Ein großer Schritt für den eigenen Traum

Fußball  Sven Palinkasch wechselt von Anpfiff ins Leben Heilbronn als Co-Trainer zum U19-Bundesligateam der SpVgg Unterhaching. Er ist die Wunschlösung von Ex-Profi und Haching-Trainer Sandro Wagner.

Email

Anpfiff-Heilbronn-Koordinator Martin Lanig (rechts) verabschiedet Nachwuchstrainer Sven Palinkasch mit vielen guten Wünschen nach Unterhaching.

Foto: Bertok

Eine Karriere als Trainer, das ist der Traum von Sven Palinkasch. Dafür verzichtet der 22-jährige Akteur des nordbadischen Verbandsligisten VfB Eppingen sogar darauf, selbst weiter Fußball zu spielen. Der gebürtige Heilbronner aus Nordhausen wurde am vergangenen Sonntag durch Martin Lanig, dem Koordinator von "Anpfiff ins Leben Heilbronn" - hier war er seit Ostern für die C-Junioren verantwortlich - offiziell nach München zur SpVgg Unterhaching verabschiedet, wo er als Co-Trainer der U 19-Bundesligajunioren seinem großen Traum einen großen Schritt näher kommt.

Über die Jugend des TSV Nordhausen, FC Heilbronn, FC Union Heilbronn und FV Löchgau wechselte Palinkasch 2018 zu den Aktiven des VfB Eppingen, arbeitete da aber schon als Nachwuchstrainer bei den Bambini, sowie E- und D-Junioren in Nordhausen, ehe ihn sein Weg in diesem Jahr zu Martin Lanig und "Anpfiff ins Leben Heilbronn" führte.

Palinkasch hospitierte eine Woche lang bei Sandro Wagner

Die Verbindung zur SpVgg Unterhaching kam durch sein Studium "Fußball-Management" in Ismaning zu Stande, da seine Hochschule und der Verein eine langjährige Kooperation pflegen. Inzwischen belegt Palinkasch zudem den Studiengang "Training und Coaching im Fußball". Im Rahmen des Studiums absolvierte er im Nachwuchsleitungszentrum des Regionalligisten bei den U15-Junioren ein Praxissemester im Bereich Spielanalyse und Training.

"Es war viel Zufall dabei. Über Pfingsten habe ich die Möglichkeit bekommen, eine Woche bei Sandro Wagner zu hospitieren", erzählt Palinkasch, dass er sich die Chance mit dem Hoffenheimer Ex-Profi und Hachinger U19-Coach zusammenzuarbeiten nicht entgehen ließ und ergänzt lachend: "Sandro hat mich immer mehr in seine Arbeit eingebunden und wohl gemerkt, dass ich nicht ganz so blind bin."

Beim Frühstück offenbart ihm Wagner, das er seine Wunschlösung wäre

Das Angebot von Wagner, während der U 19-Bundesliga-Aufstiegsrunde weitere drei Wochen mitzuarbeiten und sich um die Videoanalysen zu kümmern, nahm er natürlich ebenfalls dankend an. Nach den erfolgreich abgeschlossenen Aufstiegsspielen ging es für den Nordhausener zurück zur U 15, während Wagner die erste Mannschaft der Unterhachinger als Cheftrainer übernahm.

Ein großer Schritt für den eigenen Traum

Vorbei: Sven Palinkasch (links) im Dress des Verbandsligisten VfB Eppingen. Selbst Fußball spielen, das geht jetzt nicht mehr.

Foto: Klaus Krüger

"Dann kam überraschend die Anfrage, ob ich ein oder zwei Tage zu den Profis ins Trainingslager nach Südtirol kommen will", berichtet Palinkasch, wie er dort beim Frühstück von Wagner angesprochen wurde, "dass ich seine Wunschlösung wäre, um Sven Teichmann, den neuen U19-Coach, als Co-Trainer zu unterstützen".

Palinkasch hat alle Vor- und Nachteile abgewogen

Palinkasch war zunächst sprachlos. "Ich habe eineinhalb Wochen darüber nachgedacht, mit der Familie und dem engeren Freundeskreis darüber gesprochen."

Auch Martin Lanig gehörte zu den Gesprächspartnern, bevor er Unterhaching seine Zusage gab. "Ich habe aber alle Vor- und Nachteile abgewogen. Ein Nachteil ist, dass ich jetzt die Jungs bei Anpfiff ins Leben mehr oder wenige im Stich lasse", bedauert Palinkasch, der von der 360-Grad-Förderung von Anpfiff ins Leben mit den vier Säulen Sport, Schule, Beruf und Soziales überzeugt ist. "Es ist außergewöhnlich, was dort geleistet wird. Aber Trainer soll ja mal mein Hauptberuf werden und in einem Nachwuchsleistungszentrum zu arbeiten, war immer mein Ziel. Deshalb habe ich diese Chance ergriffen."

Der junge Mann freut sich auf seine neue Aufgabe neben dem Studium. Und wer weiß, auch ein Julian Nagelsmann war einst als 22-jähriger Co-Trainer im Jugendbereich des TSV 1860 München tätig, bevor ihn sein Weg über 1899 Hoffenheim und RB Leipzig zum FC Bayern München führte. Doch ganz so weit denkt Sven Palinkasch in aller Bescheidenheit nicht und winkt lächelnd ab. Wohlwissend, dass dieser Werdegang nur den allerwenigsten Fußballlehrern vorherbestimmt ist.

Jung, ambitioniert und professionell

Beim Anpfiff-Kooperationspartner FC Union Heilbronn war Sven Palinkasch seit Ostern für die C-Junioren verantwortlich, leistete dort Aufbauarbeit für die neue Saison 2021/22. Lanig betrachtet den Wechsel von Palinkasch ins Nachwuchsleistungszentrum der SpVgg Unterhaching mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "In der jetzigen Phase hinterlässt Sven bei uns schon eine Lücke, die wir jetzt adäquat schließen müssen. Für uns war aber klar, dass wir einen Trainer, der so ambitioniert ist, nicht mit aller Macht halten wollen. Es ist auch genau der Weg von Anpfiff ins Leben, der in diese Richtung geht. Die Entwicklung unserer Trainer und Spieler steht im Vordergrund", sagt Lanig. "Ab dem Zeitpunkt, als ich mit Sven intensiv zusammen arbeitete, habe ich natürlich auch sein Potenzial erkannt. Er ist ein junger und ambitionierter Trainer, der seine Arbeit sehr ernst nimmt und professionell arbeitet." Lanig findet es schade, dass "er jetzt nicht mehr bei uns ist. Aber ich gönne ihm diese Chance von Herzen." tok

 

Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

Top-Kommentare

Kommentar hinzufügen