Chris Richards: "Für mich war es tatsächlich Hoffenheim oder nix"

Interview  Neuzugang Chris Richards spricht über seine Ziele mit der TSG 1899 Hoffenheim und erklärt, wie er mit Rassismus umgeht.

Email

Zurück im Kraichgau, sofort am Ball: Chris Richards war und ist Wunschspieler von Hoffenheims Trainer Sebastian Hoeneß.

Foto: imago images/foto2press

Noch reichen seine Sprachkenntnisse nicht für ein Gespräch auf Deutsch. "Wenn wir nur über Fußball reden, dann schon", sagt Chris Richards, der 21-jährige Neuzugang, der bereits in der vergangenen Rückrunde für die TSG Hoffenheim spielte. Nun ist der US-Profi erneut im Kraichgau gelandet und spricht im Interview nicht nur über den Fußball, sondern auch ernstere Themen.

 

Herr Richards, Sie sind kurz vor Ende der Transferperiode erneut vom FC Bayern zur TSG Hoffenheim ausgeliehen worden. Kam auch ein Wechsel zu einem anderen Verein infrage?

Chris Richards: Ich hatte andere Angebote, aber mir war klar, dass die TSG die beste Option für mich ist. Nach dem ersten halben Jahr hier weiß ich, was ich an dem Club habe. Ich kenne hier das System, den Trainer, die Spieler. Hoffenheim ist die beste Lösung, um Spielpraxis zu sammeln. Für mich war es tatsächlich Hoffenheim oder nix.

Sie standen bei der TSG sofort zwei Mal in der Startformation. Wie zufrieden waren Sie mit ihren ersten Auftritten?

Richards: Meine Leistung in Bielefeld war schon wesentlich besser als das Heimspiel gegen Mainz. Wir hätten natürlich gerne schon mehr Punkte, aber wir sind noch früh in der Saison, müssen uns noch weiter einspielen, die Abläufe abstimmen.

 

Nun geht es an diesem Samstag gegen ein spielstarkes Team, den VfL Wolfsburg. Ist das für die Mannschaft einfacher als gegen kampfstarke Teams wie Mainz oder Bielefeld?

Richards: Wenn Mannschaften tief und hintendrin stehen, dann ist das nicht nur für uns schwierig, sondern für die meisten anderen Teams auch. Wir spielen oftmals besser, wenn wir unser Spiel durchbringen können.

 

Immer mehr junge US-Amerikaner etablieren sich in der Liga. Warum ist die Bundesliga die richtige Liga für Talente wie Sie oder Giovanni Reyna beim BVB?

Richards: Das ist eine gute Frage. Christian Pulisic in Dortmund (heute Chelsea, Anmerkung der Redaktion) und Weston McKennie bei Schalke 04 (heute Juventus Turin) waren die ersten unserer Generation, die sich in Deutschland durchgesetzt haben. In den USA haben wir diese beiden gesehen und uns gedacht: Warum sollten wir das nicht auch können? Wahrscheinlich hat Deutschland auch den Spielstil, der in Europa am ehesten unserer amerikanischen Spielweise ähnelt. Es ist ein körperlicher Fußball, der aber trotzdem auch spielstark ist.

 

Träumt man als Kind in den USA nicht eher von der Premier League als von der Bundesliga?

Richards: Wenn du in den USA aufwächst, dann ist dein erster Kontakt mit internationalem Fußball immer die Premier League. Ich habe als Kind viele Manchester-United-Spiele gesehen. Wenn man wie ich die Initialen CR hat, dann muss man natürlich ein großer Cristiano-Ronaldo-Fan sein (lacht).

 

Im vergangenen Februar sprachen Sie davon, mit Hoffenheim die Europa League gewinnen zu können. Gegen Molde FK kam das schnelle Aus. Welche Ziele haben Sie sich für diese Saison mit der TSG gesetzt?

Richards: Ich setze mir immer sehr ambitionierte Ziele. Deshalb würde ich gerne dazu beitragen, dass sich der Verein am Ende wieder für Europa qualifiziert.

 

Die FC-Bayern-DNA, dieses "Mia san Mia", scheint ja tief in Ihnen verwurzelt zu sein.

Richards: (lacht) Meine Eltern haben mir beigebracht: Wenn andere über deine Ziele lachen, dann hast du die sie wohl zu niedrig angesetzt.

 

Ein hohes Ziel ist sicherlich auch die WM 2026, die in den USA stattfindet. Werden die USA dann als WM-Co-Gastgeber eine Fußballmacht sein, die um den Titel mitspielen kann?

Richards: Ich denke, die Voraussetzungen sind gut. Viele unserer Spieler sind jünger, in fünf Jahren sollten wir alle auf der Höhe unseres Leistungsvermögens sein, dann wird jeder noch mit Stolz im eigenen Land spielen. Vielleicht werden wir taktisch nicht die Besten sein, aber unsere Mentalität wird uns bei der Heim-WM weit bringen. Keiner will daheim verlieren.

 

Daheim in den USA ist Rassismus ein großes Thema, das auch den Sport betrifft. In der Premier League knien die Spieler vor jedem Spiel, in der Bundesliga nicht. Sollte die Bundesliga nicht auch mehr Zeichen im Kampf gegen Rassismus setzen?

Richards: Die Premier League macht das, und es ist ein richtiger Schritt in die richtige Richtung. Auch die TSG steht immer hinter uns und positioniert sich deutlich gegen Rassismus. Wichtig ist, dass es nicht nur dafür da ist, um gut auszusehen, sondern auch hinter den Kulissen bei dem Thema etwas passiert. Nicht nur die Bundesliga könnte noch mehr tun, auch andere Profi-Ligen in der ganzen Welt.

 

Sie kommen aus Alabama, wo die amerikanische Bürgerrechtsbewegung ihren Ursprung hat.

Richards: Als ich jünger war, habe ich auch Rassismus erlebt. Nichts Wildes, aber klar, dieses Problem ist immer da. Es hat sich nicht viel verändert. Meine Mutter ist weiß, mein Vater schwarz. Rassismus ist in den USA leider ein unvermeidbares Thema, ein alltägliches Problem.

 

Wie gehen Sie auf sozialen Plattformen wie Instagram mit rassistischen Beleidigungen um?

Richards: Diese Leute haben ja ein Problem mit mir, nicht ich mit ihnen. Ich lasse das nicht ran an mich. Mich bringt das nicht um den Schlaf, ganz im Gegensatz zu denen, die solche Beleidigungen schreiben.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

Kommentar hinzufügen