Hauptsache, Dennis Geiger bleibt gesund

Fußball  Das Hoffenheimer Eigengewächs muss den Sprung vom Talent zum Leistungsträger schaffen. Unter dem neuen Trainer Sebastian Hoeneß ist der Mosbacher wieder gefragt. Auch zum Bundesliga-Auftakt in Köln.

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Der Weg ist wieder frei: Dennis Geiger (links) stand Anfang des Jahres im Schatten von Sebastian Rudy (rechts) − doch der hat Hoffenheim verlassen müssen.

Foto: dpa

Google ist mitunter eine richtig fiese Sache. Wer in die Internet-Suchmaschine den Namen von Dennis Geiger eintippt, dem schlägt der Computer als Zusatz sehr schnell das Wörtchen "verletzt" vor. Dabei ist Geiger derzeit gar nicht verletzt. So eine Suchmaschine kann ganz schön verletzend sein.

Mit gerade einmal 22 Jahren startet der Profi der TSG Hoffenheim in seine bereits vierte Saison als Bundesligaprofi. Das große Ziel dabei: "Mein Anspruch ist es, fit zu bleiben. Dann traue ich mir zu, sehr viele Spiele machen", sagt Geiger vor dem Bundesligaauftakt der TSG Hoffenheim an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim 1. FC Köln.

Mit einer Sehnen-Muskel-Verletzung fing alles an

Im Video-Gespräch will Geiger nicht zu sehr zurückblicken, nicht zu sehr darüber sprechen, warum ihn in den vergangenen Jahren immer wieder der eigene Körper aus dem Spiel genommen hat. Die Malaise begann vor mehr als zwei Jahren mit einer Sehnen-Muskel-Verletzung im rechten hinteren Oberschenkel. An die eine große Verletzung reihten sich Folgeverletzungen. Die Adduktoren, die Leiste. "Wenn du neun, zehn Monate raus bist und dann direkt wieder vier, fünf Spiele spielst, merkst du das körperlich. Dann bekommst du an anderen Stellen Probleme", sagt Geiger.

Seit dem späten Rückrundenende der langen Corona-Saison 2019/20 ist Geiger zu 100 Prozent fit. Diese Saison soll nun eine der Transformation werden. Eine, in der aus dem Talent Geiger der Leistungsträger Geiger wird. In der mehr als 21 Bundesligaspiele wie in der Vorsaison möglich sind.

Zuletzt spielte Geiger vor einem Jahr durch, beim Sieg in München

Sein letztes Bundesligaspiel über 90 Minuten liegt fast ein Jahr zurück, Anfang Oktober 2019 spielte er beim 2:1-Sieg in München durch. Was dem Mosbacher für die neue Saison Mut macht: "Es war sehr wichtig, dass ich jetzt mal eine komplette Vorbereitung machen konnte. Auch um das Zutrauen in den eigenen Körper zu haben", sagt Dennis Geiger. Zuletzt fehlte es mitunter auch am Zutrauen des eigenen Trainers in Geigers Fähigkeiten.

Trainer Alfred Schreuder setzte in der vergangenen Rückrunde lieber auf andere Akteure wie Sebastian Rudy, für Geiger blieben nur Joker-Einsätze. Wenn überhaupt. "Für jeden Spieler ist das Vertrauen des Trainers das Wichtigste. Wenn man es nicht mehr so ganz spürt, dann wird es schwierig. Wenn du öfters mal raus bist, dann zweifelst du an dir, das Selbstvertrauen schwindet. Dann brauchst du jemand, der dir den Rücken stärkt", sagt Dennis Geiger. Der damalige Trainer Alfred Schreuder wollte Leihspieler Rudy halten. Durchaus ein Politikum, weil somit dem Eigengewächs Geiger die Perspektive gefehlt hätte.

Entscheidung gegen Schreuder und Rudy ist auch eine für Geiger

Die Entscheidungen der TSG-Oberen sich von Schreuder und Rudy zu trennen, ist auch als Vertrauensbeweis in Dennis Geiger zu sehen. Im Saisonendspurt ohne Schreuder spielte auch Dennis Geiger plötzlich wieder eine tragende Rolle. Das soll unter dem neuen Cheftrainer Sebastian Hoeneß so bleiben. Am liebsten agiert Geiger dabei auf der Sechserposition. "Ich habe kein Problem auf der Achterposition zu spielen. Sechs oder Acht, das nimmt sich nicht so viel in unserem Spielsystem." Hoeneß hat viel vor mit Geiger: "Er ist ein Spieler mit großem Potenzial, das hat er schon in der Vorbereitung bewiesen, deswegen soll er eine wichtige Rolle einnehmen."

Angesichts der vielen Englischen Wochen durch die Europa League ist es wichtig, die Belastung zu steuern. Im Fall von Geiger noch mehr als bei seinen Kollegen. Als Spieler sei es nicht leicht zu sagen: "Trainer lass mich draußen", weiß Geiger. Hineinhorchen in den eigenen Körper, das musste Geiger in der Vergangenheit notgedrungen sehr oft.

Zwei Turniere stehen für ihn an: U21-EM und Olympia

Drei Spiele in den vergangenen 14 Tagen hat Geiger zuletzt absolviert, zwei davon mit der deutschen U 21-Nationalmannschaft. Das 1:4 in Belgien war ein Rückschlag im Kampf ums Ticket für die U-21-EM. Trainer Stefan Kuntz verwies hinterher auf fehlende Qualität. "Im Vergleich zu anderen großen Nationen wie Frankreich oder England fehlt es bei uns aktuell schon an Qualität, dort kommen momentan viel mehr Spieler aus der eigenen Jugend nach oben." Vielen deutschen U21-Nationalspielern mangelt es an Erstligapraxis. Im nächsten Sommer stehen möglicherweise zwei Turniere für Geiger an: Erst die U 21-Europameisterschaft, später dann das olympische Fußballturnier in Tokio. "Auch wenn es noch weit weg ist", sagt Dennis Geiger, "ich würde mir beides zutrauen."


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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