Es gibt zu viele Hoffenheimer Problemzonen

Fußball  Die TSG rennt in der Fußball-Bundesliga zu oft einem Rückstand hinterher, zeigt immer wieder defensive Anfälligkeit und leidet unter schlechter Chancenverwertung.

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Enttäuschung bei Hoffenheims Ryan Sessegnon.

Foto: dpa

Das große Zittern im Kraichgau hat begonnen. Nach der ersten Länderspielpause Anfang September kehrten beispielsweise der Däne Robert Skov (Knöchel) und der Tscheche Pavel Kaderabek (Oberschenkel) verletzt zurück zu ihrem Arbeitgeber, der TSG 1899 Hoffenheim.

Aus der zweiten Saisonunterbrechung im Oktober brachten Andrej Kramaric (Kroatien) und Kasim Adams (Ghana) eine Corona-Infektion als Souvenir mit, Pavel Kaderabek musste wegen eines Falls in der Familie in Quarantäne. Und nun? Hofft nicht nur Trainer Sebastian Hoeneß, alle Nationalspieler fit begrüßen zu dürfen. Trotz eines aktuell hohen Kranken- und Verletztenstands sind wieder elf TSG-Profis für ihre Nationalmannschaften unterwegs. Von A wie Adamyan (Armenien) und Akpoguma (Nigeria) bis S wie Samassekou (Mali) oder Sessegnon (U21 England).

Die Haltung stimmt nicht

Die fitten und gesunden Daheimbleiber müssen in den nächsten zwei Wochen in Zuzenhausen an einigen Defiziten arbeiten, die das 1:2 in Wolfsburg aufgezeigt hat. Nur einen von 15 möglichen Punkten haben die Kraichgauer nach den Startsiegen in Köln (3:2) und gegen Bayern München (4:1) geholt. Immer wieder starten die Hoffenheimer in der Bundesliga schlecht ins Spiel. Das war in Bremen so, gegen Berlin und nun auch in Wolfsburg. "Wir kommen nicht in das Spiel mit der Haltung, mit der man es bestreiten muss", kritisiert Sebastian Hoeneß.

Folgerichtig rannte man zuletzt immer einem Rückstand hinterher. Wie in Wolfsburg, als es nach 25 Minuten verdientermaßen 2:0 für die Gastgeber hieß. "Wir waren von Anfang an nicht im Spiel wie wir wollten", sagte Mijat Gacinovic hinterher. Woran liegt das?

"Es ist nicht das Kraftthema. Wir müssen uns eine mentale Härte aneignen und an den Tag legen", lokalisiert der Hoffenheimer Trainer das Problem in den Köpfen und nicht in den Beinen seiner Profis. Auch weil fünf, sechs Profis mit Startelfanspruch aktuell fehlen. "Wir könnten den einen oder anderen gut auf dem Platz gebrauchen", weiß Hoeneß.

Adamyan überzeugt als Joker

"Wir müssen einfach 90 Minuten Vollgas-Fußball spielen", sagt Sargis Adamyan, der zuletzt gegen Liberec und in Bremen als Joker überzeugte. Nach der Bundesligapause geht es gegen Stuttgart, nach Mainz und gegen Augsburg. Es sollte eine Trendwende her, wenn Rang 13 nicht zur dauerhaften Heimat werden soll. Dafür muss auch eine bessere Chancenverwertung her. Mit Andrej Kramaric lag die Chancenverwertung in den ersten drei Bundesligaspielen bei 38,1 Prozent. Ohne den kroatischen Vize-Weltmeister von 2018 sank dieser Wert mittlerweile auf schwache 23,9 Prozent, den zweitschlechtesten Wert in der Bundesliga.

In der Defensive sind die Kraichgauer bei gegnerischem Ballbesitz mit ihrer Fünferkette zu anfällig für Bälle in die Tiefe. Union Berlin machte das in der Vorwoche beim 3:1 vor, auch Wolfsburg traf so am Sonntag zum 2:0. Wolfsburgs Trainer Oliver Glasner jubilierte: "Sie stehen sehr hoch mit ihrer letzten Kette, wir wollten diese Räume mit tiefen Laufwegen attackieren. Das hat sehr gut funktioniert."


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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