Hoeneß lässt die Hoffenheimer nicht über Scherben laufen

Fußball  Beim Bundesliga-Schlusslicht in Fürth soll die Auswärts-Negativserie der TSG mit konventionellen Methoden beendet werden. Die Impfquote bei den Spielern soll bei 100 Prozent liegen.

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Maske auf. Hoffenheims Trainer Sebastian Hoeneß ist zuletzt dem Leipziger Kollegen Jesse Marsch begegnet, der dann positiv auf Corona getestet wurde.

Foto: dpa

Sebastian Hoeneß hat die Bundesliga-Profis der TSG Hoffenheim weder über glühende Kohlen laufen lassen noch barfuß über einen Scherbenhaufen. Der Trainer hat ganz konventionelle Methoden angewandt, um die ärgerliche Negativserie der sieglosen Auswärtsspiele nun am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim Tabellenletzten SpVgg Greuther Fürth zu beenden. "Es gab eine Ansprache."

Das ist die langweilige Herangehensweise. Die spannenderen Möglichkeiten kennt man zum Beispiel aus dem Trainer-Schaffen von Christoph Daum.

Alle ziehen an einem Strang - den Bus

Die Scherben sind einst in Leverkusen zum Einsatz gekommen. Als Daum Nationaltrainer in Rumänien war, ließ er seine Auswahlkicker mit purer Muskelkraft den Bus ziehen. "Ich hatte das Gefühl, dass die Spieler gemerkt haben, dass sie etwas erreichen können, wenn sie an einem Strang ziehen."

Sebastian Hoeneß weiß aus diversen erfolgreichen Heimspielen, dass die Hoffenheimer Mannschaft sehr wohl an einem Strang ziehen kann. Zuletzt beim 2:0-Sieg gegen RB Leipzig war das eindrucksvoll zu erkennen.

Unheilvolle Reihung von schwachen Leistungen

Aber es gibt eben auch die unheilvolle Reihung der schwachen Leistungen in der Fremde. Zuletzt gab es das 0:2 in Bochum, davor das 0:4 beim FC Bayern München, davor wiederum das 1:3 beim VfB Stuttgart. Zusammen mit dem 0:0 in Bielefeld und der 2:3-Niederlage in Dortmund ergibt sich eine miserable Punkteausbeute der TSG seit dem 4:0-Sieg am ersten Spieltag der Saison in Augsburg.

Hoeneß ist allerdings "guter Dinge", dass sich nun die Wende zum Besseren umsetzen lässt. Nicht nur wegen der Willensleistung gegen Leipzig. Das positive Bild hat sich im Training vor der Partie in Fürth fortgesetzt. "Die Einheiten waren gut, waren scharf, aggressiv im Verteidigen." Oft genug hat der Hoffenheimer Chefcoach gesagt, was auswärts zu tun ist. Jetzt will Sebastian Hoeneß endlich eine entsprechende Leistung sehen. "Es geht für uns jetzt nicht darum, über irgendetwas zu reden." Es geht ums Tun. In Fürth sollen drei Punkte her, basta. "Das Einzige, was zählt, ist am Samstag da zu sein und abzuliefern." Allein schon, weil der Aufsteiger und Tabellenletzte bisher nur einen von 36 möglichen Bundesliga-Punkten geholt hat, eine Hoffenheimer Pleite also ziemlich blamabel wäre.

Alle Tests sind nach dem Treffen mit Leipzig negativ

Die letzten Corona-Tests sind bei der TSG Hoffenheim allesamt negativ ausgefallen. Die Virus-Pandemie ist den Kraichgauern zuletzt allerdings wieder nahe gekommen, weil es beim Gegner RB Leipzig im Nachgang des Duells am vergangenen Samstag positive Infektionsfälle gab, darunter auch Trainer Jesse Marsch.

"Ich habe dann natürlich gewusst, okay, es ist nicht so lange her, da saß ich neben ihm", erzählt Sebastian Hoeneß. Das war auf dem Podium der Pressekonferenz. Aber der Hoffenheimer Trainer war "recht beruhigt". Er habe mit Marsch "nicht lange und in naher Distanz gesprochen". Außerdem: "Ich bin geimpft." Aber natürlich "weiß ich, dass es trotzdem passieren kann".

Heoneß und Kliem waren nah dran am positiven Marsch

Jetzt ist offenbar nichts passiert, auch nicht beim Hoffenheimer Pressesprecher Holger Kliem, der noch näher dran war an Jesse Marsch. "Ich habe einen Schnelltest gemacht, der war negativ", sagt Kliem. Die Profis der TSG haben inzwischen anscheinend ausnahmslos getan, was angesagt ist, um die Corona-Risiken möglichst klein zu halten. Hoeneß sagt über die Impfquote im Team: "Wenn ich richtig informiert bin, sind wir, wenn es jetzt um Spieler geht, bei der 100-Prozent-Marke."

Sollte nun auch die Auswärts-Leistungskraft der TSG Hoffenheim diese 100-Prozent-Marke erreichen, wäre der Trainer ein sehr zufriedener Mann. Oder muss Hoeneß doch noch einen großen Sack voller Scherben ins Trainingszentrum mitbringen?


Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme.

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