Für den VfB Stuttgart wird das Ländle-Duell gegen den SC Freiburg zum Charaktertest

Fußball  Wie reagieren die Schwaben auf den ersten unerwarteten Rückschlag der Saison? Nach dem 0:3 in Bielefeld kehren mit Silas Wamangituka und Nicolás González zwei Stützen zurück. Trainer Pellegrino Matarazzo hofft auf eine Reaktion seiner Mannschaft.

Email

Pascal Stenzel agierte zuletzt nicht immer fehlerfrei. Ob er gegen seinen Ex-Club in Freiburg erneut von Beginn an ran darf?

Foto: dpa

Pellegrino Matarazzo ist kein guter Schauspieler. Das 0:3 in Bielefeld, "das hat eine Strahlkraft, das war sehr wirksam", sagt der Trainer des VfB Stuttgart stirnrunzelnd über die höchste Saisonniederlage beim Mitaufsteiger. "Das war schmerzhaft, das hat man bei den Jungs und dem Trainerteam gespürt."

Ob denn der Schmerz schnell verschwindet, das entscheidet sich an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky), wenn der VfB Stuttgart beim SC Freiburg gastiert. "Ich bin sehr gespannt, wie schnell wir das abhaken", sagt Matarazzo und ruft das Ländle-Derby flugs zum Charaktertest aus. Dass gerade einmal 65 Stunden zwischen dem verkorksten Ende der Hinrunde und dem Anfang der Rückrunde liegen, könne ein Vor- , aber auch Nachteil sein. Die Erkenntnisse vom Alm-Abend bringt der Italo-Amerikaner auf den Punkt: "Wenn wir ans Limit gehen, dann sind wir gut. Ein, zwei Prozent weniger ist dann aber zu wenig."

Trainer Matarazzo sieht keinen Einbruch aufgrund der fehlenden Winterpause

Der Aufsteiger hatte zuvor nur gegen Teams aus der oberen Tabellenhälfte verloren und zum Saisonstart gegen den SC Freiburg. Danach ging man nur noch gegen Top-Teams wie Bayern München, Wolfsburg, Leipzig punktlos vom Platz. Und nun ein 0:3 in Bielefeld. Geht dem VfB nun die Luft aus, weil es praktisch keine Winterpause gab? "Ich habe noch nicht das Gefühl, dass es daran liegt. Wir sind in Bielefeld mehr gelaufen als im Durchschnitt. Das ist vielleicht auch ein Punkt, warum wir dort am Ende nicht mehr die Körner hatten wie zuletzt."

Dass etwas Qualität gefehlt habe, nämlich die beiden gesperrten Stürmer Nicolas Gonzalez und Silas Wamangituka, das lässt Matarazzo bei der Video-Pressekonferenz am Freitag eher indirekt durchblicken. Umso besser, dass beide in Freiburg in die Startelf zurückkehren.

Auch Routinier Gonzalo Castro wird wieder auf dem Platz stehen, in Bielefeld erhielt Philipp Förster den Vorzug. "Ich gehe davon aus, dass ihm die Pause gut getan hat", sagt der Trainer über seinen Kapitän. Weitere Wechsel sind möglich: Pascal Stenzel sah gegen Gladbach und in Bielefeld bei jeweils einem Gegentor nicht gut aus. Konstantinos Mavropanos und auch Atakan Karazor könnten in die Abwehrkette rücken, diese stabilisieren. Spielgestalter Daniel Didavi ist im Kalenderjahr 2021 noch ohne Startelf-Einsatz. Es mangelt also nicht an personellen Alternativen.

VfB und SCF kennen sich inzwischen bestens - vier Duelle seit September

Zum vierten Mal innerhalb von 126 Tagen stehen sich der VfB und der SC Freiburg an diesem Samstag gegenüber. "Es fühlt sich tatsächlich so an, als ob man alle paar Wochen gegen Freiburg spielt", sagt der VfB-Trainer. Dem 2:3 zum Saisonstart folgte ein 3:0 in einem Testspiel in der Oktober-Länderspielpause. Kurz vor Weihnachten zog der VfB durch ein 1:0 im DFB-Pokal ins Achtelfinale ein. "Das war eins von den zwei Pflichtspielen ohne Gegentor", erinnert sich Pellegrino Matarazzo. Ein drittes ohne Gegentreffer wäre nicht nur in seinem Sinne.

Denn erstmals gab es nach dem 0:3 in Bielefeld auch Fan-Kritik am Trainer und dessen Personalauswahl. "Ich bekomme das mit, ich bin aber nicht nach jedem Spiel direkt in den sozialen Medien unterwegs", sagt er: "Ich merke es schon, dass es im Umfeld extreme Höhen und Tiefen gibt. Das ist der VfB, damit muss man umgehen. Wichtig ist, dass die Mannschaft nicht destabilisiert wird."

Das gilt auch für das vereinspolitische Tohuwabohu, den Datenskandal, den Knatsch zwischen dem Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger und Präsident Claus Vogt. "Ich agiere als Filter, was das angeht", versucht der Trainer alles vom Team fern zu halten. Er schaue auf seinen Verantwortungsbereich, betont Matarazzo - und meint damit die Mannschaft. Dieser Job ist in der Stuttgarter Mercedesstraße selbst nach einem 0:3 in Bielefeld wohl der wesentlich dankbarere.

Geduldspiel

Beim Hohenloher VfB-Talent Lilian Egloff ist aufgrund eines Knochenödems immer noch Geduld gefordert. "Er ist immer noch in Reha. Das Ödem bereitet weiterhin Probleme. Wir haben es mit Einlagen probiert, aber er hat immer noch Schmerzen", sagt VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo. "Ich hoffe, dass er in den nächsten ein, zwei Wochen zu uns stoßen kann."


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

Kommentar hinzufügen