durch die Zwangspause auch niemand jammert, "er werde zu wenig eingesetzt", aber man "müsse natürlich seine Kontakte pflegen" und nicht erst im Juni auf die Suche gehen. "Es wird in diesem Sommer chaotisch zugehen, mit vielen Last-Minute-Angeboten an Spielern. Das war auch schon im vergangenen Jahr so." Geduld ist gefragt, in Bezug auf die Möglichkeit zumindest wieder trainieren zu dürfen, wie auch bei der Kaderplanung.


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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