Günter Major beendet nach 42 Jahren seine Trainerkarriere

Fußball  Urgestein, Vaterfigur und Förderer: Der Jongliermeister von 1969 hat Generationen von Spielern ausgebildet. Am Montag verabschiedeten ihn seine Freunde, Weggefährten, ehemalige Jugendspieler und seine Stützpunktkollegen in den Ruhestand.

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Bild mit Seeler-Autogramm: 1969 wird Günter Major (rechts) deutscher Jugend-Jongliermeister und 1970 von Uwe Seeler (links) nach Hamburg eingeladen.

Am Montagabend räumte Günter Major ein letztes Mal die Trainingsutensilien auf, verstaute Bälle, Markierungshütchen und Übungsleibchen. Für den DFB-Übungsleiter war es der letzte Arbeitstag am Stützpunkt Heilbronn im Frankenstadion. "Ich trainiere jetzt nur noch meine Enkel Henri und Paul", sagt der 67-Jährige und schmunzelt. Gut 21 Jahre als Coach von aktiven Mannschaften und ebenso lang als DFB-Fördertrainer im Nachwuchsbereich sind genug.

Doch einer wie Major, der Generationen von Fußballern ausgebildet hat und auf all seinen Stationen viele Freunde hinterließ, schleicht nicht einfach so vom Sportgelände. Und so feierte der Heilbronner seinen Ausstand. Freunde, Weggefährten, ehemalige Jugendspieler und seine Stützpunktkollegen waren der Einladung gefolgt. Unter den Gästen war auch der ehemalige Bundesligaprofi Martin Lanig, den Major einst beim FV Lauda entdeckt und gefördert hatte.

27.046 Ballkontakte in zwei Stunden und elf Minuten

"Ich wurde 1969 deutscher Jugendmeister im Ball-Jonglieren mit 27.046 Ballkontakten in zwei Stunden und elf Minuten", erzählt Major. Der Siegerpreis damals: Ein Wochenende in Hamburg bei Uwe Seeler. "Ich hatte die Wahl zwischen Franz Beckenbauer und Seeler", erinnert sich Major. "Er holte mich persönlich vom Flughafen ab, und ich verbrachte das ganze Wochenende bei ihm daheim."

Am Samstag durfte der junge Weinsberger mit ins Volksparkstadion zum Spiel des HSV gegen Bayern München. "Ich war dabei, als sich die Hamburger Spieler umzogen. Seeler hat mich auch zu den Bayern geführt und Beckenbauer sowie Gerd Müller vorgestellt", erzählt Major auch von einem Gänsehautmoment, als er im vollbesetzten Stadion in der Halbzeitpause seine Jonglier-Künste präsentieren durfte. "Die Zuschauer haben getobt."

Schwere Verletzungen: Karriere mit 24 Jahren gestoppt

Als Neunjähriger begann der kleine Günter beim TSV Weinsberg mit dem Fußball. Es folgte der Wechsel zum VfR Heilbronn, wo er in der A-Jugend württembergischer Meister wurde. Als Aktiver spielte Major für den VfR, Union Böckingen und Germania Bietigheim in der 1. Amateur- und Oberliga. "Zwei schwere Verletzungen mit Operationen am Kreuzband, Schienbein und Sprunggelenk stoppten meinen Werdegang, da war ich erst 24", sagt Major. "Danach absolvierte ich beim WFV zusammen mit Ralf Rangnick als Zimmerkollegen die B- sowie beim DFB die A-Lizenz."

Trotz seiner Operationen hat es noch gereicht, um in den unteren Ligen zu kicken, als Spielertrainer des TSV Talheim, SGV Murr, TSV Untergruppenbach und TSV Künzelsau. Als Trainer arbeitete Major danach von der Landes- bis in die Oberliga für den VfR Heilbronn, SGV Freiberg, Union Böckingen, FV Lauda und SG Kirchardt. Ein Jahr war er auch verantwortlich für die B-Junioren des VfB Stuttgart, trainierte damals Fredi Bobic.

Robin Dutt und Hansi Flick als Kontrahenten

Urgestein, Vaterfigur und Förderer

1992: Interview für die Sportschau nach dem Pokalspiel gegen Leverkusen.

Zu seinen Kontrahenten am Rande des Spielfelds zählten einst Robin Dutt (als Trainer in Ditzingen sowie Lauda) und Hansi Flick (als Coach in Bammental). Das Highlight des Unterländer Trainer-Urgesteins als Aktiven-Coach war das DFB-Pokalspiel mit dem VfR gegen Bayer Leverkusen 1992, das nach großem Kampf 0:2 verloren ging. "Unter den Balljungen waren damals Rüdiger Rehm, Tomislav und Marijo Maric", erzählt Major.

1999 wurden deutschlandweit die ersten DFB-Jugendstützpunkte unter der Leitung von Dietrich Weise eingerichtet. Major übernahm zunächst den Stützpunkt in Michelbach/Wald, war auch noch Coach der Union Böckingen. "Rückblickend ist mir bewusst geworden, dass die Arbeit am DFB-Stützpunkt wie auf mich zugeschnitten war. Ich konnte junge Talente im besten motorischen Lernalter fordern und fördern", hat Major den Gang in den Nachwuchsbereich nie bereut.

Bicakcic, Kuntz und Tufekovic gefördert

Urgestein, Vaterfigur und Förderer

Die Nachwuchsarbeit am DFB-Stützpunkt ist Major ans Herz gewachsen.

2002, als aus dem DFB-Projekt eine wegweisende Einrichtung wurde, wechselte Major nach Heilbronn, beendete seine Tätigkeit als Coach in Lauda und fokussierte sich ganz auf die Jugendarbeit. Unter seinen Kickern am Stützpunkt im Frankenstadion waren die Möckmühler Ermin Bicakcic (Hoffenheim), Kevin Kuntz (Jahn Regensburg) und Martina Tufekovic (Hoffenheim).

"Als Aktiven-Trainer habe ich den einen oder anderen Spieler auch schon mal richtig in den Senkel gestellt", sagt Major, verlangte vor allem von seinen Lieblingsspielern sehr viel ab. "In der Jugendarbeit war ich dann deutlich entspannter und gelassener." Er wurde über die Jahre für viele der jungen Talente zu einer sportlichen Vaterfigur. Seit Montag ist er nur noch der Opa von Henri und Paul.


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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