Fan-Kritik vergrößert den Druck bei der TSG Hoffenheim

Fussball  Hoffenheims Trainer Alfred Schreuder antwortet vor dem Heimspiel gegen Köln auf die wachsende Fan-Kritik. "Schönzureden ist nicht meine Art und Weise", sagt der Niederländer.

Email

Hoch die Beine: Hoffenheims Munas Dabbur (rechts) war zuletzt in Paderborn als Joker gefragt. Nun winkt ein Startelf-Einsatz gegen den 1. FC Köln.

Foto: dpa

Die Besucher kamen des Nächtens. Dunkel war es, als sie am Zaun des Hoffenheimer Trainingszentrums in Zuzenhausen ihre Botschaft hinterließen. Schwarz auf weiß stand in großen Lettern geschrieben: "Auf dem Platz keine Leistung bringen, aber am Mikrofon Lobeshymnen singen."

Der Frust sitzt tief

Der Frust sitzt tief bei einigen TSG-Fans, nicht nur über sieben sieglose Bundesligaspiele am Stück, sondern noch mehr über die "Schönrednerei" von Trainer und Profis nach teils sehr dürftigen Leistungen. Die "Young Boyz 07", ein TSG-Fanclub, teilten am Dienstag Fotos ihrer nächtlichen Aktion in den sozialen Medien und auf ihrer Homepage.

Vor acht Uhr morgens war das Spruchband bereits wieder abgehängt. Spieler und Trainer bekamen es nicht zu Gesicht. "Ein Foto davon" habe er gesehen, sagte TSG-Trainer Alfred Schreuder vor dem Bundesligaspiel gegen den 1. FC Köln am Mittwochabend (20.30 Uhr/Sky). "Ich verstehe das auch, ich finde die Fans haben recht. Wir sind ja auch nicht zufrieden mit den Ergebnissen", sagt Schreuder.

Vorwurf: mangelnde Selbstkritik

Die Young Boyz schreiben im Internet: "Was uns Sorgen macht ist, dass nach den meist durchwachsenen bis schlechten Spielen geschönte Analysen und wiederkehrende Phrasen von Trainer und Spielern folgen, die nur wenig Selbstkritik und Hinterfragen der eigenen gezeigten Leistungen beinhalten." Schreuder ein Schönredner? "Ich versuche echt nicht, nach den Spielen etwas Schönzureden, das ist nicht meine Art und Weise", entgegnet der Niederländer. "Das einzige, was wir verbessern müssen, sind die Ergebnisse. Ich kann meinen Jungs nicht den Vorwurf machen, dass sie nicht hart arbeiten." Schreuder stellt sich vor sein Team.

Trotz des Hoffenheimer Fehl-Re-Starts hatte der 47-Jährige zuletzt davon gesprochen, dass die Entwicklung seiner Mannschaft extrem gut sei. Das sehen viele Fans anders und fordern immer häufiger eine Trennung vom Trainer. Der weiß auch: "Nur schöner Fußball reicht nicht, es muss jetzt mal erfolgreicher Fußball werden." Wobei Schönheit bekanntlich im Auge des Betrachters liegt.

Entwicklung auf Platz ist unbefriedigend 

Schreuder versucht die Entwicklung seines jungen Teams vom Ergebnis zu entkoppeln. Das Problem dabei: Messbare Einheit sind die Ergebnisse auf dem Platz. Und dort ist die Entwicklung einfach unbefriedigend. Nach dem Hinspiel gegen den 1. FC Köln hatte Hoffenheim 20 Punkte aus elf Spielen auf dem Konto. Seither sind in 16 Bundesliga-Partien nur 16 weitere Zähler hinzugekommen.

Zur Winterpause war Rang vier nur drei Punkte entfernt, jetzt sind es stattliche 17 Zähler Rückstand. Hoffenheim ist ja überhaupt nur noch so nah dran an den Europapokalplätzen, weil das Rennen um die Ränge sechs und sieben eher ein Wetttrampeln auf der Stelle ist. Sollte der DFB-Pokalsieger am Saisonende Bayern München oder Bayer Leverkusen heißen, reicht Rang sieben für die Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation.

Munas Dabbur winkt ein Startelf-Einsatz

Schreuder verwies bei einer Telefonschalte am Dienstagnachmittag einmal mehr auf die fehlenden Offensiv-Qualitäten der verletzten Andrej Kramaric und Ishak Belfodil und bat um Geduld mit den jungen Spielern, für die es wie im Fall von Christoph Baumgartner oder Robert Skov die erste Bundesligasaison sei. Die mangelnde Chancenverwertung ist ein großes Problem. Vorne fehlt es derzeit "ab und zu ein bisschen an Überzeugung", findet Schreuder. Viel spricht für einen Startelf-Einsatz von Munas Dabbur, der von allen Stürmern aktuell über die meiste Erfahrung verfügt: "Er gibt den anderen mehr Sicherheit."

Die braucht es auch, um die neunte Heimniederlage der Saison zu vermeiden. "Wir haben in den bisherigen Heimspielen einfach zu wenige Tore geschossen", sagt Schreuder. Das war anders, als die Kölner zuletzt vor zwei Jahren in Sinsheim gastierten. Damals hieß es 6:0 für die TSG 1899. Inklusive berechtigter Lobeshymnen hinterher.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik. 

Kommentar hinzufügen