Hall verliert die Kontrolle, gewinnt aber das Spiel gegen Pfedelbach

Fußball  Pfedelbach hat gegen das Landesliga-Spitzenteam Schwäbisch Hall zu spät den nötigen Mut und verliert gegen die Sportfreunde unglücklich, aber doch verdient 1:3.

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Der Pfedelbacher Marco Rehklau (links) umkurvt Nico Purtscher, Torhüter der Sportfreunde Schwäbisch Hall. Der Winkel für einen genauen Abschluss war aber zu spitz und der TSV unterlag mit 1:3.

Foto: Marc Schmerbeck

Am Ende der 95 Spielminuten herrschte am Samstag verkehrte Welt in Schwäbisch Hall. Die Sieger des Landesliga-Duells schlichen eher etwas bedröppelt vom Feld - bis sie sich dann doch freuten - während die Verlierer nicht wussten, ob sie sich über ihren couragierten Auftritt in der letzten halben Stunde freuen oder sich über die vergebenen Großchancen in der letzten Viertelstunde ärgern sollten.

Unbestritten war der 3:1-Sieg der Sportfreunde Schwäbisch Hall gegen den TSV Pfedelbach ebenso verdient wie auch glücklich.

"Ich bin noch geschockt", meinte Halls Trainer Thorsten Schift. Seiner Stimme war schon während der Pressekonferenz auf dem Feld die Emotion, der Ärger anzuhören. Seine Worte waren dann auch deutlich: "Wir waren in Überzahl. Und wenn die Mannschaft in Unterzahl dem Ausgleich näher ist als wir, dann weiß man auch, dass bei uns etwas nicht gestimmt hat. Wenn man ganz ehrlich ist, wenn ich die jungen Spieler einwechsle, dann brennen die anders."

Haller Trainer fehlt Einsatz zwischen der 60. und 90. Minute

Nicht jeder Wechsel hat so gefruchtet, wie er es sich vorgestellt hat. "Jetzt warten wir mal die Trainingswoche ab. Der Einsatz hat mir zwischen der 60. und 90. Minute gefehlt. Wir müssen jetzt den Konkurrenzkampf ankurbeln", sagte Schift. "Trotzdem sind wir mit dem 3:1 zufrieden, auch wenn Pfedelbach den Ausgleich verdient gehabt hätte."

Bei Pfedelbachs Coach Michael Blondowski war die Gefühlswelt eine andere. Er sprach von "mutlosen 60 Minuten" seiner Mannschaft. "Aber die letzte halbe Stunde war Pfedelbach like. Ich denke, jeder hat eher mit dem Ausgleich als mit dem 3:1 gerechnet. Man hat gesehen, was mit Mentalität und Willen möglich ist. Letztlich stehen wir trotzdem mit leeren Händen da."

60 Minuten lang dominieren die Sportfreunde

So eine letzte halbe Stunde hätte wohl keiner der rund 500 Zuschauer im Optima Sportpark mehr erwartet. 60 Minuten lang dominierten die Sportfreunde. Sie hatten die Partie unter totaler Kontrolle. In der ersten Viertelstunde hatte Pfedelbach überhaupt keinen Zugriff, lief nur hinterher und war kaum in Ballbesitz. Das Tempo der Haller war zu hoch. Ständig ging es in die Tiefe. Doch die ganz klaren Chancen verhinderte Pfedelbach meist noch.

Doch Philipp Minder (9.) traf nur den Pfosten, Serkan Uygun (12.) scheiterte an Hannes Fischle, ein Schuss von Daniel Martin (20.) wurde geblockt. Der Druck auf das Pfedelbacher Tor war groß. Und Volkan Demir erzielte nach einer Hereingabe in der 32. Minute auch die mehr als überfällige Führung. Irgendwie drückte er den Ball mit der Hüfte oder dem Schenkel über die Linie. In der 52. Minute erhöhte Demir auf 2:0. Doch wer glaubte, der Pfedelbacher Widerstand würde erlahmen, täuschte sich. Die Gäste verteidigten weiter tapfer und wurden langsam mutiger.

Rote Karte für Sergen Uzuner wirft Pfedelbach nicht zurück

Selbst die Rote Karte für Sergen Uzuner (60.) änderte nichts daran. Seine Aktion war wohl unbeabsichtigt, hatte aber blöd ausgesehen. Erst wurde er gefoult und ging zusammen mit Serkan Uygun zu Boden. Beide waren ineinander verschlungen und beim Versuch, seine Beine frei zu bekommen, traf er Uygun. Für den Schiedsrichter Absicht und damit eine Tätlichkeit.

Schwäbisch Hall nahm nun immer mehr das Tempo raus, ging nicht mehr konsequent in die Zweikämpfe. Die Pfedelbacher legten dagegen zu und entwickelten langsam Druck. Nach einem Haller Ballverlust schloss Julian Krämer in der 71. Minute zum 1:2 ab. Nun wurde Hall fahrig in den Aktionen. "Wir haben es uns unnötig schwer gemacht", meinte Halls Innenverteidiger Timo Brenner. "Wir waren nervös und haben keinen Fußball mehr gespielt." Jegliche Kontrolle ging verloren.

Der TSV erhöhte dagegen das Risiko. In der 80. Minute scheiterte Marco Rehklau an Torhüter Nico Purtscher. Nach der anschließenden Ecke köpfte Krämer knapp vorbei. Dann umkurvte Rehklau (86.) Purtscher, doch der Winkel wurde etwas zu spitz und er traf nur das Außennetz. Einen Freistoß von Janik Pfeiffer lenkte Purtscher zur Ecke. Auf der anderen Seite ließen aber auch die Haller einige gute Konterchancen aus - bis zur vierten Minute der Nachspielzeit, als Günter Schmidt das 3:1 erzielte und den geschockten Schift aufatmen ließ.


Spfr Schwäbisch Hall: Purtscher, Brenner, Winker (55. Großberndt), Schmidt, Martin, Demir (65. Koch), Uygun, Vural (30.) Toptik, Minder, Vuletic, Richter.

TSV Pfedelbach: Fischle: Daniel Schmidgall (77. Rehklau), Steigauf (85. Bantel), Schilling, Hütter, Sergen Uzuner, Jens Schmidgall, Kaan Uzuner (46. Ehrle), Simon (46. Pfeiffer), Gebert, Krämer.

Tore: 1:0 (32.) Volkan Demir, 2:0 (52.) Volkan Demir, 2:1 (71.) Julian Krämer, 3:1 (90.+4) Günter Schmidt.

Karte: Rot (60.) Sergen Uzuner (Pfedelbach)

Schiedsrichter: Marcel Lalka.

Zuschauer: 500.


Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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