Eine Kampfansage des Bezirks Hohenlohe an den WFV

Fußball  Die Hohenloher wollen beim Verbandstag den Antrag zur Zusammenlegung der drei baden-württembergischen Verbände stellen.

Email

Die wiedergewählten Ralf Bantel (links) und Hartmut Megerle sprachen sich beim virtuellen Bezirkstag gegen die Reformpläne des WFV aus. Fotos/Montage: Marc Schmerbeck

Es war eine Kampfansage. Sie kam beinahe aus dem Nichts, mit dem letzten Antrag des TSV Niedernhall beim Hohenloher Fußball-Bezirkstag am Samstag. Und sie richtete sich ganz klar an den Württembergischen Fußballverband (WFV).

Beim Verbandstag im Juli wollen die Hohenloher demnach den WFV beauftragen, bis zum Verbandstag 2024 in Zusammenarbeit mit dem BFV (Badischer Fußballverband) und SBFV (Südbadischer Fußballverband), die Möglichkeit des Zusammenschlusses der drei baden-württembergischen Fußballverbände zu einem gemeinsamen Verband für Baden-Württemberg zu prüfen und dem Verbandstag 2024 ein Ergebnis und gegebenenfalls eine Lösungsmöglichkeit zu präsenteren.

Verbandsvertreter Müller ist "ein bisschen verwirrt"

In einem ersten Antrag fordern die Hohenloher zuvor die Verschiebung zur Abstimmung über die Strukturreform bis 2024. Eigentlich soll darüber bei einem außerordentlichen Verbandstag im nächsten Jahr abgestimmt werden. Das saß.

"Ein bisschen verwirrt bin ich darüber, dass man hier im Land einen einzelnen Verband machen will und Hohenlohe vehement gegen eine Zusammenlegung von 16 auf zwölf Bezirke ist. Das widerspricht sich für mich ein bisschen", sagte Verbandsvertreter Harald Müller, der der Online-Veranstaltung zugeschaltet war.

Der Niedernhaller Patrick Megerle begründete den Antrag: "Die seit fast zwei Jahren andauernde Diskussion über die Notwendigkeit einer Verbandsstrukturreform und die Corona-Krise haben aufgezeigt, dass eine nachhaltige und langfristige Entwicklung der Strukturen notwendig ist und dies nicht mit einer versteckten Bezirksreform erledigt ist. Nicht nur die Strukturen innerhalb des Verbandes bedürfen deshalb einer Überprüfung, sondern auch die Strukturen des Verbandes an sich." Er wies unter anderem auch auf mögliche Kostenersparnisse und die möglichen größeren Einflussmöglichkeiten auf Politik und Deutschen Fußballbund hin.

Nun ist der WFV in einer ähnlichen Situation wie der Bezirk Hohenlohe, der durch die Strukturreform zweigeteilt werden würde. Die Vereine aus den Bereichen Schwäbisch Hall/Crailsheim würden danach dem Bezirk Rems/Murr zugeteilt, die anderen würden mit dem Unterland zu einem neuen Bezirk verschmelzen. "Wir verstehen nicht, warum der Bezirk auseinandergerissen werden soll", sagte Martin Fischer von der Spvgg Gammesfeld, zwischen Crailsheim und Rothenburg ob der Tauber gelegen. "Für uns würde es bedeuten, dass wir zukünftig bis vor Stuttgart, rund 150 Kilometer fahren müssten."

WFV kompromissbereit bei Härten in Hohenlohe

Müller meinte dazu: "Es gibt gewisse Härten, was Hohenlohe anbelangt. Wir sind aber gesprächsbereit, man ist auch etwas kompromissbereit." Das sind eher neue Worte vom WFV. Zumindest kam eine Gesprächsbereitschaft beim Bezirksvorsitzenden Ralf Bantel bisher nicht so deutlich an. "Wir haben auch aus Württemberg und Baden ein super Bundesland hinbekommen", sagte Müller. Allerdings noch vor den Anträgen. "Wenn etwas neu ist, muss man sich umstellen. Deshalb möchte ich dazu appellieren, dass sich der Bezirk Hohenlohe nochmal Gedanken macht. Mit Emotionen und Voreingenommenheit kommen wir nicht weiter."

Dem entgegnete der Bezirksspielleiter Hartmut Megerle: "Harald Müller hat Kompromissbereitschaft von den Bezirken angemahnt, wir mahnen Kompromissbereitschaft beim Verband an."

Opfer seiner eigenen Struktur eines Flächenbezirks

Die Hohenloher wehren sich nicht grundsätzlich gegen Reformen. Aber eben gegen die Zerteilung. Dabei würde man Opfer seiner eigenen Struktur eines Flächenbezirks. Denn die Grundlage für die Pläne des WFV sind die Schiedsrichtergruppen als kleinste Einheit. Und davon hat Hohenlohe fünf, die sich eben gut neu verteilen lassen. Zumindest beim nüchternen Blick auf die Landkarte.

Daneben stößt das Vorgehen des WFV auf große Kritik. Bantel sieht sich und den Bezirk zu wenig mit einbezogen. "Wir im Bezirk könnten mit der Spielklassenreform leben, aber eben nicht mit der Bezirksreform", sagte Bantel. "Wir können einer Trennung unseres Bezirks keinen positiven Effekt entnehmen."

Nun haben die Hohenloher ihren ersten klaren taktischen Schritt gemacht. Der Konter des WFV wird kommen. Die Machtspiele haben begonnen.

 


Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

Kommentar hinzufügen