Hoffenheim gegen Leipzig: Ein Rendezvous mit der Vergangenheit für beide Trainer

Fußball  Beim Duell Hoffenheim gegen Leipzig treffen heute Abend Sebastian Hoeneß und Julian Nagelsmann aufeinander. Wie viel Leipzig steckt noch in Hoeneß? Und wie viel Nagelsmann in der TSG?

Email

Julian Nagelsmann ist mit seinen Leipzigern auch in der Liga erfolgreich unterwegs. RB fehlt nur ein Punkt auf Spitzenreiter Leverkusen.

Fotos: dpa

Vor ziemlich genau einem Jahr traf sich Julian Nagelsmann in Leipzig am Abend vor dem ersten Wiedersehen mit seinem Hoffenheimer Trainer-Nachfolger Alfred Schreuder im Teamhotel der TSG. Ein lustiges, privates Treffen. Jetzt ist alles anders. Die Zeiten ernst. Schreuder längst weg, Corona schon länger da. Kontaktvermeidung lautet das Gebot der Stunde.

Das Wiedersehen im Kraichgau - schon zum zweiten Mal ohne Zuschauer - wird sich auf die Katakomben der Sinsheimer Arena und den Spielfeldrand beschränken, wenn an diesem Mittwochabend (20.30 Uhr/Sky) Julian Nagelsmann mit RB Leipzig in Sinsheim gastiert. "Es hat keine Auswirkungen, dass das mein Ex-Club ist", sagt Nagelsmann vorm dritten Bundesliga-Duell mit der alten Liebe. Sachlich und nüchtern nimmt der 33-Jährige das Wiedersehen wahr, weitaus weniger emotional wie nach dem ersten Mal im Dezember: "Das ist schon ein seltsames Gefühl, deinen jetzigen Jungs zu sagen, was die alten Jungs weniger gut können", sagte er damals.

Der Blick aus der Ferne offenbart: Gute Spielweise, schlechte Ergebnisse

Der eng getaktete Spielplan lässt keinen Raum für Sentimentalitäten. Aber doch für gegenseitige Wertschätzung. Herausragende Arbeit mache Sebastian Hoeneß nun in Hoffenheim, sagte Nagelsmann am Mittwoch bei der virtuellen Presserunde seines Arbeitgebers. Das große Hoffenheimer Problem dabei lässt sich auch aus der Ferne ausmachen: "Im Verhältnis zur Spielweise haben sie zu wenig Punkte." Nämlich mit zwölf gerade einmal halb so viele wie seine Leipziger. Hoeneß und Nagelsmann sind sich einmal kurz begegnet. Der Anlass Ende September war dabei sehr trauriger Natur. Am Rande der Trauerfeier für den verstorbenen TSG-Präsidenten Peter Hofmann fand in Hoffenheim ein Kennenlerngespräch statt. Beide sind junge Trainer, jeweils beim anderen Club in die Lehre gegangen. Hoeneß machte seine ersten großen Schritte in der Leipziger Jugendabteilung. Im Kraichgau hinterließ Nagelsmann derweil als Jugendtrainer dermaßen viel Eindruck, dass der Sprung zu den Profis beinahe zwangsläufig erfolgte.

Hoffenheim gegen Leipzig: Ein Rendezvous mit der Vergangenheit für beide Trainer

Hofenheims Trainer Sebastian Hoeneß sagt trotz des 1:4 gegen Leverkusen: "Wir sind im Grunde auf einem guten Weg."

Die vier Jahre in Leipzig haben Hoeneß geprägt, wie er sagt. In Sachen Spielidee. Die prägte einst auch Nagelsmann sehr erfolgreich bei der TSG. So nachhaltig, dass sie auch noch Auswirkungen auf die Gegenwart habe. "Wie viel, das ist schwer zu sagen. Aber es gibt natürlich viele Elemente, die uns verbinden und die Jungs auch jetzt zeigen. Deshalb ist es sicherlich nicht verkehrt, wenn da noch etwas Nagelsmann drinsteckt", sagt Sebastian Hoeneß.

Bei allen Gemeinsamkeiten. "Quervergleiche sind extrem schwierig. Wie wir beide Fußball sehen und spielen wollen, da gibt es definitiv Parallelen", sagt Hoeneß, der den Vergleich der beiden Trainertypen so in einem Satz zusammenfasst: "Wir sind unterschiedliche Menschen mit ähnlichen Vorstellungen von Fußball."

Hoeneß will sich an die eigene Nase packen

Das war zuletzt auch beim unglücklichen Hoffenheimer 1:4 in Leverkusen zu sehen. "Wir sind im Grunde auf einem guten Weg", sagt der 38-jährige Trainer des Kraichgauclubs. Ja, die Leistung beim neuen Spitzenreiter in Leverkusen war tatsächlich ansprechend. "Das heißt nicht, dass wir uns nicht an die eigene Nase packen", sagt Hoeneß, der Klarheit bei Ballbesitz vermisste.

Vermissen wird er auch das gesperrte Trio Dennis Geiger, Florian Grillitsch und Stefan Posch. Der Blick auf die Tabelle mit Rang zwölf macht derzeit keinen Spaß. "Wir können mit der tabellarischen Situation nicht zufrieden sein. Es ist aber noch nicht so lange her, da haben wir uns nur über die aktuelle Corona-Situation hier unterhalten", sagt der TSG-Trainer.

Hoeneß fordert Fingerspitzengefühl bei möglicher Baumann-Strafe

Der Hoffenheimer Sonntag lief schlecht, der Montag nicht besser. Der DFB ermittelt gegen Oliver Baumann, weil der Torwart nach dem 1:4 in Leverkusen und den zwei Platzverweisen Schiedsrichter Martin Petersen aus Stuttgart als zwölften Mann der Bayer-Elf bezeichnete. "Das war noch das Sahnehäubchen", sagt Sebastian Hoeneß zur Causa Baumann und dem nun drohenden Nachspiel. "Kurz nach so einem Spiel sagt man Sachen schärfer, als man sie meint. Da muss man Fingerspitzengefühl beweisen", sagt Sebastian Hoeneß.

 

Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

Kommentar hinzufügen