Die Zehn-Spieltage-Zwischenbilanz der Kreisliga Sinsheim

Fußball  Für zehn Spieltage hat es bis zum Lockdown gereicht. Was war gut? Was muss bei den Vereinen aus dem Verbreitungsgebiet besser werden? Ein Überblick.

Von Marco Merz
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Andrei Porfireanu (r.) ist mit Treschklingen zu Hause eine Macht.

Foto: Ralf Seidel

War da was? Ja, da war tatsächlich was: Für einen kurzen Augenblick hat der Amateurfußball im Kreis Sinsheim stattgefunden. Zwar hat die Kreisliga ihren Spielbetrieb, coronabedingt, na klar, verspätet aufgenommen und den Laden - klar, coronabedingt - inzwischen wieder zugesperrt. Aber für zehn ganze Spieltage hat es gereicht. Immerhin. Das reicht für eine Zwischenbilanz. Oder den Halbjahresabschluss? Was war gut? Was muss bei den Vereinen aus dem Verbreitungsgebiet besser werden? Sofern es irgendwann weitergeht. Ein Überblick:

TSV Ittlingen: fünf Sterne

Top: Die Liste der bisherigen Highlights ist lang: Kevin Oliveira führt mit seinen elf Treffern souverän die Torjägerliste der Kreisliga an und ist gewissermaßen der "Kapo der Kanoniere" in der Ittlinger Torfabrik, die bislang bereits 26 Tore erzielte. Mit seinem attraktiven Spielstil bereichert der Aufsteiger die Liga.

Was kann verbessert werden? Hin und wieder mangelt es an der nötigen Kompaktheit der einzelnen Mannschaftsteile und in der Tiefenstaffelung der Abwehrkette, wie gesehen bei der jüngsten 1:2-Niederlage in Obergimpern oder beim 0:2 gegen den FC Rohrbach a.G.

VfL Mühlbach: vier Sterne

Top: The trend is your friend! Die seit sechs Spieltagen ungeschlagene Schweinfurth-Elf ist in einer guten Verfassung und ergatterte zuletzt 14 von 18 möglichen Punkten. Bemerkenswert: Sämtliche Heimspiele gewann der VfL bisher ohne Gegentor.

Was kann verbessert werden? Derzeit gibt es nichts zu meckern, ihr anfängliches Phlegma und die zu Saisonbeginn noch latent auftretenden Mentalitätsdefizite hat die Mannschaft vom Steinhauerdorf spätestens am vierten Spieltag beim 1:1 in Ittlingen abgelegt.

SV Gemmingen: drei Sterne

Top: Die Elf von Daniel Kufner ist eine der spielstärksten Mannschaften, der es insbesondere zu Saisonbeginn glänzend gelang, sich in den Rücken der gegnerischen Abwehrreihe zu kombinieren. Das jüngste Unentschieden beim starken Team von Türk Gücü Sinsheim sollte Mut machen.

Was kann verbessert werden? Definitiv die Verwertung der häufig klug herausgespielten Torchancen. Symptomatisch dafür steht das dürftige Heim-Remis gegen Kirchardt. Und zur Spielkultur sollten nach Auffassung von Kufner seine Schützlinge durchaus auch mal die "Kampfstiefel" anziehen.

FC Badenia Rohrbach: drei Sterne

Top: In heimischen Gefilden ballert die Badenia munter drauf los und erzielte zu Hause zwölf ihrer 15 Treffer. Christian Auer ist ein zuverlässiger Torschütze, die Sabo-Elf kann - wie beim 2:0-Auswärtscoup in Ittlingen - auch defensiv gut organisiert und kompakt agieren.

Was kann verbessert werden? Wenn es hinten mal scheppert, dann gewaltig: Fünf Gegentore gegen Epfenbach und deren vier bei TG Sinsheim zeigen, dass die Gießhübel-Elf bei Niederlagen manchmal die Kontrolle verliert.

VfB Bad Rappenau: drei Sterne

Top: Die Kroiher-Combo hat durchaus Comeback-Qualitäten, rafft sich nach Niederlagen immer wieder auf. So ergab sich bisher ein relativ "konstanter" Saisonverlauf mit sich munter abwechselnden Siegen, Unentschieden und Niederlagen. Der VfB hat zwar keinen echten Torjäger, kann sich dafür aber auf viele verschiedene Torschützen verlassen.

Was kann verbessert werden? Die Anzahl der Auswärtsgegentore. 16 der insgesamt 21 Gegentreffer schlugen in der Fremde im VfB-Gehäuse ein, gleich deren sechs in Ittlingen und Waibstadt.

TSV Obergimpern: drei Sterne

Top: Dank der jüngsten Erfolgsserie - zuletzt gab es in den vergangenen vier Spielen drei Siege - kletterte Gimpern aus dem Tabellenkeller. Der Dreschplatz wurde wieder zur altbewährten Festung, alle zehn Saisonpunkte ergatterten die Kraichgau-Piraten im eigenen Revier. Und die gelegentlichen Einsätze von Vereinslegende Christopher Lakos sind immer noch eine absolute Attraktion für die Liga.

Was kann verbessert werden? Selbstredend die Auswärtsbilanz: Null Punkte sind wahrlich kein Ruhmesblatt. Auch der Spielabbruch bei TG Sinsheim wirft Fragen auf.

SV Treschklingen: drei Sterne

Top: Die Heimbilanz der Susan-Elf ist himmlisch. Alle 13 Punkte wurden in Treschklingen eingefahren. Für ihre Spielstärke sind die Gelb-Schwarzen seit jeher bekannt - und sie untermauerten dies am vorerst letzten Spieltag beim 2:0-Sieg gegen das Spitzenteam Zuzenhausen II.

Was kann verbessert werden? Die Auswärtsbilanz, die derzeit eine doppelte Nullnummer ist: Null Tore und null Punkte in der Fremde sind angesichts der fußballerischen Klasse des Teams unerklärlich.

SG Kirchardt: zwei Sterne

Top: Mit Philipp Strähle, Imad Mohamed, Adrian Reck und potenziell Andreas Hilsenbeck verfügt die SG über mehrere Tor-Garanten. Höhepunkte waren zudem die Kantersiege zu Hause gegen den SV Treschklingen (4:0) und den VfB Eppingen II (6:0). Auffälligste Spieler-Erscheinung ist bisher Adrian Reck, ein absoluter Mentalitätsspieler, der allerdings berufsbedingt nicht regelmäßig zur Verfügung steht.

Was kann verbessert werden? Eindeutig das defensive Gesamtverhalten: 21 Gegentore verdeutlichen die Problemzone des Aufsteigers. Insbesondere beim jüngsten 0:4 gegen den SV Reihen agierte die SG- Hintermannschaft im Defensivverhalten viel zu passiv und statisch.

VfB Eppingen II: ein Stern

Top: Ehrlich gesagt nicht viel, wenn man auf dem letzten Platz steht. Dabei waren die Fohlen des VfB in den vergangenen Jahren stets der Inbegriff einer vorbildlich aufgestellten zweiten Mannschaft, die auch in dieser Saison noch über genügend potenzielle Qualitätsspieler verfügt und besser dastehen sollte.

Was kann verbessert werden? Die Flut an Gegentreffern muss die Liehs-Elf schnellstens eindämmen, zuletzt kassierte sie 16 Tore in vier Spielen und insgesamt schon deren 31. Die desaströse Auswärtsbilanz (null Punkte, 6:22 Tore) ist ebenso ein Grund für den derzeitigen Tabellenstand wie das Fehlen eines zuverlässigen Torhüters.


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