Die vielen Hoffenheimer Problemzonen

Fußball  Dritte Bundesliga-Pleite in Serie: Das 1:2 in Augsburg legt einmal mehr die aktuellen TSG-Defizite schonungslos offen.

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Am Boden: Hoffenheims Abwehrspieler Kevin Vogt nach dem 1:2 in Augsburg. Hoffenheim hat noch sieben Zähler Vorsprung auf die Abstiegsränge, doch nun warten schwere Gegner wie Leverkusen, Leipzig und Gladbach auf die TSG.

Foto: dpa

Torwart Oliver Baumann fasste in einem treffenden Wort die Situation der TSG Hoffenheim zusammen. Erschreckend. Das sind die vielen Problemfelder der TSG nach der dritten Niederlage in Serie, dem 1:2 beim FC Augsburg.

Tabelle: Es ist noch nicht lange her, da sollte mit einer Siegesserie Europa ins Visier genommen werden. 13 Zähler beträgt der TSG-Rückstand nun. Diesen aufzuholen, erscheint illusorisch. Der Hoffenheimer Blick geht nach unten. Dass es weiterhin sieben Zähler Vorsprung auf die Ränge 16 und 17 sind, liegt vor allem an der Schwäche der Kellerkinder. Keins der Teams hinter der TSG punktete dreifach, was auch schon das Beste am Osterwochenende aus Hoffenheimer Sicht war.

Köln (0:1 in Wolfsburg) und Bielefeld (1:1 in Mainz) versäumten Big Points. "Wir sind in einer Situation, wo wir auch auf andere Mannschaften und die anderen schauen müssen. Das nervt", sagt Torwart Oliver Baumann. "Es ist nicht unser Anspruch, aber im Moment ist es so. Es ist erschreckend und macht mir ein bisschen Sorge." Sorgen muss das alles Sebastian Hoeneß bereiten. Ob es auch nach einer Heim-Niederlage gegen Bayer Leverkusen am nächsten Montag (20.30 Uhr/DAZN) ruhig bleibt um den Erstliga-Trainerneuling, der 13 seiner ersten 27 Bundesligaspiele verloren hat? Die nächsten Gegner heißen Leverkusen, Leipzig, Gladbach und Freiburg. Alles Endspiele für ein sorgenfreies Saisonfinale – und auch für den Trainer?

Schlechte Serie: Nur zwei der vergangenen elf Pflichtspiele hat die TSG Hoffenheim gewonnen. Vorm 1:2 gegen Mainz sprach Sebastian Hoeneß noch von einem positiven spielerischen Trend. Der ist nicht mehr erkennbar. Stattdessen: sehr viel Ratlosigkeit. "Wir haben heute nicht die richtige Antwort gehabt, haben nicht gewusst, wie wir uns Chancen herausspielen können", sagte Abwehrchef Florian Grillitsch, der bei beiden Augsburger Toren nicht wirklich eine gute Figur abgab.

Frühe Rückstände: 0:1 nach acht Minuten durch Ruben Vargas, 0:2 nach 23. Gegen Mainz lagen die Kraichgauer zuletzt nach nicht einmal 30 Sekunden zurück. Hoffenheim hat ein Präsenz-Problem. Der Hoeneß-Elf fehlt es an Intensität ab Spielbeginn, die der Trainer in Augsburg während der Partie unüberhörbar einforderte. Es mangelt zudem an Comeback-Qualitäten, an der Fähigkeit einen Rückstand in einen Sieg zu verwandeln. Hoffenheim war in Durchgang zwei zwar besser, mehr als das späte Tor von Robert Skov (86./1:2) gelang nicht.

Ausrechenbarkeit: Hoffenheim ist mit der hochstehendem Dreier-/Fünferkette extrem konteranfällig. Das hatte zuletzt in Stuttgart Konsequenzen, nun in Augsburg. "Es war verwunderlich, dass sie uns die Räume geben", sagte André Hahn, Augsburgs Torschütze zum 2:0. Ruben Vargas spielte vom eigenen Strafraumeck einen langen Ball in den Lauf von Hahn. Die Hoffenheimer Chris Richards und Florian Grillitsch zuckelten hinterher.

Mangelnde Kommunikation: Zu still, zu brav. Sebastian Hoeneß hat mangelnde Kommunikation auf dem Feld schon vor längerer Zeit als Manko ausgemacht. Natürlich fehlen Leader-Typen wie Benjamin Hübner und Ermin Bicakcic. Trotzdem steht viel Erfahrung auf dem Feld (Sebastian Rudy, Pavel Kaderabek, Florian Grillitsch oder Oliver Baumann). Läuft es nicht, ist jeder zu sehr mit sich selbst beschäftigt. "Es ist zwar menschlich, dass man dann den Hang hat, sich zurückzuziehen", sagt der 38-Jährige, "aber gerade in diesen Phasen müssen Köpfe und Kommunikation hochgehen und die Brust rausgehen, da werde ich ansetzen."

Fazit: Nur mit den vielen Länderspielabstellungen und Verletzungen ist die TSG-Situation nicht erklärbar.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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