Hoffenheimer Lieblingsgegner als Stimmungsaufheller

Fußball  Fußball-Bundesligist TSG 1899 zeigt beim 5:0 gegen den 1. FC Köln mal wieder sein schönes Gesicht. Stürmer Ihlas Bebou trifft gleich doppelt.

Email

Ihlas Bebou feiert hier das 2:0, zuvor traf der Nationalspieler aus Togo auch schon zum 1:0. Vor einer Woche wurde er erstmals Vater. "Vielleicht hat es damit zu tun", sagte Mitspieler Havard Nordtveit.

Foto: dpa

Der 1. FC Köln sollte so langsam ernsthaft im Erwägung ziehen, das Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim gar nicht erst anzutreten. Die Punkte einfach so in den Kraichgau schicken. Das fünfte Mal nacheinander kassierten die Kölner nun mindestens drei Gegentore in Sinsheim.

Gegen seinen Lieblingsgegner (nun 21:1 Tore und fünf Heimsiege in Serie) hat die TSG Hoffenheim am Freitagabend zurück in die Erfolgsspur gefunden, das Tor- und Punktekonto wurde beim 5:0 (1:0) auf Vordermann gebracht. "Wir mussten eine Reaktion zeigen zum letzten Spiel", sagte Havard Nordtveit, der kurz vorm Comeback steht.

 

Viel Spielfreude - und Tore

TSG-Sportdirektor Alexander Rosen sprach vor dem Spiel von den zwei Hoffenheimer Gesichtern dieser Saison. Dem schönen, aber auch dem hässlichen wie in Stuttgart zuletzt beim 1:3. Am Freitagabend war es mal wieder das schöne TSG-Gesicht, mit ganz viel Spielfreude, Kombinationen und Toren. Mann des Abends war Ihlas Bebou, der seine ersten beiden Saisontreffer erzielte - und eine für ihn perfekte Woche krönte.

Auf den Rängen der Sinsheimer Arena gaben zu Beginn die rund 5000 lautstarken Kölner unter den 14 309 Zuschauern den Ton an. Auf dem Rasen dafür die Kraichgauer. Rafael Czichos sorgte mit einem katastrophalen Rückpass für die erste große TSG-Chance nach acht Minuten: Nach seiner Annahme mit der Brust scheiterte Andrej Kramaric freistehend mit seinem Volleyschuss an Kölns Timo Horn. "Ziemlich sicher wird ihn es stressen, dass er zuletzt nicht getroffen hat", hatte Trainer Sebastian Hoeneß kurz vor Spielbeginn noch am DAZN-Mikrofon gesagt. Die Glanzparade des FC-Torwarts senkte den Stresshormon-Spiegel des ambitionierten kroatischen Torjägers sicher nicht.

 

Jungpapa Bebou in Trefferlaune

Da half dann schon eher seine mittlerweile fünfte Torvorlage in der noch jungen Saison zum Hoffenheimer 1:0. Mitten hinein in eine Phase, in der Köln erstmals auch offensiv agierte. Die Gäste waren aufgerückt, die Gastgeber nutzten das prompt aus. Einen Kramaric-Pass in die Tiefe der Kölner Hälfte ersprintete Ihlas Bebou und umkurvte Timo Horn. 1:0 für die TSG nach 31 Minuten durch den frischgebackenen Papa Bebou. Der Sohnemann ist seit Freitag, 15. Oktober, eine Woche alt. "Vielleicht hat es damit zu tun", orakelte Havard Nordtveit in der Halbzeitpause. "So ein Ereignis gibt noch mal einen Schub", sagte Bebou hinterher.

Auf die Freude über 1:0 folgte schnell der Schock über das vorzeitige Aus von Pavel Kaderabek, der kurz zuvor noch das Führungstor eingeleitet hatte, sich aber nun in einem Zweikampf mit Kingsley Ehzibue am Sprunggelenk verletzte. Für ihn kam nach 35 Minuten Chris Richards, der am sehr frühen Donnerstagmorgen deutscher Zeit noch in Columbus (USA) mit der US-Nationalelf 90 Minuten gegen Costa Rica absolvierte - und nun notgedrungen in die TSG-Fünferkette rückte. Der 21-Jährige musste hellwach sein. Und war es wie seine Teamkollegen auch in Durchgang zwei. Aus dem 1:0 wurde ein verdientes 5:0.

Hitzig ist nur Kölns Trainer

Mit einem Doppelschlag machte die TSG den Heimsieg perfekt, sehenswert waren die beiden Treffer zum 2:0 und 3:0 zudem auch noch. Der aufgerückte Kevin Akpoguma bediente Ihlas Bebou, der den Ball fünf Meter vor dem Tor stoppen durfte und mit der Hacke vollendete (49.). Jetzt zerlegte die TSG-Offensive die Kölner. Andrej Kramaric passte auf Nationalspieler David Raum, der den Ball zurück auf Christoph Baumgartner legte - 3:0 nach 51 Minuten. Bei Köln war nur Trainer Steffen Baumgart so richtig heiß, der am Spielfeldrand im weißen Kurz-Arm-Polo herumtigerte. Erwärmend war die Leistung seiner Mannen nicht.

Das Spiel war gelaufen, die Kölner ergaben sich ihrem alljährlichen Sinsheimer Schicksal. Im Zusammenspiel mit Diadie Samassekou kam Dennis Geiger in der 74. Minute zu seinem ersten Saisontor. 4:0 für Hoffenheim. Andrej Kramaric wollte auch noch unbedingt ein Tor. Sein Freistoß in der 82. Minute küsste nur die Latte des Kölner Tors. Besser machte es da Verteidiger Stefan Posch, der per Kopf zum 5:0 (87.) erfolgreich war.

TSG Hoffenheim: O. Baumann - Kaderabek (36. C. Richards), Akpoguma, Posch, Raum (81. Skov) - Samassékou, Grillitsch - Geiger (81. Bruun Larsen), Baumgartner (73. Rudy), Kramaric - Bebou (73. Rutter).

1. FC Köln: T. Horn - Schmitz, Mere (56. Kilian), Czichos, Ehizibue (75. Katterbach) - Özcan - Kainz (56. Schaub), Thielmann (79. Lemperle), Uth - Modeste, Andersson (56. Duda).

Schiedsrichter: Tobias Reichel (Stuttgart). Zuschauer: 14 309.

Tore: 1:0 Bebou (31.), 2:0 Bebou (49.), 3:0 Baumgartner (51.), 4:0 Geiger (74.), 5:0 Posch (87.).

Gelbe Karten: Kaderabek (2) / Czichos (3).

Beste Spieler: Bebou, Kramaric / Özcan.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

Kommentar hinzufügen