Die VfB-Sorgen lassen sich nicht einfach so wegblasen

Fußball  Für den VfB Stuttgart steht am nächsten Sonntag ein richtungsweisendes Spiel bei Aufsteiger VfL Bochum an. Wer drinbleiben will, der muss den Neuling schlagen.

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Stuttgarts Trainer Pellegrino Matarazzo weiß, dass nun ein Schlüsselspiel ansteht: "Bochum, das ist ein sehr wichtiges Spiel", sagt er.

Foto: dpa

Der Stadionmitarbeiter mit dem Laubbläser hatte es am Sonntagabend einfacher als Pellegrino Matarazzo, der Trainer des VfB Stuttgart. Lautstark arbeitete sich der Müllbläser durch die Cannstatter Kurve und trieb die Überbleibsel der 90 Minuten zusammen auf einen großen Haufen aus Abfall und Papier. Job erledigt, die Stehplätze wieder sauber, keine Analyse nötig.

Zeitgleich sprach Pellegrino Matarazzo bei der Pressekonferenz gegen das Dröhnen und Brummen an, das in einem leeren 60 000-Zuschauer-Rund entsteht. Die VfB-Sorgen lassen sich nicht einfach wegpusten. Dem Fußballlehrer mangelt es in den nächsten Tagen nicht an Arbeit. "Es geht darum, dieses Spiel nachzubereiten", gab der US-Amerikaner die Devise aus. "Wir hatten keine gute Balance zwischen Angriff und Aufbau, es sind viele Themen, die ich gesehen habe."

 

Durch frühe Gegentore bringt sich der VfB immer wieder in eine schlechte Position

Die Mängelliste ist länger als bei einem Auto, das irgendwie durch den TÜV kommen möchte. "Im Ballbesitz zu viele Abspielfehler", konstatierte Pellegrino Matarazzo. "Zu ungenau, zu wenig Tempo, nicht zielstrebig genug", fand Pascal Stenzel das VfB-Spiel. Durch die frühen Gegentore bringt sich das Team immer wieder in eine schlechte Position. 2,4 Gegentore pro Spiel sind definitiv zu viele, fünf fielen nach Ballverlusten. Was daran liegt, dass die Stuttgarter Mannschaft mit eigenem Ballbesitz zu wenig anfangen kann und individuelle Fehler passieren. Die Leichtigkeit der Vorsaison ist aktuell nicht mehr vorhanden.

Vier Spiele ohne Sieg, nur vier Punkte und Rang 14 weist die Bundesligatabelle aktuell aus. Ein realistisches Bild, durchaus erwartbar, findet der VfB-Manager. "Ich glaube, dass wir da stehen, wo wir uns eingeordnet haben", sagte Sportdirektor Sven Mislintat am Montag und verwies auf die zuletzt starken Gegner, das Verletzungspech und die namhaften Sommerabgänge.

Wer drinbleiben will, der sollte den VfL Bochum schlagen

"Wir wissen, dass wir besser spielen können", sagt Pellegrino Matarazzo. Das sollte seine Mannschaft auch zügig. Am nächsten Sonntag (15.30 Uhr, DAZN) geht es zum Vorletzten. "Bochum, das ist ein sehr wichtiges Spiel, auswärts sicher ein Schlüsselspiel", blickte Pellegrino Matarazzo schon mal voraus.

Der VfL ist ein Aufsteiger, wer drinbleiben möchte wie der VfB, der sollte solche Mannschaften hinter sich lassen und gegen sie punkten. Danach kommt die ebenfalls mau gestartete TSG Hoffenheim in die Stuttgarter Arena. Da besteht schon ein gewisser Druck zu punkten, oder? "Punkte-Druck, das würde ich nicht unbedingt sagen", meinte Pascal Stenzel: "Natürlich ist die Punktausbeute nicht optimal für uns."

Bloß nicht zu sehr in den Krisenmodus verfallen

Neuling Bochum war am Samstag beim 0:7 in München heillos überfordert. "Es geht darum, in Bochum drei Punkte zu sammeln, bestenfalls das Ganze in eine andere Richtung zu lenken und ein bisschen aus dem Negativstrudel herauszukommen", sagte Stenzel, der gegen Leverkusen eingewechselt wurde. Bloß nicht zu sehr in den Krisenmodus verfallen, einen Zustand, den man in Stuttgart nur allzu gut durch die zwei Erstligaabstiege 2016 und 2019 kennt. Ruhe bewahren, nicht in Panik verfallen.

Was Sven Mislintat am Montag ausstrahlte, verbalisierte Abwehrmann Stenzel schon am Sonntag direkt nach der Partie. "Wir dürfen nicht nervös werden oder den Teufel an die Wand malen", sagte Stenzel. Schließlich ging es ja gegen ein Topteam wie Leverkusen, das allerdings eine Stunde in Unterzahl spielte. "Es ist auch in Überzahl nicht leicht gegen ein Team wie Leverkusen", sagte Marc Oliver Kempf.

Stabilisatoren wie Castro und Kobel fehlen

Die Bayer-Elf ist tatsächlich nicht der Maßstab für die Stuttgarter, eher schon Bochum nächste Woche. Mit einem Satz ließ Matarazzo zudem tief blicken, dass es auf die Führungsspieler ankomme, die den jungen Spielern Halt geben: "Wir brauchen ein anderes Mannschaftsgefüge." Schließlich sind Stabilisatoren und Lautsprecher wie Gonzalo Castro und Gregor Kobel verloren gegangen. Der Mann mit dem Laubbläser hat es einfacher als der VfB.

Beförderung kein Thema

Sportdirektor Sven Mislintat strebt mit Blick auf den angekündigten Abschied von Vorstandschef und Sportvorstand Thomas Hitzlsperger beim VfB Stuttgart keine Beförderung an. "Es ist völlig unwichtig, ob ich hier am Ende Sportvorstand bin oder Sportdirektor. Das ist sowas von egal", sagt er. "Es geht zuvorderst darum, einen Top-Job für diesen Club zu machen. Das wird - in welcher Position auch immer - mein Bestreben sein." dpa


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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