Football's coming hoim: VfB-Fans feiern tapfere Stuttgarter Notelf

Fußball  Die Fans sind mit Macht zurück beim VfB, der gegen den FC Barcelona 0:3 verliert und Sorgen hat: Zwei Spieler sind positiv auf Corona getestet worden.

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Große Namen, großartige Kulisse, kaum bekannte Hilfskräfte: Clement Langlet (von links) bedrängt Atakan Karazor, ebenso Gerard Pique; Richard Weil scheint zu staunen.

Foto: imago images/Pressefoto Baumann

Obwohl es der außergewöhnlichste Arbeitstag seines Lebens war, sorgte Sven Mislintat in der angespannten Situation für den VfB Stuttgart mit einem Scherz für Auflockerung. "Wir haben mit der Niederlage alles richtig gemacht", sagte der Sportdirektor nach dem 0:3 einer wegen zwei weiterer positiver Corona-Tests zusammengewürfelten Stuttgarter Mannschaft im finalen Vorbereitungsspiel gegen den FC Barcelona. Mislintat spielte mit einem Augenzwinkern auf die beiden Glanzleistungen des VfB 2015 gegen Manchester City (4:2) und 2018 gegen Atlético Madrid (1:1) an: Beides waren Fußballfeste in der Mercedes-Benz-Arena vor dem Pflichtspielauftakt, die Saison endete in beiden Fällen aber mit dem Abstieg.

Ja, es war auch diesmal ein Fußballfest, weil erstmals seit dem 9. März 2020 im Zweitligaspiel gegen Arminia Bielefeld (1:1) und dem Ausbruch der Pandemie wieder viele, viele Zuschauer ins Stadion durften; 25 000 Fans sorgten für fantastische, fast vergessene Stimmung: Football"s coming hoim! Aber das Corona-Virus ist noch lange nicht besiegt: Nach Sasa Kalajdzic, dessen positiver Test am Donnerstag für Unruhe gesorgt hatte, erwischte es zwei weitere, namentlich nicht genannte Kollegen am Morgen vor dem Spiel.

Viele Herausforderungen bei der VfB-Vorbereitung

"Dieser Tag hatte ganz viele Herausforderungen, keine davon ließ eine normale Vorbereitung auf ein Fußballspiel zu", sagte Sven Mislintat knapp. Nach Rücksprache mit den Gästen trat man ausschließlich mit vollständig geimpften Spielern an - was aber nicht bedeutet, dass sich alle VfB-Spieler, die am Samstag nicht dabei waren, in häuslicher Isolation befinden. Denn etliche Stuttgarter Profis sind verletzt.

Die Aufstellung verdeutlicht dennoch, wie kompliziert die nächsten Wochen werden: Nur die Hälfte der 16 Namen auf dem Spielberichtsbogen gehört zur Bundesligamannschaft, die mal eben mit Spielern aus dem Regionalligateam beziehungsweise aus dem Nachwuchsleistungszentrum ergänzt wurde wie Manuel Polster, Richard Weil oder Dominik Nothnagel - ja, sein Name war Programm. "Leicht improvisiert ist gut", kommentierte Trainer Pellegrino Matarazzo die Aufstellung.

Absolute Übervorsichtsmaßnahme

"Es ergibt überhaupt keinen Sinn, hektisch zu werden", sagte Sven Mislintat. Zum einen gehe es allen drei erkrankten Spielern gut. Zum anderen hätte der VfB in einem Pflichtspiel "ganz klar spielen können", der Verzicht auf die negativ getesteten, aber nicht durchgeimpften Spieler sein eine "absolute Übervorsichtsmaßnahme" gewesen.

Die Sicherheitsvorkehrungen griffen zudem beim VfB, der ohne Coronafälle durch die Saison 2020/2021 gekommen war. Wie man die Covid-19-Situation in den Griff bekommen wolle: "Schnelltest morgens, so viele PCR-Tests wie möglich, so viele Geimpfte wie möglich", sagte Sven Mislintat, der darauf hinwies, dass es beim VfB wie grundsätzlich in Deutschland keine Impfflicht, aber eine Impfempfehlung gebe. Und nein, es werde mit Blick auf das DFB-Pokal-Spiel am Samstag beim Berliner Regionalligisten BFC Dynamo und dem Bundesligaauftakt eine Woche später gegen Aufsteiger SpVgg Greuther Fürth keine Neuzugänge geben.

Mitte September wahrscheinlich 80, 90 Prozent der Spieler zurück

"Unsere Jungs werden alle sukzessive und Woche für Woche wieder ins Training einsteigen", versicherte Sven Mislintat. "Bis Mitte September haben wir wahrscheinlich 80, 90 Prozent der Spieler wieder." Doch was Corona mit einer Mannschaft machen kann, hatten vor allem die Nachbarn der TSG Hoffenheim vergangene Saison schmerzhaft erfahren müssen: Es dauert, bis isolierte Spieler wieder in den Tritt kommen. Der VfB braucht beispielsweise die Tore von Sasa Kalajdzic. Das war trotz engagierter Leistung gegen Barcelona offensichtlich.

Dass gerade die jungen Spieler die Aufgabe gut meisterten, ließ Sven Mislintat den Kaffee aus seinem Pappbecher gelassen trinken. Der 48-Jährige sagte: "Wir haben eine hervorragende Zusammenarbeit im Verein. Junge Spieler zu integrieren, ist unser Weg. Das tut gut, das schafft Optionen." Auch für außergewöhnliche Tage und Zeiten.


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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