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Hoffenheim schwebt weiter auf der Erfolgs-Wolke

Im Sinsheimer Geisterspiel gegen den bisherigen Angstgegner Eintracht Frankfurt gelingt ein 3:2-Sieg. Ein Traumschuss von Dennis Geiger ebnet nach dem 0:1 den Weg.

Andreas Öhlschläger
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Hoffenheim schwebt weiter auf der Erfolgs-Wolke
Freudenschrei: Diadie Samassekou jubelt über das vorentscheidende Tor zum 3:1 für Hoffenheim. Der Videoassistent hatte festgestellt, dass es zuvor kein Abseits war.  Foto: Uwe Anspach

Da muss nun also Mihaly Csikszentmihalyi in dieser Fußballgeschichte vorkommen, dabei kickt er weder für die TSG Hoffenheim noch für Eintracht Frankfurt. Das ist auch völlig ausgeschlossen, weil Csikszentmihalyi vor einigen Wochen, am 20. Oktober, im Alter von 87 Jahren gestorben ist. Aber der US-amerikanische Psychologe mit dem komplizierten ungarischen Namen gilt als Schöpfer der Flow-Theorie. Und diese spielt für die Hoffenheimer Bundesliga-Mannschaft inzwischen eine große Rolle. Dank des 3:2 gegen Eintracht Frankfurt hat die TSG nun drei Bundesliga-Siege in Folge eingefahren, es war zudem der fünfte Heimsieg hintereinander. Dennis Geiger sagte: "Wir haben jetzt einen guten Flow - und da wollen wir drin bleiben."

Der Glücksforscher Csikszentmihalyi hat den wissenschaftlichen Rahmen gesetzt, in dem die Hoffenheimer weiter ihren Erfolg genießen wollen. Den Flow hat man, wenn etwas wie von selbst zu gehen scheint, wenn das Dasein beglückend dahinfließt, wenn man völlig in seiner Tätigkeit aufgeht.

Gerade noch dem Rückstand enorm wichtig

Dennis Geiger hatte den perfekten Moment an einem insgesamt gelungenen Fußballnachmittag in der 24. Spielminute, als er mit einem traumhaften Schuss aus etwa 25 Metern in den Winkel des Frankfurter Tores traf. Es war der Moment, als die TSG richtig hineinfand ins Spiel, das zuvor von der Eintracht geprägt worden war. 0:4 Torschüsse wies die Statistik aus, als Geiger fürs 1:1 sorgte. Trainer Sebastian Hoeneß fand, "dass das für uns, gerade dann nach dem Rückstand, enorm wichtig war". Geigers Tor habe dem Team "nochmal einen Schub gegeben", speziell "Richtung Tor".

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Es dauerte nicht lange, bis Georginio Rutter zur Hoffenheimer 2:1-Führung traf (30. Minute). Eintracht-Schlussmann Kevin Trapp hatte einen Schuss von Ihlas Bebou gehalten, den Abpraller verwandelte aber Rutter, der schon beim 6:3 in Fürth zwei Tore erzielt hatte. In der 33. Minute wäre dem 19-jährigen Franzosen beinahe das 3:1 gelungen, doch seinen famosen Schuss klärte der Frankfurter Verteidiger Evan Ndicka fast auf der Torlinie "sensationell" mit dem Kopf, wie TSG-Verteidiger Kevin Vogt befand.

Rafael Borré hatte die Eintracht mit 1:0 nach vorne gebracht (15. Minute). Dann kippte die Partie. Diadie Samassekou war es schließlich, der in der 59. Minute tatsächlich fürs Hoffenheimer 3:1 sorgte, ehe Gonçalo Paciência (72.) nochmal verkürzte.

Hoffenheim schwebt weiter auf der Erfolgs-Wolke
Hoffi allein zu Hause: Das Maskottchen der TSG Hoffenheim sitzt verlassen auf einer der Geisterspiel-Tribünen in der Sinsheimer Arena. Fotos: dpa  Foto: Uwe Anspach

Kevin Vogt gibt zu, dass es hinten raus knapp wurde

Dann "wurde es hinten raus knapp", gab Kevin Vogt zu. Aber diesmal gelang den Frankfurtern kein ganz spätes Erlösungstor, wie zuletzt so oft. "Das wollten wir natürlich mit aller Macht verhindern", sagte Vogt, der als Mittelmann in der Abwehr-Dreierkette der TSG spielte. Man habe genau gewusst, was von den selbstbewussten Hessen drohen könnte. "Die Antennen waren schon gespitzt."

Trainer Hoeneß lobte in seiner Mannschaft den "Spirit, der dann einfach zu hören war, zu sehen war". Etwas, das "wichtig ist in der Zeit, wo keine Zuschauer zugelassen sind". In Baden-Württemberg hatte die Landesregierung ja aus Gründen des Corona-Infektionsschutzes die Rückkehr zu Geisterspielen beschlossen. Die Hoffenheimer kippten deshalb nicht aus der Erfolgsspur. Es wurde sogar der Angstgegner der vergangenen Jahre geschlagen. Durch das 3:2 der Hoeneß-Elf ging die eindrucksvolle Serie der Eintracht zu Ende, die zuvor sechs Siege in Folge gegen die TSG gefeiert hatte.

Mittendrin in der Europacup-Zone

Die Kraichgauer sind in der Tabelle jetzt mittendrin in jener Zone, in der die Europacup-Startplätze vergeben werden. Beim Thema Champions League blieb Sebastian Hoeneß aber schmallippig. Es sei "einfach viel zu früh" in der Saison. Tatsächlich kommen noch 20 Bundesliga-Spieltage. Und der Flow wird nicht ewig halten. Um das zu wissen, braucht man keinen renommierten Glücksforscher. Dennis Geiger meinte allerdings, man wolle "auf der Wolke, wo wir jetzt schweben" schon noch ein Weilchen draufbleiben.

 
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