Hoeneß' besonderes Spiel in Berlin

Fußball  Am Dienstag kommt es zum Wiedersehen zwischen dem unter Druck stehenden Hoffenheimer Trainers und Hertha BSC, wo Sebastian Hoeneß viele Jahre bei der zweiten Mannschaft verbracht hat.

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Berlin ist immer eine Reise wert. Für Sebastian Hoeneß wird es eine Reise in die schöne Vergangenheit. Für die TSG 1899 Hoffenheim soll es eine Reise in eine erfreulichere Zukunft werden: Der Bundesligist aus dem Kraichgau gastiert am Dienstagabend (20.30 Uhr/Sky) bei Hertha BSC.

Wie gelingt es ihm, seine Spieler wieder locker zu machen? "Es würde uns helfen, auch mal in Führung zu gehen", hat Sebastian Hoeneß am Montag gesagt. Foto: dpa

"Für mich wird es etwas Besonderes sein, im Olympiastadion zu sitzen", sagte der Cheftrainer der Hoffenheimer am Montag bei der digitalen Pressekonferenz vor dem 17. Spieltag. "Ich habe jahrelang für Hertha gespielt und lange in Berlin gelebt. Ich kenne noch ziemlich viele Leute da."

Das war der Teil der Fragerunde, der den 38-jährigen lächelnd über gute, alte Zeiten plaudern ließ. Ansonsten passte Hoeneß' Gesicht zum Tabellenplatz und der Ausgangslage der Hoffenheimer.

Angespannte Situation bei den Kraichgauern

Es ist alles sehr angespannt beim Tabellenvierzehnten nach dem 0:4 bei den Schalken und dem 0:0 am Samstag gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld. Jetzt also das Auswärtsspiel beim Dreizehnten Berlin, am Sonntag dann das Heimspiel gegen den Sechszehnten Köln. Eine Woche der Wahrheit, die auf dem Relegationsplatz enden könnte. "Das sind wichtige Spiele, unabhängig vom Gegner oder von meiner Person", sagte Sebastian Hoeneß und ging in die Offensive: "Wir fahren nach Berlin, um zu gewinnen."

Aber was braucht es, damit seine Spieler die Lockerheit zurückbekommen und Tore schießen - in den vergangenen drei Partien gelang nur ein Treffer -, braucht es einfach ein Tor? Zuckerbrot? Peitsche? Geduld? "Wir brauchen von vielem ein bisschen", sagte Sebastian Hoeneß. Geduld, sich nicht unnötig unter Druck setzen zu lassen, andererseits eine gewisse Ungeduld, um die Dinge in die richtige Bahn zu lenken. "Und es würde uns helfen, auch mal in Führung zu gehen, damit vielleicht etwas zu lösen, Kräfte freizusetzen."

Gegen Bielefeld kassierte die TSG erstmals in dieser Saison kein Gegentor

Sebastian Hoeneß berichtete vom Champions-League-Platz der Hoffenheimer in der Kategorie "Großchancen" ("Wir haben die viertmeisten in der Liga"). Bei den tatsächlich geschossenen Toren (22) ist die TSG aber nur Tabellenzwölfter. Es fehlt die Effektivität. Als eine Kraftquelle soll die im samstäglichen Null-Punkte-Frust etwas untergegangene Saisonpremiere dienen: Gegen Bielefeld gelang es erstmals in dieser Bundesligasaison, ohne Gegentor vom Platz zu gehen.

Außer einem herzlichen Wiedersehen mit etlichen Freunden und Bekannten "auch aus der Geschäftsstelle" erwartet Hoeneß in Berlin eine stürmische Hertha: "Sie werden ihr Heil in der Offensive suchen, die Mannschaft ist durchsetzt von großer individueller Klasse." Ähnlich wie die der Hoffenheimer. Ähnlich sind auch Punktestand und Torverhältnis beide Vereine.

Sogar gleich sind die ersten Gegner des neuen Jahres: Nach dem 3:0 gegen Schalke verlor Hertha BSC in Bielefeld 0:1 und trennte sich vom 1. FC Köln am Samstag 0:0. Auch beim Big-City-Club knirscht es. Der große Unterschied bei aller Gemeinsamkeit: Die enttäuschenden Ergebnisse der TSG Hoffenheim sind relativ leicht erklärbar.

Einsatz von Kevin Vogt ist fraglich

Nach wie vor haben die Hoffenheimer viele Verletzte. Kevin Vogt ist am Samstag auf die lange Liste der Sorgenkinder gekommen. Hinter dem Einsatz des Abwehrstabilisators stehe wegen einer Bänderverletzung am Daumen (Hoeneß: "Es ist nichts gebrochen") ein Fragezeichen. Der Cheftrainer ließ die im Laufe der Hinrunde "zehn Spieler, die mit Corona erkrankt waren" nicht unerwähnt, zudem die Quarantäne-Woche des gesamten Teams. "Das hat Auswirkungen", sagte Hoeneß. "Ich wiederhole mich da, weil ich gemerkt habe: Wenn man es nicht tut, wird es vergessen."

Hoeneß" besonderes Spiel

Hat "sehr ansprechende" Leistungen gezeigt, sagt Sebastian Hoeneß über Marco John.

Foto: imago images/foto2press

Ein Lichtblick: Der 18-jährige Unterländer Marco John spielte in der Bundesliga im linken Mittelfeld gegen Schalke und Bielefeld durch. "Das waren sehr ansprechende Leistungen", urteilte Sebastian Hoeneß, "das war sehr abgeklärt."

Wo ist nur die Abgeklärtheit vor dem Tor der in der Europa League so erfolgreichen TSG Hoffenheim hin? "Es hilft uns, nicht so viel nachzudenken", sagte Sebastian Hoeneß noch, "auch, nicht so viel zu quatschen, sondern einfach zu machen." Auf nach Berlin, zurück in die Zukunft.

Im Sommer kommt ein Talent aus München

Die TSG Hoffenheim hat für die kommende Saison U 20-Nationalspieler Angelo Stiller vom FC Bayern München verpflichtet. "Angelo ist gewiss eines der spannendsten deutschen Talente im zentralen Mittelfeld", sagte TSG-Sportchef Alexander Rosen. Stiller (19), der es bei den Bayern schon zu drei Profi-Einsätzen gebracht hat, stand in der vergangenen Spielzeit im Kader des heutigen Hoffenheimer Trainers Sebastian Hoeneß beim Drittliga-Meister FC Bayern II.

 

Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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