Hoffenheim als Patient, der unter Spätfolgen leidet

Sinsheim  Die TSG Hoffenheim hadert aktuell nicht nur mit Pech, wie beim 0:1 gegen Leipzig deutlich wird. Am Samstag (15.30 Uhr) steht das Gastspiel in Gladbach an, die dritte Niederlage innerhalb einer Woche sollte tunlichst vermieden werden.

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Aktuell auf Formsuche: Hoffenheims Topstürmer Andrej Kramaric.

Foto: dpa

Man muss sich keine Sorgen machen um das Weihnachtsfest im Hause Hoeneß. "Ich bin in der Lage, im Kreise der Familie herunterzukommen", sagt der junge Familienvater Sebastian Hoeneß, Trainer der TSG Hoffenheim. "Die Frustbewältigung bekomme ich teilweise schon während des Spiels hin." Das war gut zu sehen.

Bei den Niederlagen in Leverkusen (1:4) und gegen Leipzig (0:1) litt der Erstliga-Trainerneuling am Spielfeldrand intensiver mit als je zuvor. Der 38-Jährige haderte lautstark. Gestenreich. Und hinterher auch wortreich. "Es ist Wahnsinn, dass in der Unterzahlsituation der Ball genau dahin geht, wo sonst Kevin Vogt steht. Dass dann sofort das Tor fällt, das ist sehr bitter", sagt er über die Szene des Spiels am Mittwochabend gegen Leipzig, als sich der TSG-Abwehrchef behandeln an der Seitenlinie behandeln lassen musste - und prompt Yussuf Poulsen (60. Minute) traf. "Wir hatten eine Hundertprozentige, die haben wir gemacht", sagte Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann: "Ob mega verdient oder nicht, das ist in der Phase nicht entscheidend."

Sebastian Hoeneß macht noch Durchhaltevermögen und Geduld aus

Es zählen Punkte - und daran mangelt es der TSG Hoffenheim akut. Am Morgen nach der sechsten Saisonniederlage versucht Sebastian Hoeneß Kampfesmut auszustrahlen. Durchhaltevermögen und Geduld brauche es in der aktuellen Situation. "Das haben wir", ist sich Hoeneß sicher: "Es ist keine Zeit, sich zu bemitleiden." Heißt: Die Aufarbeitung des 0:1 gegen Leipzig entfällt, der Fokus ist aufs Gastspiel bei Borussia Mönchengladbach am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gerichtet.

Binnen vier Tagen setzte es zwei Niederlagen gegen deutsche Europapokal-Teilnehmer, obwohl die Kraichgauer jeweils nicht schlechter waren: "Wenn du oben bist, dann hast du einen Lauf. Dann schafft man es, ein Spiel auf die eigene Seite zu ziehen", sagt Sebastian Hoeneß vor dem Duell mit dem nächsten Champions-League-Achtelfinalisten. Alle anderen Europapokalteilnehmer kommen in der Liga wesentlich besser zurecht als die TSG. Das hängt direkt und indirekt mit der jüngeren Vergangenheit als Corona-Hotspot zusammen.

Kein Trainerkollege im Land hatte mehr coronainfizierte Profis. Und die Sorgen verflüchtigen sich ja nicht, wenn die Quarantäne endet, alle Tests negativ ausfallen. Festmachen lässt sich der Folgeschaden für ein ganzes Team beispielsweise an der Person Andrej Kramaric. "Die Effektivität im letzten Drittel hat den Unterschied gemacht", sagt Abwehrmann Kevin Akpoguma über das 0:1 gegen Leipzig: "Kleinigkeiten entscheiden gerade." Und zwar gegen die TSG Hoffenheim.

Corona kam, die Form ging: Andrej Kramaric leidet noch unter den Folgen

Mister Strafraum ist bei der TSG seit bald fünf Jahren ein gewisser Andrej Kramaric. Zuständig für Effektivität. Und die Kleinigkeiten, die man vor dem Tor richtig machen muss. In Leverkusen fiel der kroatische Stürmerstar nur mit einem Assist für Bayers Bailey vor dem 0:2 auf. Auch gegen Leipzig war das nicht der Andrej Kramaric, der von Juni bis Anfang Oktober immer traf. Mit seiner Coronainfektion im Oktober ging der Lauf zu Ende, die Form ist weg. Covid-19 hat Spuren hinterlassen. Im Kopf und in den Beinen. "Es kann keiner erwarten, dass er dort weitermacht, wo er vor vier Wochen aufgehört hat. Es hat einfach Folgekonsequenzen. Da muss Andrej durch, da müssen wir alle durch", sagt Hoeneß, der im Oktober und November neun erkrankte Profis in seinen Reihen hatte.

"Da brauchen wir nicht nur über Andrej zu sprechen", sagt Sebastian Hoeneß. Krankheit und Quarantäne-Zeit sind Substanz-Räuber: "Wir haben Spieler, die sich erst wieder rankämpfen müssen." Das Heilmittel: Nicht noch zwei Niederlagen zum Jahresabschluss in Gladbach und am Dienstag im DFB-Pokal gegen Zweitligist Greuther Fürth.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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