Hoffenheimer Bessermacher

Fußball  Beim 2:0 gegen Leipzig beweist die TSG einmal mehr in einem Heimspiel das Potenzial im Team. Nun muss aber auch mal die Auswärts-Bestätigung folgen, wenn es nächste Woche nach Fürth geht.

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Munas Dabbur jubelt über sein Tor zum 2:0. Der Dank geht nach oben, es waren allerdings weniger die himmlischen Hilfestellungen als ganz irdische Fußballqualitäten, die zum Hoffenheimer Sieg gegen RB Leipzig führten.

Foto: dpa

Der Wille war"s. Auf Hoffenheimer Seite war "mehr Wille als bei uns auf dem Platz", sagte Jesse Marsch, der Trainer von RB Leipzig, und fügte wenig später hinzu: "Der Wille ist für mich das wichtigste."

Zwölf aus Zwölf lautet die jüngste Heimbilanz

Den Sieg unbedingt zu wollen, nicht nur passiv einem Spielverlauf beizuwohnen, das ist für den Bundesligisten TSG Hoffenheim keine Selbstverständlichkeit. Nach der 0:2-Heimpleite gegen Mainz Mitte September hatte Trainer Sebastian Hoeneß in eindeutigen Worten das Fehlen von Basistugenden angeprangert. Seitdem ist die Hoffenheimer Heimbilanz beeindruckend, es gab das 3:1 gegen Wolfsburg, das 5:0 gegen Köln, das 2:0 gegen die Hertha und nun den hoch verdienten 2:0-Sieg gegen Leipzig. Zwölf von zwölf möglichen Punkten wurden geholt, bei 12:1 Toren.

Aber da ist eben auch die Auswärtsschwäche der TSG. Zuletzt gab es die enttäuschende 0:2-Pleite in Bochum. Also freute sich Sebastian Hoeneß, dass sein Team"vom Anpfiff an die Dinge auf den Platz gebracht" habe, "die wir uns vorgenommen hatten". In Kurzfassung: "Wir waren scharf, wir waren aggressiv." Durch die "intensive Spielweise" habe man die grundsätzlichen Stärken von RB Leipzig in den Griff bekommen.

Endlich mal die Heimform konservieren, fordert der TSG-Trainer

Der Trainer weiß allerdings um die Wankelmütigkeit seiner Mannschaft. Auf Konstanz im Guten hofft er nun endlich. Darauf verlassen kann sich Hoeneß nicht, auch wenn der kommende Auswärts-Gegner das bislang völlig überforderte Bundesliga-Schlusslicht SpVgg Greuther Fürth ist. Vorsichtige Worte wählte Sebastian Hoeneß also, als es in der Pressekonferenz darum ging, was die nähere Zukunft denn bringe. Man müsse "die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind" nun "konservieren". In Fürth werde sich am kommenden Samstag "zeigen, ob wir diesen Lerneffekt, diesen kurzfristigen, schon mitgenommen haben". Der Hoffenheimer Trainer möchte nicht erneut einen sofortigen Rückschlag analysieren. Er weiß: "Für uns kann das eine Riesenchance sein, auch in der Tabelle weiterhin oben dran zu bleiben."

Die Top sechs, sie sind nicht weit entfernt

Zwar findet man die TSG aktuell im grauen Mittelfeld des Bundesliga-Klassements, doch mit 17 Punkten ist die Basis da, um auf die Europapokal-Ränge zu spickeln. Der Tabellenfünfte Union Berlin hat 20 Zähler auf dem Konto, die gerade eindeutig bezwungenen Leipziger, immerhin deutscher Vizemeister der Vorsaison, haben nur ein Pünktchen mehr beisammen als die TSG.

Diadie Samassékou (12. Minute) und Munas Dabbur (68.) erzielten beim 2:0 die Tore. RB Leipzig war damit noch gut bedient, denn bei 22:5 Torschüssen aus Hoffenheimer Sicht wäre ein TSG-Schützenfest möglich gewesen. "Der einzige Kritikpunkt", den der Trainer anzuführen hatte, "war die Chancenauswertung". 3:0, 4:0, 5:0 - warum nicht? Allerdings hat Sebastian Hoeneß in seiner wechselvollen Amtszeit bei der TSG Hoffenheim gelernt, dass Zurückhaltung von Vorteil sein kann. "Jetzt wollen wir auch nicht zu - wie sagt man? - gierig sein. Wir sind froh über den Sieg gegen eine Topmannschaft in der Bundesliga."

Leipzigs Marsch watscht seine Mannen ab

Nicht weit weg von Hoeneß saß der Leipziger Trainer Jesse Marsch auf dem Pressekonferenz-Podium. Er watschte seine Spieler für deren mangelhafte Einstellung ab: "Sicher waren wir nicht bereit." Er zollte aber auch den Hoffenheimern Respekt. Die TSG habe einfach "besser gespielt, in jeder Phase besser".

Es war nicht nur eine Frage des Willens. Es war auch guter Hoffenheimer Fußball, der am Samstag in Sinsheim zu sehen war.


Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme.

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