Für den VfB geht es um die Rückeroberung des Paradieses

Fußball  Der VfB Stuttgart verlängert vor dem Spitzenspiel gegen den Hamburger SV vorzeitig den Vertrag mit Trainer Pellegrino Matarazzo. Wichtiger aber ist, wie der VfB am Donnerstag den Tabellenzweiten aus der Hansestadt knacken und auf Platz zwei vorbeiziehen kann.

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Keine schönen Erinnerungen: Das Hinspiel verlor der VfB Stuttgart (rechts der diesmal wie Daniel Didavi gesperrte Atakan Karazor) in Hamburg im Oktober mit 2:6.

Foto: imago images/Philipp Szyza

Es sind die (Spiel-)Tage, an denen sich Fußballer mitunter nicht mehr zum Bäcker wagen: Wenn es im Saisonendspurt um Aufstieg oder Abstieg geht, es aber nicht läuft, gibt es zur erstandenen Tüte mitunter gratis gut gemeinte Ratschläge und Vorwürfe mit dazu. "Ich war in letzter Zeit nicht beim Bäcker oder beim Metzger", versichert Pellegrino Matarazzo, er setze die strengen Vorgaben der Deutschen Fußball Liga wegen der Coronavirus-Pandemie hundertprozentig um.

Der Trainer des VfB Stuttgart weiß trotzdem um die Gemütslage im Talkessel um Bad Cannstatt. Er spüre den Druck, "die Erwartungen sind hoch, sehr hoch, es geht um alles": nämlich am Donnerstagabend (20.30 Uhr/Sky) zu Hause gegen den Hamburger SV im Spitzenspiel der 2. Liga um den zweiten Aufstiegsplatz in die Bundesliga.

Es geht um Rehabilitation

Nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs hat der VfB mit zwei schlechten Nachrichten aufhorchen lassen, den Niederlagen bei Wehen Wiesbaden und Holstein Kiel. Am Mittwochmittag setzte der Verein ein positives Zeichen und verkündete die vorzeitige Verlängerung des Vertrages mit dem Cheftrainer um ein Jahr bis zum 30. Juni 2022. "Das kam auch für mich überraschend", sagt Pellegrino Matarazzo.

Thomas Hitzlsperger, Vorstandsvorsitzender des VfB, verkündete in einer Pressemitteilung: "Mit der seit mehreren Wochen geplanten Vertragsverlängerung möchten wir deutlich zum Ausdruck bringen, dass wir Kontinuität leben wollen." Aber natürlich nicht auf dem Platz, wo zuletzt - wie schon in der Vorrunde unter Matarazzos Vorgänger Tim Walter - fehlende Durchschlagskraft in der Offensive und fatale Fehler in der Defensive eine unheilige Allianz gebildet haben.

Wie will der 42-Jährige den um einen Punkt und neun Tore besseren Tabellenzweiten knacken? "Was uns befähigt: Ein guter Kader. Ein guter Plan. Und wir gehen mit großem Optimismus sowie extrem viel Feuer ins Spiel", kündigt Pellegrino Matarazzo vor seinem fünften und bisher außergewöhnlichsten VfB-Heimspiel an.

Vorfreude auf ein "richtig geiles All-in-Spiel"

Natürlich, die Zuschauer werden beim ersten Geisterspiel in der Mercedes-Benz-Arena fehlen. "Aber damit beschäftige ich mich gar nicht, es ist wie es ist", sagt der ehemalige Abwehrspieler. "Wir freuen uns auf ein richtig geiles All-in-Spiel. Wir wollen unseren zweiten Platz zurückerobern." Es geht um die Rückeroberung des Paradieses. Bei den Spielern beflügelt durch die Vertragsverlängerung mit dem Trainer? "Die Vertragslaufzeit ist nicht relevant für meine Arbeit mit der Mannschaft", sagt Pellegrino Matarazzo gelassen. So oder so müssen seine Spieler auf Zack sein, um im Zickzack des Saisonverlaufs mit einem finalen Zick wieder am HSV vorbeizuziehen.

Dass mit dem erfahrenen Daniel Didavi der zentrale Mittelfeldspieler gesperrt fehlt, macht die Aufgabe nicht leichter; auch nicht ein flüchtiger Gedanke ans mit 2:6 verlorene Hinspiel. "Es wird wichtig sein, keine Schwäche zu zeigen", stellt Pellegrino Matarazzo klar. Schon die ganze Saison schwächelt der VfB immer wieder, lässt in der 2. Bundesliga, wo vor allem Körperlichkeit über Sieg oder Niederlage entscheidet, zentrale Tugenden wie Leidenschaft und Entschlossenheit vermissen. Hinzu kommt, dass die routinierten Führungsspieler zu selten führen.

Arminia dürfte sich nicht mehr verdrängen lassen

Gemessen am Marktwert des Kaders, etwa 60 Millionen Euro, müsste der VfB klarer Tabellenführer sein - es ist aber Bielefeld. Und die Arminia dürfte sich nicht mehr von der Tabellenspitze verdrängen lassen. Ja, das wird gegen den HSV ein All-in-Spiel. Nach dem alles so gut wie vorbei sein könnte.

Egal wie es ausgeht: Nach dem Saisonende dürfen Spieler und Trainer des VfB wieder zum Bäcker und zum Metzger - die Corona-Masken helfen, dort im Misserfolgsfall unerkannt zu bleiben.

 

 

Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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