Hoffenheim gegen VfB: Antrag auf Verschiebung der Partie abgelehnt

Fußball  Die TSG Hoffenheim hat viele Corona-Ausfälle zu beklagen. Der Bundesliga-Verband DFL hat den Antrag der Kraichgauer auf eine Verschiebung des Spiels gegen den VfB Stuttgart von Samstag auf Sonntag aber abgelehnt. Eine Verlegung hätte der TSG mehr personellen Spielraum ermöglicht.

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Vor einer Woche war der Coronatest-Drive-In vor der Geschäftsstelle der TSG Hoffenheim noch in Betrieb. Nun hat sich die Situation entspannt. Foto: imago images/Thomas Frey

Nein, das S in TSG, es steht definitiv nicht mehr für Superspreader, wie noch in der Vorwoche zu befürchten war. Der Hoffenheimer Erstligist bereitet sich nach den vielen Corona-Fällen (Sargis Adamyan beim armenischen Nationalteam ist nun der neunte) aufs Heimspiel gegen den VfB Stuttgart am Samstag (15.30 Uhr/Sky) vor.

Findet das Bundesliga-Spiel am Samstag statt?

Definitiv ja. "Wir werden auf jeden Fall genug Spieler haben, um die Partie zu bestreiten", sagt Trainer Sebastian Hoeneß. Die Hoffenheimer hatten bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) den Antrag gestellt, die Partie von Samstag auf Sonntag zu verlegen. "Unsere Idee war, dass wir noch mehr Spieler aus der Quarantäne zurückbekommen. Da hätten uns 24 Stunden einfach geholfen", sagt Sportdirektor Alexander Rosen. In Stuttgart sei man damit auf offene Ohren gestoßen, allerdings nicht bei der DFL. Die lehnte mit Verweis auf ihre Statuten das Hoffenheimer Ansinnen ab. "Wir wussten, dass es laut Satzung keine Möglichkeit gab, das Spiel abzusagen", erklärt Alexander Rosen den Verlegungsantrag, der abgelehnt wurde. "Das finde ich sehr schade, aber das akzeptieren wir."


Wie fair ist die Austragung des Spiels?

Von mangelndem Fair-Play möchte Alexander Rosen nicht sprechen, aber: "Es geht um gleiche Voraussetzungen für den Wettkampf zweier Mannschaften." Ob die gegeben sind, wenn die eine Mannschaft wegen Covid-19-Erkrankungen auf sieben Spieler verzichten muss? Die Hoffenheimer nehmen es sportlich: "Wir können, nur weil wir betroffen sind, nicht alles infrage stellen, sondern nur das Beste draus machen", sagt Alexander Rosen. "Es ist wichtig, dass der Wettbewerb läuft", sagt Sebastian Hoeneß, der bei seinen Profis den Willen wahrgenommen hat, diese schwierige Situation ohne Murren anzunehmen.


Mit welchen Spielern kann die TSG Hoffenheim planen?

"Ich kann diese Frage noch nicht vollends beantworten", gesteht Trainer Sebastian Hoeneß am Donnerstag bei einer Videoschalte. Es gilt, die Tests der Länderspiel-Rückkehrer abzuwarten, Diadie Samassekou (Mali) und Kevin Akpoguma (Nigeria) sind aus Afrika zurück und warten auf ihre Testergebnisse. Gleiches gilt für Ihlas Bebou (Togo) und Mijat Gacinovic (Serbien). Zwei der zuletzt coronaerkrankten Profis sind bereits raus aus der Quarantäne, ein Einsatz ist allerdings sehr fraglich. Andrej Kramaric steht erstmals seit Anfang Oktober wieder zur Verfügung. "Da bin ich optimistisch, er ist in einer ordentlichen Verfassung", sagt Hoeneß. Kapitän Benjamin Hübner (noch ohne Saisoneinsatz) ist auf dem Weg der Besserung, aber noch keine Option für das VfB-Spiel.


Wie konnte es zu diesem Corona-Ausbruch kommen?

Diese Frage ist immer noch nicht geklärt. "Die Rückverfolgung ist sehr kompliziert", sagt Alexander Rosen: "Man weiß nicht, ob es das eine Event war, vielleicht wurde es von zwei Seiten hereingetragen. Vielleicht gab es einen sogenannten Superspreader für einen Moment." Unterm Strich zählt dies hier: Der Ausbruch ist durch die Team-Quarantäne, eine Woche ohne Mannschafts-Training und viele Testreihen eingedämmt.


Bestand innerhalb der TSG Hoffenheim beim Corona-Ausbruch der Gedanke, dass dem Club alles um die Ohren fliegt?

"Nach dem dritten oder vierten Fall denkt man, das ist doch ein schlechter Witz", gesteht Rosen: "Den ein oder anderen Moment, wie sollen wir das denn jetzt lösen, den gab es schon." Oder wie es Hoeneß ausdrückt: "Was hat man verbrochen, dass so viel zusammenkommt?" Klar sei aber auch: "Diese Angst, dass einem alles um die Ohren fliegt, die war nicht da." Das Team ums Team habe sich bei den Hiobsbotschaften und dem Krisenmanagement gegenseitig aufgebaut. Das Motto lautete: "Wir kämpfen wie die Löwen", sagt Rosen. Für Hoeneß ist es eine noch nie dagewesene Situation in Sachen Spielvorbereitung. Jedoch: "Jammern bringt nichts", weiß Hoeneß.


Was war alles zu tun?

"Wenn die erste Nachricht kommt, dann fängt man an, sich zu sortieren. Was machen wir, wie organisieren wir das?", erklärt Alexander Rosen. Der Israeli Munas Dabbur weilte beispielsweise mit der Nationalmannschaft in Norwegen, als sein positiver Test bekannt wurde. Er wurde von der TSG ausgeflogen. Das Zusammenspiel mit Behörden, Verbänden, Spielern sei hochkomplex. Und nichts davon Teil seines Arbeitsvertrags, witzelt Alexander Rosen. "Wenn man die Schwere des Einschlags sieht, dann muss man ein großes Kompliment an sehr viele Mitarbeiter machen."


Wie geht es den mittlerweile neun Corona-Kranken der TSG Hoffenheim, davon sieben Profis?

Bis auf einen Spieler und einen Betreuer sind alle Betroffenen sehr gut durchgekommen, wie Alexander Rosen berichtet. Die meisten Akteure blieben bisher symptomfrei oder klagten über Halsschmerzen/Schlappheit. "Man musste sich zum Glück keine Sorgen machen", sagt er über Sargis Adamyan, Sebastian Rudy, Kevin Vogt, Robert Skov, Ishak Belfodil, Jacob Bruun Larsen und Munas Dabbur.


Wie sah das Cybertraining aus, als das Team in Quarantäne war?

Hierbei war insbesondere die Athletikabteilung gefordert. "Die Trainer haben ein bisschen was vorgemacht", verrät Sebastian Hoeneß übers Computer-Training. Stabilitätsübungen. Übungen im Ausdauerbereich. "Es hatte den noch fast wichtigeren Aspekt, dass wir zusammenkommen konnten", sagt Hoeneß mit Blick auf die Quarantänezeit. "Ich habe keine Sorgen, dass wir zu viel verloren haben."


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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