Hoffenheim gewinnt souverän mit 4:0 gegen Bremen

Fußball  Beim höchsten Hoffenheimer Saisonerfolg treffen vier verschiedene Offensivkräfte des Tabellenelften aus dem Kraichgau. Die Ländle-Rivalen aus Stuttgart und Freiburg sind in Sichtweite.

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Ob himmlische Kräfte beteiligt waren? Hoffenheims Munas Dabbur jubelt nach seinem Tor zum 3:0.

Foto: dpa

Im tabellarischen Niemandsland müssen neue Ziele her bei der TSG Hoffenheim. Nach dem souveränen 4:0 (2:0) gegen Werder Bremen hat der Kraichgau-Club nun acht Punkte Vorsprung auf Rang 16. Der Blick darf wieder nach oben gehen, oder? Die Ländle-Rivalen aus Stuttgart (10., 29 Punkte) und Freiburg (9., 31 Punkte) sind in Sichtweite. "Natürlich tut es uns tabellarisch gut", sagte Hoffenheims Trainer Sebastian Hoeneß am Sonntagabend. "Wir brauchen den Blick nicht nach oben oder nach unten richten." Sondern nur auf dieses 4:0.

Lieber schaute der 38-Jährige auf die 90 Minuten gegen Bremen und den höchsten Saisonsieg, der so eher unerwartet kam, nach all den Rückschlägen der vergangenen Tage und dem verspielten 3:1-Vorsprung gegen Molde beim 3:3 am vergangenen Donnerstag.

Auf der Ersatzbank geht es luftig zu

Dass vor der Sinsheimer Arena ein Krankenwagen parkte, passte zur Hoffenheimer Personalsituation. Von den 13 verletzten, corona-erkrankten und gesperrten Hoffenheimern waren zumindest zwei doch dabei. Außenverteidiger Ryan Sessegnon und Stürmer Andrej Kramaric saßen auf der in Corona-Zeiten zur Ersatzbank umfunktionierten ersten und zweiten Reihe der Haupttribüne. Dort ging es noch luftiger zu als sonst. Zwei Hoffenheimer Kaderplätze blieben nämlich mangels Personal frei.

Die elf TSG-Profis auf dem Feld ließen die Personalsorgen schnell vergessen. Mit einem präzisen Pass überspielte Diadie Samassekou nach 26 Minuten die Bremer Ömer Toprak und Marco Friedl. Der Ball landete im Laufweg von Ihlas Bebou. Der TSG-Stürmer hatte in der Vorwoche in Dortmund noch insgesamt drei Großchancen ausgelassen, nun zeigte er sich beim Torabschluss kaltschnäuziger und effektiver. Oder doch nicht?

Kein Abseits, 1:0 für Hoffenheim in der 26. Minute

Der Abseitspfiff von Schiedsrichter Robert Schröder und die erhobene Fahne seines Assistenten Marcel Pelgrim an der Seitenlinie beendete die Hoffenheimer Torhymne nach wenigen Tönen abrupt. Die Video-Überprüfung in Köln kam zu einem anderen Urteil. Kein Abseits, 1:0 für Hoffenheim in der 26. Minute. Und die Melodie von "Was wollen wir trinken" wummerte doch noch länger als drei Sekunden durch die leere Sinsheimer Arena.

"Dieses Mal hat die Chancenverwertung gut funktioniert", sagte Ihlas Bebou: "In den letzten Spielen habe ich das mit den Chancen ein bisschen vermissen lassen." Seinen Trainer freute es: "Ich fand es schon erstaunlich, wie cool er heute vor dem Tor geblieben ist." Ab durch die Mitte, das war wie beim 1:0 auch in der 44. Minute das TSG-Motto. Christoph Baumgartner ließ sich im Strafraum von den Herren Toprak und Friedl nicht aufhalten, er marschierte einfach zwischen beiden durch. Im Fallen spitzelte der Hoffenheimer den Ball vorbei an Werder-Torwart Jiri Pavlenka. Werder-Kapitän Theodor Gebre Selasie sprach von "extrem billigen Gegentoren, das ist uns so auch noch nicht passiert in dieser Saison."

Tore zum richtigen Zeitpunkt

Hoffenheim blieb auch nach dem Seitenwechsel zielstrebig. "Wir waren effektiv und haben die Tore zum richtigen Zeitpunkt gemacht", bilanzierte Sebastian Hoeneß. Sebastian Rudy schickte Ihlas Bebou bis zur Grundlinie, von dort aus flankte der Mann aus Togo in die Mitte. Mister Europa League, Munas Dabbur, übte sich fünf Meter vorm Tor freistehend im Vierkampf aus Ball stoppen, drehen, treffen, jubeln. 3:0 nach 49 Minuten. Sein viertes Tor in den vergangenen drei Partien.

Es war die Vorentscheidung für die Kraichgauer, die den Vorsprung dieses Mal cleverer verwalteten als am Donnerstagabend beim 3:3 gegen Molde. Bremen ergab sich. Viel passierte nimmer. Bis kurz vor Abpfiff.

Das letzte Ausrufezeichen zum 4:0 

Der spät eingewechselte Winter-Neuzugang Georginio Rutter setzte mit einem Flachschuss von der Strafraumkante das letzte Ausrufezeichen zum 4:0 (89.). Erstes Bundesliga-Spiel für den 18-jährigen Franzosen, erstes Tor. Hoffenheim nahm neben den drei Punkten noch viele weitere positive Dinge mit. Die Not-Not-Not-Abwehr um Neuling Chris Richards, Langzeit-Reservist Kasim Adams und Ersatz-Innenverteidiger Florian Grillitsch kassierte kein Gegentor.

In drei der vergangenen vier Bundesliga-Heimspielen blieb die TSG nun ohne Gegentor. Die Stürmer Ihlas Bebou (drittes Ligaspiel mit Tor in Serie) und Munas Dabbur (vier Tore in einer Woche) treffen regelmäßig, der Kraichgau-Club gewinnt auch ohne Tore von Andrej Kramaric, der wieder fit ist und in der 61. Minute ins Spiel kam. Die Sprunggelenksverletzung ist überwunden, das ist ein gutes Signal für das Europa-League-Rückspiel gegen Molde am nächsten Donnerstag (18.55 Uhr/DAZN) in Sinsheim.

 


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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