Guido Hutt übergibt beim SV Schluchtern an Lars Karl

Fußball  Der Frontmann Guido Hutt war beim SV Schluchtern schon alles, wie er sagt - alles außer Sportheimwirt. Nun tritt er einen Schritt zurück.

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Guido Hutt (rechts) bleibt dem SV Schluchtern weiter treu, tritt aber nach vielen Jahren in vorderster Front einen Schritt zurück.

Foto: Archiv/Bertok

Der 1. Juli ist nicht nur der Tag, seit dem die Amateurkicker wieder Spiele elf gegen elf austragen dürfen. Der Mittwoch, 1. Juli 2020, steht beim SV Schluchtern auch für den Beginn einer neuen Ära. Guido Hutt leitete jahrelang die Geschicke des SVS, ist nun aber einen Schritt in den Hintergrund getreten. Neuer Abteilungsleiter ist Lars Karl, der zuvor Sportlicher Leiter war.

Nach vielen Jahren als Frontmann hat Guido Hutt genug. Der 55-Jährige lässt der jüngeren Generation den Vortritt. "Ich habe jetzt lange genug ganz vorne gestanden. Eigentlich wollte ich schon nach der Saison 2018/2019 kürzertreten, wollte dann aber nicht mit einem Landesliga-Abstieg aufhören", erzählt Hutt. Wie die abgebrochene Saison nun aber abgewickelt wurde, hat "mir den Rest gegeben".

Zuletzt war Hutt zweieinhalb Jahre Abteilungsleiter und vier Jahre Vereinsvorstand, aber auch davor stand Hutt immer in Amt und Würden.

Sieben stressige Jahre in der Landesliga

Bereits in seiner aktiven Zeit als Fußballer war er schon mal Spartenvorstand. "Ich glaube, außer Sportheimwirt war ich schon alles", sagt Hutt, der seinem Verein aber erhalten bleibt und sich im Team mit Manfred Werner den Themen Marketing, Sponsoren-Betreuung und Öffentlichkeitsarbeit widmet. "Es waren sieben wunderbare und stressige Jahre in der Landesliga", blickt Hutt zurück. "So lange - das werden wir in Schluchtern so schnell nicht mehr erleben. Das wird in Zukunft sehr schwierig werden."

Karl ist offiziell seit einem Jahr beim SVS tätig, hat sich aber bereits zuvor bei der Kaderplanung miteingebracht und war voll involviert. Den Posten Sportlicher Leiter neu zu besetzen, ist im Moment nicht geplant. Diese Aufgabe erfüllt Karl weiterhin. "Guido wird mich zunächst noch unterstützen und quasi einlernen", sagt Karl. Der Frust beim Bezirksliga-Vizemeister über den Beschluss, die Tabellenzweiten nach Abbruch der Saison 2019/2020 nicht aufsteigen zu lassen, flaut allmählich ab.

Karl spricht von einem Kampf gegen Windmühlen

Auch Hutt-Nachfolger Lars Karl zeigt Unverständnis darüber, dass der Antrag der Zweitplatzierten "noch nicht einmal zur Abstimmung gekommen ist". In Baden und Südbaden wurde zumindest darüber abgestimmt, wenngleich ohne Erfolg. "Aber: hätte, hätte Fahrradkette - irgendwann akzeptiert man so eine Entscheidung, da es ein Kampf gegen Windmühlen ist", sagt Karl, der einen etwas anderen Weg gehen und ein Umdenken einleiten will. Das "Söldner-Image", beim SVS, das von Außenstehenden angeprangert wird, soll aus der Welt geschafft werden.

Und so ist die Fluktuation zur neuen Saison so gering wie seit Jahren nicht mehr. Philipp Matyssek wechselt als Spielertrainer zum Liga-Konkurrenten Friedrichshaller SV und Fabian Weber zur SGM Massenbachhausen. Neu in den Kader rücken mit Salvatore Reale und Jan Littmann zwei Akteure aus der eigenen Jugend. Zudem schließt sich von der TG Böckingen Robin Guttleber (Bruder des SVS-Keepers Fabian) dem Verein an.

Kontinuität soll beim SV Schluchtern Einzug halten

"Das war es mit unseren Veränderungen im Kader", sagt Karl. "In den letzten Jahren war es in Schluchtern oftmals so, dass im Sommer viele Spieler gekommen sind, ein Jahr später sind viele gegangen und wieder wurden viele geholt. Und wenn es nicht gereicht hat, wurde im Winter nachgelegt." Nun soll Kontinuität beim SV Schluchtern Einzug halten. Auch soll die Identifikation zum Verein gestärkt werden. Die A-Junioren, die erste und zweite Mannschaft müssen näher zueinander gebracht werden, um den Zusammenhalt und die gegenseitige Wertschätzung zu fördern. "Da ist es sicherlich von Vorteil, wenn der Abteilungsleiter in der zweiten Mannschaft noch selbst aktiv ist", sagt Karl mit einem Augenzwinkern.

Dass er mit dem Ball umgehen kann, hat der 44-Jährige über viele Jahre gezeigt. Über den SV Massenbachhausen (A-Liga) ging es zum VfL Neckargartach (Bezirksliga). Weitere Stationen waren die SV Neckarsulm (Bezirksliga), VfL Brackenheim (Landesliga), VfR Heilbronn (Verbandsliga) und als erste Spielertrainer-Station der FC Berwangen (Bezirksliga). Es folgten der SV Schluchtern sowie Spielertrainer-Jobs in Willsbach und Berwangen.


Hutt: Ein Aufstieg des VfR Heilbronn wäre für alle gut

"Die Bezirksliga wird in der nächsten Saison nicht uninteressanter", spekuliert Karl und hat vor allem die Aramäer Heilbronn und den Aufsteiger VfR Heilbronn auf dem Zettel der Titelaspiranten stehen. "Auch wenn der VfR vom Hörensagen ja nichts investiert", meint Karl mit einem Augenzwinkern, "schätze ich den Aufsteiger ganz stark ein." Für Guido Hutt ist klar: "Wenn der VfR nicht viel falsch macht, können solche Käffer wie wir nicht mithalten, das ist für uns nicht machbar. Es wird eine spannende Runde. In Schluchtern machen wir uns aber keine Illusionen, Meisterschaftsfavorit ist der VfR Heilbronn. Für das Umland wäre es gut, würde Heilbronn wieder ein paar Klassen höher spielen als der Rest. Davon könnten alle profitieren." 


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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