Erst Hoffenheimer Traumpässe, dann laute Bässe

Fussball  Das 5:0 gegen den 1. FC Köln zeigt, dass die TSG Hoffenheim ihre spielerische Klasse nur mit der richtigen Einstellung kombinieren muss. Kramaric überragt als Vorbereiter.

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Hoffenheimer Feiergesellschaft: Dennis Geiger (links) freut sich hier mit Georginio Rutter über das Tor zum 4:0 beim 5:0 am Freitagabend gegen den 1. FC Köln.

Foto: dpa

Das letzte Lächeln des Arbeitstages fiel Sebastian Hoeneß nicht schwer. In der geleerten Sinsheimer Arena hatten fünf Fans ganz unten in Block U ausgeharrt, bis der Hoffenheimer Trainer auch wirklich in alle TV-Mikrofone gesprochen hatte. Ihr Wunsch ging nicht nur mit einem 5:0-Sieg der TSG gegen den 1. FC Köln in Erfüllung, sondern auch mit einigen Selfies am späten Freitagabend. Handy für Handy schnappte sich Hoeneß - und strahlte sein Siegerlächeln in die Fan-Kameras. Mit einer Mischung aus "Freude, Bestätigung und Erleichterung" saß der 39-Jährige wenige Minuten später im Presseraum der Sinsheimer Arena. "Wir wussten, dass es ein richtungsweisendes Spiel wird. Wir haben uns für den Anschluss nach oben entschieden", sagte Hoeneß - und sprach an gegen die lärmenden Kabinen-Nachbarn, die nun den Top sechs wieder näher sind als der Abstiegszone.

 

Die Wände wackeln bei der Siegesfeier

Passlastig war das TSG-Spiel in Hälfte eins und zwei gegen Köln. Basslastig kam die Musik in der Nachspielzeit daher. Die Wände zum Presseraum wackelten am Freitagabend nach dem 5:0 (1:0) auf jeden Fall gewaltig. Die grölenden Sieger waren schnell identifiziert. "Das ist unsere Kabine", sagte Hoeneß. Entweder es gibt einen neuen Kabinen-DJ, es wurde technisch aufgerüstet oder die Freude über den höchsten TSG-Heimsieg der Nach-Nagelsmann-Zeit brauchte einfach ein paar Dezibel mehr. "Eine Teamleistung mit viel Spirit", sah der Trainer in den 90 Minuten zuvor, herausgespielt mit Treffern, einer sehenswerter als der andere. Ihlas Bebou (31.) und in Durchgang zwei erneut Bebou (49.), Christoph Baumgartner (51.), Dennis Geiger (74.) und Stefan Posch (87.) trafen gegen bemitleidenswerte Kölner, die ihrem Hoffenheim-Trauma ein weiteres Schreckenskapitel hinzufügten (nun sieben Pleiten gegen die TSG in Serie).

Dass die Hoffenheimer hochveranlagte Fußballer in ihrem großen Kader versammelt haben, das ist Fakt. "Heute haben wir die Grundtugenden des Fußballs gelebt", sagte Sebastian Hoeneß: "Wir wollen für das stehen, was wir heute gezeigt haben."

Wenn sie müssen, dann sind sie da

Irgendwie beschleicht einen dabei das Gefühl, dass diese Mannschaft immer nur dann ihr ganzes Können mit der nötigen Mentalität vereint, wenn es auch wirklich unbedingt sein muss. Wenn eine handfeste sportliche Krise droht, eine Trainerdebatte - oder sogar beides.

So war es in Durchgang zwei gegen Wolfsburg (3:1), so war es nun auch wieder gegen Köln nach dem vorangegangenen blutleeren Auftritt beim 1:3 in Stuttgart. Nun nutzten die Kraichgauer den vielen Raum, den die Kölner besonders nach der Pause anboten. "Dann sieht man halt, was wir für Qualitäten in der Mannschaft haben", sagte Neuzugang David Raum am Freitagabend. Besonders hervorstechend dabei: die Rolle von Andrej Kramaric als Raumdeuter "So einen Pass wie vor dem Hoffenheimer 1:0 sehe ich auch nicht jeden Tag", schwärmte Kölns Trainer Steffen Baumgart.

Ein Tor, aber schon sechs Vorlagen hat der TSG-Rekordspieler in dieser Saison beigesteuert. In der Vergangenheit war dieses Verhältnis eher umgekehrt. Kramaric ist aktuell der Vorlagen-König der Liga, nun auch bester TSG-Vorbereiter der Geschichte. "Er kann gerne beides tun", sagte Sebastian Hoeneß zum Thema Vorarbeiter oder Vollstrecker. "Er hat wieder zwei Tore vorgelegt, war extrem fleißig, er hat oft nach hinten mitgeholfen und verteidigt, vorne angelaufen", attestierte Hoeneß seinem wichtigsten und besten Spieler als gestaltende Figur eine "super Leitung".

Grillitsch statt Vogt als Abwehrchef

Ein weiterer Schachzug ging zudem auf: Florian Grillitsch agierte nicht wie zuletzt als einer der zwei Sechser, sondern ersetzte als Chef einer Abwehr-Dreierkette den Ex-Kölner Kevin Vogt, der 90 Minuten lang zuschauen musste.

Köln kam quasi zu keiner Chance. "So müssen wir weitermachen, jede Woche", sagte Dennis Geiger noch. Das Problem: Am nächsten Samstag (15.30 Uhr) geht es nach München, zum Spitzenreiter FC Bayern.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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