Hoffenheimer Bauchgefühle

Fußball  Trainer Sebastian Hoeneß fungiert als Prophet. Die TSG hat nun ein Europa-League-Baby und gastiert am Sonntag bei Werder Bremen.

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Europa-League-Torschützen unter sich: Christoph Baumgartner (links) jubelt mit Munas Dabbur über das Tor zum 1:0. Der Israeli ließ in der Nachspielzeit dann noch das 2:0 gegen Roter Stern Belgrad folgen.

Foto: dpa

Er könne es sich jetzt einfach machen, sagte Sebastian Hoeneß am Freitagvormittag. Sich jeden seiner Offensivspieler schnappen und ihm einreden: Heute schießt du ein Tor! Wie die Propheten-Quote des TSG-Trainers wohl am Sonntag beim Bundesligaspiel seiner Hoffenheimer bei Werder Bremen (18 Uhr/Sky) aussähe? Hoeneß weiß: Der Zauber wäre schnell verpufft, der Trainer würde zum Hochstapler.

"Das ist intuitiv, das kann man nicht vorbereiten", sagte Sebastian Hoeneß am Morgen nach dem 2:0 gegen Roter Stern Belgrad. Vor dem Spiel hatte er Christoph Baumgartner vorhergesagt, dass er gegen Belgrad trifft. Das setzte der Österreicher dann in der 64. Minute mit dem 1:0 sehenswert um, Munas Dabbur machte mit dem späten 2:0 die ersten drei Europa-League-Punkte der Saison 2020/21 perfekt.

In den Spielen zuvor hatte sich Baumgartner immer wieder Chancen erspielt, aber nicht getroffen. "In der österreichischen Nationalmannschaft war er extrem torgefährlich, es war einfach ein Gefühl", sagte Sebastian Hoeneß über seine Vorhersage.

Während des Spiels setzten die Wehen ein

Bei der TSG Hoffenheim ging es am Donnerstag und Freitag sehr viel um Bauchgefühle. Das lag auch an Hannah, der Partnerin von Florian Grillitsch. Bei ihr setzten während des Spiels am Donnerstagabend die Wehen ein. In der Halbzeitpause bat der österreichische Nationalspieler um seine sofortige Auswechslung. Ein junger Trainer ist da als Antwortgeber sicherlich kein Nachteil: "Ich bin selber vor ein paar Monaten Vater geworden, ich möchte diesen Tag nicht missen", sagte Hoeneß, der seinen Sechser selbst in einem Europapokalfinale hätte ziehen lassen, wie er am Freitag lächelnd sagte.

Um die schöne Geschichte noch ein bisschen schöner zu machen: Christoph Baumgartner versprach seinem Landsmann in der Halbzeitpause umgehend, nun natürlich ein Tor für die Familie Grillitsch zu schießen. Und hielt Wort. Ob es dafür als Lohn nun das Amt des Patenonkels gibt? "Mich hat er noch nicht gefragt", sagte Baumgartner am späten Donnerstag, als das Kind noch gar nicht da war.

Grillitsch bekam am Freitag trainingsfrei

Am frühen Freitag, um 3.54 Uhr, kam es dann. "Unser Europa-League-Baby", wie es Sebastian Hoeneß taufte. Der Mutter und dem neugeborenen Mädchen gehe es gut, wusste er zu berichten. Grillitsch bekam am Freitag trainingsfrei, dürfte am Sonntag beim Ex-Club Werder wieder dabei sein. "Ich gebe ihm die Zeit, die er braucht mit seiner Familie." Nur mit einer sofortigen Elternzeit, da wird es sicherlich nichts. Zu viele Spiele stehen an.

Sebastian Hoeneß hat am Donnerstagabend gefallen, wie seine Mannschaft auf die ungeplante Situation und den Abgang von Grillitsch reagierte. "Es ist eine Stärke, dass die Mannschaft in der Lage ist, schwierige Situationen zu meistern. Es war eine besondere Situation, in der wir einen Wechsel vornehmen mussten, der so nicht geplant war", sagte Sebastian Hoeneß. Vor einer Woche brachten die zwei Corona-Fälle Andrej Kramaric und Kasim Adams, sowie die Quarantäne für Pavel Kaderabek alles durcheinander.

Am Sonntag in Bremen, am Donnerstag in Gent

"Es ist eine Zeit, in der Dinge aufkommen, mit denen man nicht rechnet", sagte der 38-Jährige. Das könnte auch am Sonntagabend in Bremen so sein, ehe es am nächsten Donnerstag (19 Uhr) dann schon wieder ins belgische Gent geht.

Obwohl Hoeneß es gar nicht wollte, zog er dann doch ein erstes Zwischenfazit mit Erfolgen im DFB-Pokal, Europa League und der Bundesliga (je zwei Siege und Niederlagen). "Es war ein ordentlicher Start, wir hatten in der Bundesliga mit Bayern und Dortmund kein leichtes Startprogramm", sagte Hoeneß und schickte das große Aber hinterher: "Wir hatten schon nach zwei Spielen sechs Punkte, da hätten wir uns danach schon den einen oder anderen gewünscht. Zufriedenheit ist keine da. Wir müssen nachlegen." Am besten mit drei Punkten in Bremen, wo Christoph Baumgartner zuletzt im Januar beim Hoffenheimer 3:0 was genau machte? Richtig, ein sehr, sehr sehenswertes Tor.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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