Eppinger Spazierfahrt endet fast mit einem Totalschaden

Fußball  Gefährlich wird dem Verbandsligisten VfB beim 4:0 gegen Friedrichstal nur ein unqualifizierter Zuschauer-Ruf, der für Diskussionen sorgt. Sportlich gesehen war das Schlusslicht einfach überfordert.

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Das war der erste Streich: Eppingens Jan-Hendrik Hoyer bejubelt hier sein 1:0 gegen Friedrichstal, es folgten noch drei weitere VfB-Treffer.

Foto: Klaus Krüger

Auch eine 4:0-Führung kann eine sehr wacklige Angelegenheit sein. Eine unbedachte Äußerung - und schon könnten die Punkte schwuppdiwupp weg sein. Wie das? Beim Verbandsligaspiel des VfB Eppingen gegen den FC Germania Friedrichstal forderte Gästespieler Chris Roosevelt Jones kurz vor der Halbzeitpause eine Gelbe Karte für den bereits verwarnten Marinko Balikic. Vom Clubhaus-Balkon aus rief darauf ein Eppinger Anhänger für alle 100 Zuschauer sehr laut und sehr deutlich vernehmbar: "Forder' hier nicht Gelb, du Affe!" Das ist in keinem Fall eine Nettigkeit, sondern beleidigend, in jenem speziellen Fall aber auch als rassistisch zu verstehen, denn Jones ist von dunkler Hautfarbe.

Diskussionen und Spielunterbrechung

Die Friedrichstaler Bank wollte auch noch das Adjektiv "schwarzer" vorm Wort Affe gehört haben, das allerdings definitiv nicht fiel. "Das wäre gar nicht gegangen. Aber wir haben das Spiel ja mit Ton auf Video", sagte Eppingens Trainer David Pfeiffer hinterher, der die Beleidigung auch gehört hatte. Im Gegensatz zu Schiedsrichter Philipp Becker. Es folgten lange Diskussionen an der Seitenlinie, inklusive Spielunterbrechung, Gästetrainer Hicham Ouaki tobte: "Das ist respektlos." Allerdings waren zuvor auch Gäste-Fans mit Beleidigungen gegenüber dem Schiedsrichter aufgefallen.

Wo beginnt strafbarer Rassismus auf dem Sportplatz

Als "unnötig und dumm" bezeichnete David Pfeiffer hinterher die Zuschauer-Äußerung. Egal ob bedacht oder unbedacht. "Ich glaube, sie war vom Tonfall her nicht so gemeint, wie sie ankam." Die große Frage lautet: Wo beginnt strafbarer Rassismus auf dem Sportplatz? "Der Schiedsrichter sagte, wir hätten die Berechtigung, das Spiel abzubrechen", erzählte Ouaki hinterher: "Dann kriegen wir vielleicht die drei Punkte, oder es gibt ein Wiederholungsspiel." Ouaki und sein Team entschieden sich für Fair Play und spielten weiter. Denn: "Es war kein Fehler der Eppinger Spieler oder Trainer. Sie zu bestrafen, das wäre unsportlich gewesen", sagte der Trainer des Schlusslichts nach dem Verbandsligaspiel. Schließlich führten die Eppinger bereits 4:0.

"Wir konnten die Sache nach dem Spiel klären", sagte Oliver Späth, der Sportliche Leiter des VfB am Sonntag. Nach dem Spiel gab es noch intensive Diskussionen im VfB-Clubhaus. Das wichtigste Ergebnis dabei: Der Eppinger Zuschauer entschuldigte sich für seine Äußerung und betonte, dass diese nicht rassistisch gemeint gewesen sei. Der Schiedsrichter wird einen Bericht über den Vorfall anfertigen. Ob es eine Strafe für den VfB gibt? "Das kann sein", sagt Oliver Späth.

Alle vier Tore fallen in der ersten Halbzeit

Der unschöne Zwischenfall war die einzige Schrecksekunde auf einer Spazierfahrt zu drei Punkten für den VfB Eppingen. Das Schlusslicht war schlichtweg überfordert. Jan-Hendrik Hoyer scheiterte in der 12. Minute erst noch per Kopf an Gäste-Keeper Sören Hemmelgarn. Im zweiten Versuch war der Ball drin. 1:0. Drei Minuten später durfte Ciaran Fleck von der Strafraumgrenze ungehindert zum 2:0 einschießen. In einer Kopie scheiterte Fleck erst noch an Hemmelgarn, den Nachschuss verwertete Christopher Wild zum 3:0 nach 21 Minuten. Der VfB erledigte die Gäste quasi mit links. Alle drei Tore fielen über die linke Eppinger Seite. "Es war wichtig, dass wir nicht kompliziert spielen, sondern es einfach halten", sagte David Pfeiffer hinterher. Die punktlosen Gäste waren mit ihrem jungen Team gnadenlos überfordert. "Sie haben es uns nicht so schwer gemacht, aber wir waren auch gut", sagte David Pfeiffer.

Nach 20 Minuten ließen die Eppinger etwas nach, Julius Reinbold erzielte noch in Minute 37 das 4:0. Dieses Mal fiel das Tor über die rechte Eppinger Seite. In Durchgang zwei hätte der VfB ein bisschen seine Torbilanz aufpolieren können, es mangelte nicht an Möglichkeiten, dafür aber an Konsequenz vorm Tor. Die Gäste hingegen waren froh, zumindest in den zweiten 45 Minuten ein 0:0 erspielt zu haben. "Wir hätten auch noch zwei Tage spielen können und kein Tor geschossen", sagte Friedrichstal-Trainer Ouaki.

VfB Eppingen: Dobler, Balikic (46. Zetzsche), Felk (63. Nyassi), Kradija, Rauh (83. Komlenovic), Hoyer (67. Späth), Durmus, Rudenko, Felk, Wild, Reinbold.

Tore: 1:0 (12.) Jan-Hendrik Hoyer, 2:0 (15.) Ciaran Fleck, 3:0 (21.) Christopher Wild, 4:0 (37.) Julius Reinbold Zuschauer: 100.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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