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FSV Hollenbach beurlaubt Trainer Marcus Wenninger

Fußball-Verbandsligist FSV Hollenbach trennt sich überraschend von Trainer Wenninger. Noch gibt es keinen Nachfolger. Die Auffassungen von Verein und Coach waren unterschiedlich.

Von Marc Schmerbeck
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FSV Hollenbach beurlaubt Trainer Marcus Wenninger
Marcus Wenninger ist nicht mehr Trainer des Verbandsligisten FSV Hollenbach Foto: Marc Schmerbeck

Es war ein Warnzeichen. Ein Manager mit bedeutungsvoller Miene, nicht gut. Karl-Heinz Sprügel hatte diesen ernste Nachrichten erahnen lassenden Gesichtsausdruck am Samstag aufgelegt. Er schaute zwar die Relegationspartie des SV Wachbach in Künzelsau an (1:0-Sieg gegen Schorndorf), doch die Gedanken drehten sich um seinen FSV Hollenbach.

Und da herrschte Mitteilungsbedarf. "Wir haben uns von Marcus Wenninger getrennt", sagte Sprügel. "Er ist ab sofort beurlaubt."

Das kam überraschend. Vor allem zu diesem Zeitpunkt. Im Winter bereits gaben sich beide Parteien das Ja-Wort für eine weitere Saison.

Veränderung wäre wohl das Beste

Seit einer Woche ist die Runde nun beendet. Anzeichen für eine Trainer-Beurlaubung gab es nicht − zumindest nicht nach Außen. Trotz des vierten Platzes in der Endabrechnung, trotz des verpassten Aufstiegs. "Wir sind angetreten, um unter die ersten zwei zu kommen. Es war noch nie so einfach wie dieses Jahr", sagte Sprügel. "Trotz Verletzungspech. Wir hätten sogar den ersten Platz erreichen können."

Wie üblich hatten sich die Verantwortlichen in der Woche noch mal zusammengesetzt und die Runde analysiert. Sie kamen zu dem Schluss, dass eine Veränderung das Beste wäre. Ende der Woche wurde dies dann auch Wenninger mitgeteilt.

"Wir haben Marcus eigentlich nichts vorzuwerfen", sagt Sprügel. "Der Trainer ist eben das schwächste Glied." Wenninger war mittlerweile in Hollenbach angekommen, hatte sich im Verein wohlgefühlt und freute sich auf eine weitere Runde. "Dann hat mich nun der Verein zu einem Gespräch gebeten und mir die Entscheidung mitgeteilt. Das muss ich so akzeptieren", sagte Wenninger. "Scheinbar haben wir andere Auffassungen über die Bewertung des Geleisteten und darüber, wie es weitergehen soll. Ich kenne ja die Mechanismen. Das kann im Fußball passieren. Ich bin keiner, der da nachkartet."

Wenningers Spielsystem passte zu Hollenbach - einst

In der Winterpause der Saison 2016/17 hatte er das Team stark abstiegsgefährdet in der Oberliga übernommen. Den Klassenerhalt verpasste Hollenbach nur ganz knapp. Sein Spielsystem hatte sich nahtlos in das seines Vorgängers Ralf Stehle eingefügt. Defensive Sicherheit stand an erster Stelle. Es passte zur Mannschaft, es passte zur Philosophie − damals.

"Wir wollen uns wieder mehr offensiv orientieren, vor allem in der Verbandsliga", sagt Sprügel. "Die Philosophie passt nicht mehr." Ein plötzlicher Sinneswandel. In der abgelaufenen Saison stellte der FSV die beste Defensive. Anscheinend war aber die Hoffnung auf Offensivfußball vorhanden. Gerade in der Verbandsliga hätte man sich Auftritte mit mehr Mut im Spiel nach vorne gewünscht. Dies erfüllte das Team nur selten, hatte aber, und auch das muss erwähnt sein, trotzdem Erfolg. Erst am vorletzten Spieltag war die Hoffnung auf einen der ersten beiden Plätze verspielt.

In Sachen Personal war es eine schwierige Rückrunde

Wenninger wurde aber auch Opfer der Personalpolitik. Zwar blieb der Kader nach dem Abstieg weitgehend erhalten. Doch Führungsspieler wurden nicht ersetzt. Der FSV setzte auf junge Akteure. Die Grundaufstellung blieb gleich. Im Winter wanderte dann noch der beste Torschütze (Serkan Uygun) in die zweite türkische Liga ab, auch er wurde nicht ersetzt. Dadurch und durch die Tatsache, dass phasenweise bis zu sieben Stammspieler ausfielen, wurde die Rückrunde schwierig. Die Ausfälle wirkten in einigen Spielen wie ein Hemmschuh.

"Wir haben es daheim verschenkt", sagt Sprügel. Die Personalprobleme sieht er als nicht so gravierend an. "Mit den Niederlagen gegen Wangen oder Rutesheim. Wir haben zu viele Spiele gegen Mannschaften, die weit hinter uns in der Tabelle standen, verloren." Besonders ärgern ihn die hohen Heimniederlagen gegen die TSG Tübingen (0:4) oder den SSV Ehingen-Süd (1:4).

Und wie geht es weiter?

Ein großes Fragezeichen! "Wir haben noch keinen Trainer", sagt Sprügel. "Wir wollten die Entscheidung, nachdem sie gefallen war, nicht weiter vor uns herschieben." Und schon gar nicht mit Wenninger einen Trainer auf Halde im Hintergrund haben, bis ein Nachfolger gefunden ist. Die Verantwortlichen bevorzugten das schnelle Ende mit Schrecken.

"Wir hätten gerne einen jungen Trainer", sagt Sprügel. "Wir nehmen Bewerbungen entgegen." Erste Ideen gibt es. Gespräche noch keine. Als Co-Trainer wurde schon vor einigen Wochen Jens Breuninger für den scheidenden Victor Enns verpflichtet. "Im Moment gibt es keinen Grund, daran etwas zu ändern", sagt Sprügel.

 

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