Grischa Prömel: Surfer-Typ auf der Erfolgswelle

Fußball  Der gebürtige Stuttgarter kehrt mit dem 1. FC Union Berlin zurück in seine Heimat. Vater Roland hatte vor dem nicht nur für die Familie Prömel denkwürdigen 1:1 gegen die Bayern den richtigen Riecher.

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Grischa Prömel durfte am Samstagabend mit Marvin Friedrich über sein erstes Bundesligator gegen die Bayern jubeln.

Foto: dpa

Als Julian Nagelsmann am Ende seiner neun Jahre als Trainer bei der TSG Hoffenheim nach seinem Lieblingsspieler gefragt wurde, da antwortete der heutige Trainer von RB Leipzig ohne lange Grübelei und spontan mit einem Namen: Grischa Prömel. Der 25-Jährige spielt seit 2017 beim 1. FC Union Berlin, am Dienstag (20.30 Uhr/Sky) gastiert er mit dem Hauptstadtclub in seiner Heimatstadt Stuttgart.

In Hoffenheim gehörte Prömel zu jener A-Jugend-Elf, die 2014 mit Trainer Julian Nagelsmann den deutschen Meistertitel holte. Eindruck hinterließ der Mittelfeldmann dabei nicht nur auf, sondern ganz besonders neben dem Spielfeld. "Da hat er so gar nichts von einem Fußballer, da ist er ein Anti-Fußballer, ein Surfer-Boy", begründete Nagelsmann im April 2019 seine Wahl. Auch sei die Familie Prömel keine typische Fußballer-Familie, das habe ihm als Trainer sehr geholfen. "Grischa war wichtig für meine Trainererfolge in der Anfangszeit", sagte Nagelsmann, der Prömel einst nach einem Jugend-Spiel gegen die Stuttgarter Kickers anrief und in den Kraichgau lockte.

Über Umwege in die Bundesliga

Den Sprung in die Bundesliga schaffte er dort allerdings nicht, sondern erst über Umwege. So ist dieser Prömel ein waschechter Stuttgarter, der erst in Berlin ein Roter geworden ist. Davor spielte er immer nur in blauen Vereinstrikots. Bei den Stuttgarter Kickers. In Hoffenheim, dem Karlsruher SC. Zum zweiten Mal nun darf er am Dienstagabend in der VfB-Arena ran. Auf die Unterstützung von Familie und Freunden muss der nun verzichten.

Beim ersten Mal im Mai 2019 sah das anders aus, als es um den Erstligaaufstieg in der Relegation ging. "Da geht schon ein bisschen ein Kindheitswunsch in Erfüllung, mal hier in der Mercedes-Benz-Arena zu spielen", sagte er nach dem 2:2; wenige Tage später war nach dem 0:0 in Köpenick der Erstliga-Aufstieg für den 1. FC Union perfekt. Jeder Stuttgarter Fußball-Fan hat einen Bezug zum VfB. Auch wenn man ein Blauer wie Prömel ist, der vier Jugendjahre bei den Kickers in Degerloch kickte. "Mein Papa Roland hat mich im Jugendalter häufiger mit ins Stadion genommen. Man wächst mit dem VfB auf, wenn man aus dem Kessel kommt", sagte Prömel 2019.

Große Autos? Tattoos? Das ist nichts für Prömel

Grischa Prömel hat sich in den vergangenen beiden Jahren zu einem Erstligaprofi entwickelt. Der manchmal so entrückt wirkenden Glitzerwelt entzieht er sich so gut es geht. "Ich mache mir nicht viel aus großen Autos, Tattoos oder Ähnlichem. Hat vermutlich auch was mit meiner Erziehung zu tun und den Werten, die mir meine Eltern vermittelt haben", sagte er mal. Als Beweis dafür darf dann gerne das von der Oma geerbte Vehikel herhalten. Als etwas anderer Profi passt man wohl irgendwie auch ganz gut zum etwas anderen Erstligaverein aus Ost-Berlin.

Vor der Rückkehr ins Schwabenländle stimmt die Form. Am Samstag erzielte er sein erstes Bundesligator. Ein Kopfballtreffer zum 1:0 gegen die Bayern, am Ende hieß es 1:1 gegen den Rekordmeister. Und Vater Roland hatte mal wieder den richtigen Riecher. "Er hat mir vor dem Spiel geschrieben, dass es langsam Zeit wird für meinen ersten Treffer", erzählte Prömel am Samstag lächelnd. Ob der Papa nun gleich den ersten Auswärtstreffer einfordert?

 


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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