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Hoffenheimer Tore-Spektakel in Fürth

Beim 6:3-Sieg in Fürth ragen die TSG-Stürmer Bebou und Rutter heraus. Erstmals in dieser Saison gewinnen die Kraichgauer zwei Partien in Serie.

Andreas Öhlschläger
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Hoffenheimer Tore-Spektakel in Fürth
Ball drin, Zunge draußen: Georginio Rutter jubelt über sein Tor zum 3:2. Foto: dpa

Kein Konfetti. Keine goldenen Glitzerfetzen, die aufs Spielfeld herunterregnen. Es war auch kein Champions-League-Finale, sondern nur das Bundesligaspiel der TSG Hoffenheim beim abgeschlagenen Tabellenletzten SpVgg Greuther Fürth, das gerade zu Ende gegangen war. Aber es war ein Hoffenheimer Rekordspiel, immerhin. "Wir haben sechs Tore gemacht, das gab es auswärts noch nie", freute sich Trainer Sebastian Hoeneß über die Bestmarke in der nun auch schon 14. Bundesligasaison seit dem Eliteklassen-Debüt 2008/09.

Endlich reißt die negative Auswärtsserie

Und es war das erhoffte Ende der Hoffenheimer Auswärts-Negativserie. In fünf Spielen hintereinander hatte die TSG nur einen von 15 möglichen Punkten geholt. Aber nun grinste Stürmer Georginio Rutter ganz breit. Sein immer strahlender werdendes Lachen war schöner als jeder Goldglitzerregen. "Es war eine gute Performance - von mir und der Mannschaft", sagte der 19-Jährige in einer drollig klingenden Mixtur aus deutschen und englischen Worten mit unverkennbar französischem Akzent. "I"m happy."

Ja, glücklich durfte er sein, dieser Georginio Rutter, hatte er doch zwei Tore erzielt und eines vorbereitet. "Ich bin zufrieden." Aber nicht satt. "Ich hoffe, ich kann so weitermachen."

Das hofft auch der Trainer. "Georginio ist ein junger Bursche mit enormem Potenzial. Jetzt müssen wir gemeinsam schauen, dass er das so oft wie möglich auf den Platz bringt, weil darum geht es." Knipsen. Tore schießen. Chancen nicht verdaddeln. Sebastian Hoeneß blickte deshalb zurück aufs Hoffenheimer 2:0 gegen Leipzig eine Woche zuvor. Da hatte Rutter "vier oder fünf recht gute Chancen - macht aber kein Tor."

Bebou erstmals mit einem Dreierpack

Diesmal stimmte die Erfolgsquote - noch mehr bei Ihlas Bebou, Rutters Offensivpartner auf der rechten Seite. Ihm gelangen erstmals in seiner Bundesligakarriere drei Tore in einem Spiel. Das machte ihn stolz, "natürlich extrem". Und es machte Trainer Hoeneß froh. "Ihlas war eigentlich immer in der Lage, viele Chancen zu kreieren. Heute war er sehr effektiv, war da, wo er sein musste. Er hat natürlich über seinen Speed immer wieder die Möglichkeit, dann auch in die torgefährlichen Räume zu kommen."

Zwar hatte Jamie Leweling die SpVgg Greuther Fürth in Führung geschossen (22. Minute). Die Hoffenheimer Offensivwucht dank Bebou (32., 62., 80.) und Rutter (40., 57.) war aber zu gewaltig. Das zwischenzeitliche 5:2 für die TSG hatte der Fürther Marco Meyerhöfer (66.) mit einem Eigentor beigesteuert. Da war die Partie entschieden. Nach nur 20 Sekunden der zweiten Halbzeit, als Timothy Tillman den schnellen 2:2-Ausgleichstreffer für den Tabellenletzten erzielt hatte, sah es nicht nach einem derart deutlichen Hoffenheimer Erfolg aus. Kapitän Branimir Hrgota (67.) sorgte fürs dritte Tor der Franken, aber das war ziemlich bedeutungslos.

Sebastian Hoeneß war im Großen und Ganzen zufrieden. "Es war für uns wichtig, heute zu gewinnen, den Sieg der letzten Woche zu vergolden." Erstmals in der laufenden Saison gab es zwei Hoffenheimer Siege hintereinander.

In vielen Bereichen ist noch viel Luft nach oben bei der TSG

Die Wackler seines Teams wollte Hoeneß nicht überbewerten. Er sprach sie aber deutlich an. "Ich hätte es mir ein wenig souveräner an der einen oder anderen Stelle gewünscht." Es gebe bei aller Freude "genug Möglichkeiten", um "den Finger in die Wunde zu legen in der Analyse - und das werde ich machen".

Defensiv zeigte die TSG bedenkliche Schwächen. Der Fürther Timothy Tilman hätte in der 32. Minute beinahe das 2:0 fürs Schlusslicht erzielt, traf aber nur den Pfosten. Auch als Tillman den Ball zu Beginn der zweiten Halbzeit blitzschnell an Philipp Pentke vorbeibugsierte, der im Hoffenheimer Tor den kranken Oliver Baumann vertrat, agierte die TSG-Abwehr extrem schläfrig. "Dann war das Spiel offen, sehr unnötig", ärgerte sich Hoeneß.

Letztlich fühle sich das turbulente 6:3-Spektakel "vielleicht ein bisschen dreckig an - deswegen aber auch nicht schlechter".

Dank der Galaauftritte von Ihlas Bebou und Georginio Rutter überwog das Licht deutlich den Schatten. "Es waren zwei außergewöhnliche Leistungen von den Jungs", meinte der Trainer, ganz sachlich und ruhig, ohne überschäumende Euphorie. Der zurückhaltende Charakter Sebastian Hoeneß kann sehr gut damit leben, wenn keine goldenen Glitzerfetzen aufs Spielfeld herabregnen.

 
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